Donnerstag, 22. April 2010

Servus, haebmau!

Ich geb zu, man wird nicht glaubwürdiger, wenn man in kurzen Zeitabständen immer wieder anrührende Abschiedsposts in seinem Blog veröffentlicht. Dennoch muss ich es tun. Denn nach einer viel zu kurzen Zeit, nur fünf Monaten, verlasse ich die Agentur häberlein & mauerer. Nicht, weil mich irgendetwas an der Agentur stört. Sondern einfach, weil es Chancen gibt, bei denen man das Gefühl hat, sie nutzen zu müssen. Ich werde ab 1. Mai Pressesprecher bei OSRAM.

Ich muss sagen, dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat, in dieser Agentur zu arbeiten. Denn haebmau kann genau das, worauf es m. E. bei PR ankommt: gute Geschichten erzählen und persönliche “Relations” pflegen. Beides mag banal klingen. In einer PR-Welt allerdings, in der immer mehr “geschaltet” und immer weniger “gesprochen” wird, ist es dies keineswegs. Ich finde es daher schön, dass haebmau so denkt und ich finde es noch schöner, dass Verantwortliche für tolle Marken diesen Weg mitgehen.

Aber PR-Verständnis hin oder her – besonders fehlen wird mir wohl das Team, mit dem ich die letzten Monate arbeiten durfte. Eva, Silke, Michaela, Maria, Caro, Karin, Ute und Martin: Es war "amende de stages" wirklich eine klasse Zeit bei Euch und wenn ich eines an meinem Abschied schade finde, dann dass ich gerade mal beide Füße in der Tür hatte und dann schon wieder abhaue. Sorry dafür.

Wie dem auch sei, ich danke allen, mit denen ich in den letzten Monaten zu tun hatte, dafür, dass diese Monate mich sehr bereichtert haben. Ich hoffe, wir bleiben in Kontakt und wünsche Euch alles alles Gute!

Ich gebe ab an die Musik.

Montag, 19. April 2010

Meconomy: 3 Gedanken zu “Personal Branding”

Ich lese gerade das Buch “Meconomy” von Markus Albers – zugegeben zunächst vor allem deshalb, weil ich mal testen wollte, wie es ist ein, Buch auf dem iPhone zu lesen. Zu Eurer Info: Beides ist super – das Buch und das Lesen auf dem Telefon.

Jedenfalls möchte ich zwischendurch – weil mich dieses Thema immer wieder beschäftigt – einige Anmerkungen zum Kapitel “BrandMe: Warum Selbstmarketing so wichtig ist” [Edit: Dieses Kapitel ist eher ein Randaspekt des Buches] und zu “Personal Branding” und “Reputation Management” allgemein machen, da ich vieles, was zu diesem Thema gesagt und geschrieben wird, falsch finde:

Personal Branding ist von gestern

Ich denke, dass Personal Branding – so wie es im Buch vorgeschlagen und von vielen propagiert wird – absolut von gestern ist. Albers zitiert Blaise James, der dazu rät, nicht seinen Leidenschaften zu folgen, sondern Fähigkeiten zu analysieren und daraus gemäß Wünschen der Kunden seine Marke “zu bauen”. Sorry, aber für mich klingt das nach Marianne und Michael. Schließlich ist es genau das, was die beiden machen: Seit gefühlten 150 Jahren heile Welt, absolute Liebe und immer gute Laune - weil sie es spielen können (die Fähigkeit haben) und die “Kunden” es nachfragen. Aber: Ist das wirklich das, was wir wollen? Stellt Albers nicht in seinem Buch bewusst Johannes Kleske vor, der genau das Gegenteil repräsentiert? Der macht was er will und genau dadurch erfolgreich ist?

Die Person ist Vorbild für die Marke – nicht umgekehrt

Ich denke, dass Personal Branding einen grundsätzlichen Denkfehler beinhaltet: Werbestrategen versuchen im Allgemeinen Marken nach dem Vorbild von Menschen zu formen. Nicht umsonst spricht man bei Marken von Markenpersönlichkeit, von Identität und Image. Sie versuchen, etwas abstraktem einen konkreten Charakter zu geben. Leider gelingt das nur zum Teil, weshalb ein Markencharakter nie so umfassend ist wie der eines Menschen – er bleibt ein Menschencharakter light. Was Personal-Branding-Freunde propagieren, ist, den menschlichen Charakter so zu beschneiden, dass er ebenfalls zum Markencharakter wird – also auch zum Menschencharakter light. Und diese Formulierung zeigt schon das Problem: Meines Erachtens wird diese Beschneidung dem Wesen eines Menschen nicht gerecht. Menschen, die wie Marken sind, sind eindimensional und langweilig. Mein Tipp: Anstatt eine Markenpersönlichkeit zu bauen, lieber die Personenpersönlichkeit sein.

Kein Unterschied zwischen Online- und Offline-Persönlichkeit

Jetzt könnte man ja sagen: Nein, wir wollen nicht den Menschen, sondern nur kommunizierte Inhalte im Web beschneiden. Sorry, aber für mich gibt es da keinen Unterschied. Digital Natives und Leute wie ich machen keinen Unterschied in ihrer Online- und ihrer Offline-Persönlichkeit. Das Web ist Teil meines einen Lebens. Wenn ich meine Inhalte beschneiden würde, dann online wie offline. Das aber wiederum kann ich nicht – der Christian, der abends in der Kneipe ein Bier trinkt, ist der gleiche, der morgen ins Büro geht, und der gleiche, der von dort aus ab und an twittert. Er ist vor allem ein Mensch, keine Marke.

So, jetzt les ich weiter. Ich hoffe, dass Markus weiter hinten im Buch nicht noch das Gleiche sagt :-). Fragen, Anregungen, Kritik, Sonstiges: Raus damit!