Samstag, 13. Februar 2010

Die Zukunft der Werbung ist die Kleinanzeige

Wenn ich über die Werbung der Zukunft nachdenke, lande ich manchmal bei etwas, das eigentlich viel zu wenig Glamour hat, um als “Zukunftsvision” durchgehen zu können. Bei der Kleinanzeige.

Denn man muss sich das mal vorstellen: Auf der einen Seite geben Unternehmen Unsummen an Werbeagenturen, damit diese mit riesigem Aufwand Ideen kreieren und in Szene setzen, die anschließend noch nicht einmal so viel Relevanz besitzen, dass sie sich jemand freiwillig anschaut. Sonst müsste man nach dem vielen Geld für die Kreation ja nicht noch viel Geld für die Schaltung investieren.

Auf der anderen Seite gibt es Zeitungen, die man im Prinzip ausschließlich wegen der Anzeigen gelesen werden – Anzeigenblätter.

Online gilt das Gleiche: Während Online-Werbebanner so platziert werden “müssen”, dass der Leser möglichst nicht an ihnen vorbeikommt und den Schließen-Button nicht findet, werden Seiten wie mobile.de, jobpilot, neu.de und eBay ausschließlich wegen der “Anzeigen” gelesen.

Wenn Unternehmenswerbung für den Leser relevant ist, dann – so zumindest meine subjektive Wahrnehmung – vor allem die, die von Werbern abschätzig als “Schweinebauch-Werbung” bezeichnet wird – also die Sonderangebote von Supermärkten, Discountern und Elektrohändlern.

Wieso ist das so?

Meiner Meinung nach: Weil bei Kleinanzeige & Co die Kommunikation selbst Relevanz besitzt. Bei Imagewerbung hingegen hat im besten Falle das beworbene Produkt Relevanz. Die Frage: Lässt sich das nicht ändern? Müssen wir nicht Werbung kreieren, die den Leser interessiert?

Ich bin kein Intellektueller und absoluter Pragmatiker. Auch wenn ich gerade Jarvis lese, ziemlich begeistert bin (wer hätte das gedacht, aber dazu mehr, wenn ich das Buch komplett gelesen hab) und den Diskussionen von Björn Eichstädt und Amir Kassaei zwar folge, aber nichts hinzuzufügen habe, weil ich einfach intellektuell eine Stufe drunter bin: Es müsste doch eigentlich jedem Werber einleuchten, dass das bestehende System von Werbung fehlerhaft ist. Und dass das alles in Teilen wirkt wie eine riesengroße Geldverbrennungsmaschine. Oder seht Ihr das anders?

[Hinweis: Werbung bitte als Synonym von bezahlter Kommunikation insgesamt verstehen.]

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