Dienstag, 2. Februar 2010

Zwei kätzerische ketzerische Fragen zu Social Media

Das scheint wohl am Wetter zu liegen – oder auch am Zufall. Jedenfalls hab ich gestern über ein ähnliches Thema nachgedacht wie Nico Lumma. Nico schreibt über die Social Media Week Berlin und dass da die immergleichen Leute über die immergleichen Themen diskutieren. Und sich dabei einreden, dass ihr Thema unterschätzt ist aber in nächster Zeit sehr sehr wichtig würde.

Bei mir ging's um ähnliche Fragen, über die ich dann nicht gebloggt und getwittert habe, weil sie irgendwie nicht zusammengehören aber irgendwie doch. Weil ich keinen spannenden gemeinsamen Aufhänger gefunden habe. Aber Nicos Post passt in diese Reihe und daher hau ich sie jetzt einfach mal raus:

1. Ist es nicht ein schlechtes Zeichen, dass die meisten oder zumindest viele Social Media Profis mehr über Kongresse und Veranstaltungen touren als tatsächlich sichtbare Ideen zu verwirklichen – nachdem das Thema nun wirklich schon einige Jahre alt ist? Also ich meine: Es gibt tatsächlich Einige, die tatsächliche Projekte betreut haben und betreuen sowie erfahrene Kommunikatoren sind (z. B. Tapio und Jörg, aber auch andere). Aber vielfach scheinen Vorträge und Workshops rentabler zu sein und zweitens scheint niemand die Vortragenden danach zu fragen, was sie denn schon real bewegt haben. In den Bios steht dann “führender Vordenker”, “sprach bereits bei” und so weiter. Die Fragen, die ich mir stelle: Gibt es zu allen Kommunikationsthemen so viele Dampfplauderer? Bekomme ich das beim Thema Social Media nur unmittelbarer mit? Ist Kompetenz im Sinne von Referenzen überall so augenscheinlich zweitrangig? Helfen die vielen Vortragsreisenden dem Thema Social Media eher dabei, vom Workshopthema zum realen zu werden? Oder ist es dem abträglich?

2. Wie kommt es eigentlich zu dieser Social-Media-Heldenverehrung? Also wieso finden zum Beispiel alle Jeff Jarvis so toll? In der englischen Wikipedia steht, dass er ein Dell-Support-Problem aufgedeckt hat. Das wäre eine ähnliche Grundlage des “Erfolgs” wir bei Johnny Häusler und Jamba. Was aber sagt das über die Leute aus, die ihm zuhören und ihn bejubeln? Wieso soll mir dieser Mann etwas über die Zukunft der Medien erzählen können? Hat er jemals ein Unternehmen geführt oder irgendwelche wegweisenden Weichenstellungen beeinflusst? Oder textet er nur schöne Buchtitel? Mir ist schon klar, wie Prominenz entsteht und dass das nicht unbedingt etwas mit Kompetenz zu tun hat – s. die ganzen “Experten”, die zu allen möglichen Themen in Medien zu Wort kommen. Aber ist dieses Problem nicht in der Social Media Szene besonders dramatisch? Oder bekomme ich es auch hier nur unmittelbarer mit? Und was sind die Gründe dafür: Begünstigt Twitter durch die Schnelligkeit die Herausbildung eines voreiligen Mainstreams “XY hat tolle Gedanken”? Gibt es im Web besonders viele Ahnungslose, die schon den Hinweise auf das Wort “Relations” in “Public Relations” für den Stein der Weisen halten?

Das alles mag kätzerisch, verbittert, neidisch und so weiter klingen. Es ist aber nicht so gemeint. Ich stelle mir einfach diese Fragen. Vielleicht habt Ihr ja Hinweise, die mir bei der Lösungsfindung weiterhelfen!?

Nachtrag: Einen Tipp hatte schonmal @larsbas - einen für mich etwas peinlichen: Es muss natürlich "ketzerisch" heißen und nicht "kätzerisch" - na ja, da muss ich jetzt durch :-)

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