Ich lese gerade das Buch “Meconomy” von Markus Albers – zugegeben zunächst vor allem deshalb, weil ich mal testen wollte, wie es ist ein, Buch auf dem iPhone zu lesen. Zu Eurer Info: Beides ist super – das Buch und das Lesen auf dem Telefon.
Jedenfalls möchte ich zwischendurch – weil mich dieses Thema immer wieder beschäftigt – einige Anmerkungen zum Kapitel “BrandMe: Warum Selbstmarketing so wichtig ist” [Edit: Dieses Kapitel ist eher ein Randaspekt des Buches] und zu “Personal Branding” und “Reputation Management” allgemein machen, da ich vieles, was zu diesem Thema gesagt und geschrieben wird, falsch finde:
Personal Branding ist von gestern
Ich denke, dass Personal Branding – so wie es im Buch vorgeschlagen und von vielen propagiert wird – absolut von gestern ist. Albers zitiert Blaise James, der dazu rät, nicht seinen Leidenschaften zu folgen, sondern Fähigkeiten zu analysieren und daraus gemäß Wünschen der Kunden seine Marke “zu bauen”. Sorry, aber für mich klingt das nach Marianne und Michael. Schließlich ist es genau das, was die beiden machen: Seit gefühlten 150 Jahren heile Welt, absolute Liebe und immer gute Laune - weil sie es spielen können (die Fähigkeit haben) und die “Kunden” es nachfragen. Aber: Ist das wirklich das, was wir wollen? Stellt Albers nicht in seinem Buch bewusst Johannes Kleske vor, der genau das Gegenteil repräsentiert? Der macht was er will und genau dadurch erfolgreich ist?
Die Person ist Vorbild für die Marke – nicht umgekehrt
Ich denke, dass Personal Branding einen grundsätzlichen Denkfehler beinhaltet: Werbestrategen versuchen im Allgemeinen Marken nach dem Vorbild von Menschen zu formen. Nicht umsonst spricht man bei Marken von Markenpersönlichkeit, von Identität und Image. Sie versuchen, etwas abstraktem einen konkreten Charakter zu geben. Leider gelingt das nur zum Teil, weshalb ein Markencharakter nie so umfassend ist wie der eines Menschen – er bleibt ein Menschencharakter light. Was Personal-Branding-Freunde propagieren, ist, den menschlichen Charakter so zu beschneiden, dass er ebenfalls zum Markencharakter wird – also auch zum Menschencharakter light. Und diese Formulierung zeigt schon das Problem: Meines Erachtens wird diese Beschneidung dem Wesen eines Menschen nicht gerecht. Menschen, die wie Marken sind, sind eindimensional und langweilig. Mein Tipp: Anstatt eine Markenpersönlichkeit zu bauen, lieber die Personenpersönlichkeit sein.
Kein Unterschied zwischen Online- und Offline-Persönlichkeit
Jetzt könnte man ja sagen: Nein, wir wollen nicht den Menschen, sondern nur kommunizierte Inhalte im Web beschneiden. Sorry, aber für mich gibt es da keinen Unterschied. Digital Natives und Leute wie ich machen keinen Unterschied in ihrer Online- und ihrer Offline-Persönlichkeit. Das Web ist Teil meines einen Lebens. Wenn ich meine Inhalte beschneiden würde, dann online wie offline. Das aber wiederum kann ich nicht – der Christian, der abends in der Kneipe ein Bier trinkt, ist der gleiche, der morgen ins Büro geht, und der gleiche, der von dort aus ab und an twittert. Er ist vor allem ein Mensch, keine Marke.
So, jetzt les ich weiter. Ich hoffe, dass Markus weiter hinten im Buch nicht noch das Gleiche sagt :-). Fragen, Anregungen, Kritik, Sonstiges: Raus damit!