Wie das Handelsblatt sich lächerlich macht
Ich bin ziemlich schockiert, über einen Artikel, den ich gerade im Handelsblatt gelesen habe. Dass ein Wirtschaftsmedium sich durch solche Unkenntnis auszeichnet, ist fast ein Skandal.
In dem Artikel "Wie Wikipedia Markttheorien widerlegt", behauptet der nicht namentlich genannte Autor (könnte auch eine Autorin sein):
Wikipedia sei "Eine Erfolgsgeschichte, die Volkswirte in Erklärungsnöte" bringe. "Ihre traditionellen Theorien legen nahe, dass es den Aufstieg des Internetlexikons gar nicht hätte geben dürfen. Warum sollten sich rationale Individuen die Mühe machen, unentgeltlich Lexikonartikel für ein anonymes Publikum zu schreiben? Jeder Internetnutzer kann das Onlinelexikon nutzen, ohne dass er selbst Beiträge beisteuert."
Er kommt zum Fazit: "Die Studie zeigt damit erneut: Volkswirte machen einen Fehler, wenn sie den Menschen zum reinen Egoisten erklären – dann können sie viele Phänomene des wahren Lebens nicht richtig erklären. "
Dabei lieferte er einige Zeilen zuvor - zitiert aus der Studie, die seiner Meinung die VWL-Theorie widerlegt habe - die Begründung für das Mitmachen bei der Online-Enzyklopädie: "Die Mitarbeit bei Wikipedia verschaffe den einzelnen Autoren Befriedigung – die Forscher sprechen dabei von "sozialem Nutzen"."
Soweit so gut. Nur hätte der Redakteur nur einmal bei Wikipedia schauen müssen, um zu erkennen, dass der Artikel Schmarrn ist. Der "Homo Oeconomicus", auf den wohl abgehoben werden soll, ist nämlich erstens ein wissenschaftliches Modell - diese verkürzen immer - und zweitens ist er kein Geld-Optimierer, sondern ein Nutzen-Orientierer. Und wie das Wort schon sagt, ist auch "Sozialer Nutzen" Nutzen.
Mei o mei.
