Montag, 19. Juli 2010

Nur, wer nichts macht, macht nichts falsch

Ich finde es immer wieder spannend, wie in Blogs Social-Media-Kampagnen auseinandergenommen, PR-Desaster definiert und am Ende Lehren gezogen werden. Und dennoch: Ich habe immer ein schlechtes Gefühl dabei.

Sehen wir der Wahrheit doch mal in die Augen: Als Kommunikator macht man – wie in jedem anderen Beruf – andauernd schlimmere oder weniger schlimme Fehler. Ich bin sicher, dass ich in meinen sechs Jahren PR schon so einige Journalistenanfragen schlecht beantwortet habe. Ich bin mir sicher, dass ich zahlreiche Mails überlesen habe. Ich habe auch schon Dinge empfohlen, obwohl sich im Nachhinein eine andere Idee als bessere entpuppt hat. Und ich weiß: Ich werde irgendwann ein riesiges PR-Desaster erleben. Ich sperre Youtube-Channels, mahne Blogger ab oder mache noch viel schlimmeres. Warum? Nun: Nur wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Ich aber möchte PR-MACHER und nicht PR-VERHINDERER sein. Ich möchte Pressearbeit und nicht Presseverhinderungsarbeit machen. [Wobei: Auch dieser Satz könnte mir irgendwann zum Verhängnis werden, denn natürlich werde auch ich nicht allen alles erzählen.]

Das Verrückte an dieser Welt ist ja: Wir wissen nicht, was in der nächsten Minute passiert. Und von den 1 Mio. Facetten, die eine Sache hat, werden wir nie alle berücksichtigen – bzw. im Zweifel sogar die Falsche. [Ich empfehle dazu die Literatur von “Der schwarze Schwan”, in dem beschrieben wird, dass wir uns ständig auf irgendwelche unwahrscheinlichen Ereignisse vorbereiten, die eh nie eintreten – wohingegen irgendwas anderes passiert, mit dem wir nie gerechnet hätten].

Wie also nun umgehen mit diesen Beispielen? Ich finde, man kann sich die ganzen Beispiele gerne anschauen. Aus Entertainment. Weil man – wenn man das lustig findet – über andere lachen kann. Aber bitte bitte bitte: Keine allzu detaillierten Konsequenzen daraus ziehen. Und immer schön im Kopf behalten: Nur, wer nichts macht, macht nichts falsch. Oder eben alles.

Freitag, 16. Juli 2010

Haben Sie schon mal mit einem Blogger gesprochen?

Ich möchte noch vor der Mega-Hitze joggen gehen, daher nur kurz: Es wundert mich schon sehr, wie viele PR-Agenturen und -Profis Social Media Arbeit interpretieren – nämlich nur als Bespielen bestimmter Kanäle. Wie das konkret aussieht zeigt das PR-Barometer, mit dem das PR Journal abfragen will, wie weit sich Social Media bereits durchgesetzt hat.

Umfrage2

Umfrage

Da wird gefragt, ob man einen Social Media Newsroom hat, Videos produziert oder Podcasts macht. Das alles ist wichtig. Aber viel interessanter wäre die Frage “Haben Sie schon mal mit einem Blogger gesprochen?”. Genau das wäre nämlich die allererste Aufgabe der PR: Beziehungen zu den relevanten Zielgruppen aufzubauen. Erst danach geht es um Tools. Leider haben das viele noch nicht verstanden. Warum, ist mir noch nicht so richtig klar. Weil man etwas Plakatives machen möchte, ohne sich die Mühe einer persönlichen Beziehung anzutun? Weil ein Gespräch sich nicht als “Produkt” verkaufen lässt? Keine Ahnung. Jedenfalls kann ich die Umfrage so nicht beantworten. Und egal, wie das Ergebnis ausfällt: Darüber, wie weit “Social Media Relations” entwickelt sind, wird es nichts aussagen.

Einen schönen Tag Euch!

Freitag, 2. Juli 2010

Welt Kompakt, Opernwerkstatt und andere Best Practises

Ich muss gestehen, dass die Suche nach richtig guten Social Media Cases immernoch nicht leicht fällt. Zum einen, weil man zu wenig über die Ziele weiß. Ist der Twitter-Kanal @lufthansa_de mit 27tsd. Followern ein Erfolg? Weil es “so viele” sind? Oder erreicht es die Falschen – weil Meinungsbildner (eine klassische Social Media Zielgruppe) sich keinen Promotionkanal antun und für einen “klassischen” Promotionkanal die Followerzahl (in klassischen Reichweitenmaßstäben) viel zu klein ist? Oder will die Lufthansa ein modernes Image aufbauen? Dann die Frage: Sind die Leute, die festlegen, ob modern oder nicht-modern, überhaupt auf Twitter? Ich kann den Erfolg einfach nicht beurteilen, weil ich die Ziele nicht kenne.

Bleibt mir also nur die Möglichkeit, Beispiele zu loben, die einfach schön gemacht sind. Weil sie neu sind oder zeigen, was man mit Social Media machen kann. So wie gestern die Welt Kompakt, die ausschließlich von Bloggern, Twitterern und anderen Webschreiberlingen gestaltet wurde. Ich muss zugeben, dass ich sie inhaltlich etwas anstrengend fand. Nicht, weil die Artikel schlecht waren. Aber alle waren so magazinig wie Blogeinträge. Und ich habe mich gefragt, ob Leser allgemein am allerliebsten längere News lesen. Mir jedenfalls haben die sehr gefehlt. Und ob es am Fehlen ebendieser liegt, dass Blogs sich in Deutschland nicht so richtig durchgesetzt haben. Vielleicht kennt da ja jemand eine Studie: Wieviel Meinung, wie viel Nachrichten wünscht sich der Leser? Jedenfalls fand ich die Welt Kompakt schon aufgrund dieses Gedankens einen Gewinn für mich. Ganz abgesehen davon, dass diese Ausgabe neue Leser für Blogs begeistert haben könnte – unser Controller fragte, nachdem ich ihm die Ausgabe gezeigt hab, ob ich ihm mal sag, wann der nächste SocialMediaClubTwittwochDingens ist. Und dass selbst mir die Vielfalt des Webs mal wieder bewusst wurde: Nur sehr wenige der teilnehmenden Webveröffentlicher kannte ich vorher. Ach so: Und für die Welt Kompakt ist es ein Gewinn, weil die Ausgabe noch in Monaten und vielleicht Jahren als Beispiel für “etwas wagen” gewertet wird. In einer – laut Ansicht der Financial Times Eigner – sterbenden Branche finde ich “Neues wagen” nicht die schlechteste Idee. Für mich also alles in allem ein Erfolg.

Ein weiteres Beispiel finde ich einfach toll gemacht. Ganz egal, wie hoch die Reichweite ist. Es zeigt, wie man für den Long Tail arbeitet. Und es demonstriert am kleinen Beispiel wie sich auch große Ereignisse begleiten ließen – die Rede ist von der Opernwerkstatt. Mit viel Mühe stellt Christian de Vries vor, was hinter den Kulissen der Opernfestspiele in Heidenheim passiert. Tolle Interviews kommen dabei raus und schöne Geschichten. Es zeigt das Potenzial von Social Media für Kulturveranstaltungen [ein weiteres Beispiel für gut socialisierte Kulturveranstaltungen finde ich übrigens die Umsetzung der Langen Nacht für Museen in Düsseldorf und die Unicredit Festspielnacht in München]. Die Kulturszene ist m.E. [bis auf das Finanzierungsproblem] wie geschaffen für Social Media. Wo sonst hat man so viele interessierte “Kuden”? Also, liebe Kulturveranstaltende und -sponsoren, wagt mal was! Wie’s geht, seht Ihr unter anderem hier: