Mittwoch, 25. August 2010

Wie das Handelsblatt sich lächerlich macht

Ich bin ziemlich schockiert, über einen Artikel, den ich gerade im Handelsblatt gelesen habe. Dass ein Wirtschaftsmedium sich durch solche Unkenntnis auszeichnet, ist fast ein Skandal.

In dem Artikel "Wie Wikipedia Markttheorien widerlegt", behauptet der nicht namentlich genannte Autor (könnte auch eine Autorin sein):

Wikipedia sei "Eine Erfolgsgeschichte, die Volkswirte in Erklärungsnöte" bringe. "Ihre traditionellen Theorien legen nahe, dass es den Aufstieg des Internetlexikons gar nicht hätte geben dürfen. Warum sollten sich rationale Individuen die Mühe machen, unentgeltlich Lexikonartikel für ein anonymes Publikum zu schreiben? Jeder Internetnutzer kann das Onlinelexikon nutzen, ohne dass er selbst Beiträge beisteuert."

Er kommt zum Fazit: "Die Studie zeigt damit erneut: Volkswirte machen einen Fehler, wenn sie den Menschen zum reinen Egoisten erklären – dann können sie viele Phänomene des wahren Lebens nicht richtig erklären. "

Dabei lieferte er einige Zeilen zuvor - zitiert aus der Studie, die seiner Meinung die VWL-Theorie widerlegt habe - die Begründung für das Mitmachen bei der Online-Enzyklopädie: "Die Mitarbeit bei Wikipedia verschaffe den einzelnen Autoren Befriedigung – die Forscher sprechen dabei von "sozialem Nutzen"."

Soweit so gut. Nur hätte der Redakteur nur einmal bei Wikipedia schauen müssen, um zu erkennen, dass der Artikel Schmarrn ist. Der "Homo Oeconomicus", auf den wohl abgehoben werden soll, ist nämlich erstens ein wissenschaftliches Modell - diese verkürzen immer - und zweitens ist er kein Geld-Optimierer, sondern ein Nutzen-Orientierer. Und wie das Wort schon sagt, ist auch "Sozialer Nutzen" Nutzen.

Mei o mei.

Freitag, 13. August 2010

Wir sitzen auf einem ganz schön hohen Ross

Es ist erstaunlich, wie sie gerade abläuft, diese Diskussion über Google Streetview. Mal abgesehen davon, dass es natürlich viel wichtigeres gibt als dass ein Unternehmen sein Produkt auf den Markt bringen kann.

Was ich krasser finde: Wir, die Social Media "Experten", sitzen auf einem ganz schön hohen Ross. Und lachen oder fluchen über jeden, der ein schlechtes Gefühl bei einem Produkt hat, das selbst bei uns keineswegs unumstritten ist. Und dessen Nicht-Markteinführung kein Weltuntergang wäre, auch wenn wir natürlich Google alle furchtbar lieb haben.

Ich hatte einen Linguistik-Professor, der sich über die Anglizismen-Debatte aufgeregt hat. Meines Erachtens zu recht. Denn Sprachen mischen sich seit jeher. Das Deutsche ist eigentlich noch recht eigenständig. Und es ist nicht einzusehen, wieso wir über das "Date" meckern, aber das "Rendez-vous" für Ok halten. Trotzdem läuft die öffentliche Debatte anders.

Wenn man sich die Debatten rund um erneuerbare Energien anschaut, dann gibt es auch dazu eine Menge Meinungen, aber kaum jemand versteht die technischen Details von Atomkraftwerken und Solaranlagen. Trotzdem äußern wir uns.

Bei nahezu jedem Thema werden sich Fachöffentlichkeiten finden, die darüber meckern, dass Medien, Politiker und Bürger schlecht informiert sind. Sie vernachlässigen dabei, dass man auch gut informiert zu unterschiedlichen Meinungen kommen kann. Oder dass z. B. zur Vorbeugung der Finanzkrise uninformierter "gesunder Menschenverstand" nicht hätte zu schlechteren Ergebnissen führen können.

Die grundsätzliche Problemstellung ist, dass Menschen technischen und kulturellen Entwicklungen unterschiedlich offen gegenüberstehen. Und dass das dazu gehört, zu unserem System. Weil die Demokratie eben die Herrschaft des Volkes, und nicht der Experten ist. Und wir auf diesem Gebiet ganz schön schlecht informiert zu sein scheinen, für dass wir auf anderen große Töne spucken.

[Dieser Text ist recht schnell runtergeschrieben - bitte Ungenauigkeiten entschuldigen!]