Freitag, 2. Juli 2010

Welt Kompakt, Opernwerkstatt und andere Best Practises

Ich muss gestehen, dass die Suche nach richtig guten Social Media Cases immernoch nicht leicht fällt. Zum einen, weil man zu wenig über die Ziele weiß. Ist der Twitter-Kanal @lufthansa_de mit 27tsd. Followern ein Erfolg? Weil es “so viele” sind? Oder erreicht es die Falschen – weil Meinungsbildner (eine klassische Social Media Zielgruppe) sich keinen Promotionkanal antun und für einen “klassischen” Promotionkanal die Followerzahl (in klassischen Reichweitenmaßstäben) viel zu klein ist? Oder will die Lufthansa ein modernes Image aufbauen? Dann die Frage: Sind die Leute, die festlegen, ob modern oder nicht-modern, überhaupt auf Twitter? Ich kann den Erfolg einfach nicht beurteilen, weil ich die Ziele nicht kenne.

Bleibt mir also nur die Möglichkeit, Beispiele zu loben, die einfach schön gemacht sind. Weil sie neu sind oder zeigen, was man mit Social Media machen kann. So wie gestern die Welt Kompakt, die ausschließlich von Bloggern, Twitterern und anderen Webschreiberlingen gestaltet wurde. Ich muss zugeben, dass ich sie inhaltlich etwas anstrengend fand. Nicht, weil die Artikel schlecht waren. Aber alle waren so magazinig wie Blogeinträge. Und ich habe mich gefragt, ob Leser allgemein am allerliebsten längere News lesen. Mir jedenfalls haben die sehr gefehlt. Und ob es am Fehlen ebendieser liegt, dass Blogs sich in Deutschland nicht so richtig durchgesetzt haben. Vielleicht kennt da ja jemand eine Studie: Wieviel Meinung, wie viel Nachrichten wünscht sich der Leser? Jedenfalls fand ich die Welt Kompakt schon aufgrund dieses Gedankens einen Gewinn für mich. Ganz abgesehen davon, dass diese Ausgabe neue Leser für Blogs begeistert haben könnte – unser Controller fragte, nachdem ich ihm die Ausgabe gezeigt hab, ob ich ihm mal sag, wann der nächste SocialMediaClubTwittwochDingens ist. Und dass selbst mir die Vielfalt des Webs mal wieder bewusst wurde: Nur sehr wenige der teilnehmenden Webveröffentlicher kannte ich vorher. Ach so: Und für die Welt Kompakt ist es ein Gewinn, weil die Ausgabe noch in Monaten und vielleicht Jahren als Beispiel für “etwas wagen” gewertet wird. In einer – laut Ansicht der Financial Times Eigner – sterbenden Branche finde ich “Neues wagen” nicht die schlechteste Idee. Für mich also alles in allem ein Erfolg.

Ein weiteres Beispiel finde ich einfach toll gemacht. Ganz egal, wie hoch die Reichweite ist. Es zeigt, wie man für den Long Tail arbeitet. Und es demonstriert am kleinen Beispiel wie sich auch große Ereignisse begleiten ließen – die Rede ist von der Opernwerkstatt. Mit viel Mühe stellt Christian de Vries vor, was hinter den Kulissen der Opernfestspiele in Heidenheim passiert. Tolle Interviews kommen dabei raus und schöne Geschichten. Es zeigt das Potenzial von Social Media für Kulturveranstaltungen [ein weiteres Beispiel für gut socialisierte Kulturveranstaltungen finde ich übrigens die Umsetzung der Langen Nacht für Museen in Düsseldorf und die Unicredit Festspielnacht in München]. Die Kulturszene ist m.E. [bis auf das Finanzierungsproblem] wie geschaffen für Social Media. Wo sonst hat man so viele interessierte “Kuden”? Also, liebe Kulturveranstaltende und -sponsoren, wagt mal was! Wie’s geht, seht Ihr unter anderem hier:

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