DRPR, Blogger, Eigen-PR und meine Gedanken
Premiere. Dies ist mein erster Blogpost mit Prolog: Am 7. Oktober 2009 war ich bei einer Social Media Veranstaltung der GPRA. Auf dem Podium sprachen vier Personen. Die Social-Media-Erfahrenen Jan Manz, Bernhard Jodeleit und Mirko Lange sowie Alexander Güttler, der mir im Web vorher nie begegnet war. Aber seine Agentur kannte ich: Komm.Passion. Ich hatte zwar keine konkreten Arbeitsbeispiele im Kopf, aber doch, dass die schöne Kampagnen machen (was sich beim Blick auf die Webseite bestätigt hat). Jedenfalls war ich nicht der einzige, der Herrn Güttlers Social Media Kompetenzen bislang nicht wahrgenommen hatte. Als er die Zuhörer aufforderte, sich an Social Media zu beteiligen mit den Worten “Wer nicht im Spiel ist, kann auch keinen Einwurf machen” (oder so ählich) sah man auf der Twitterwall Kommentare wie “Wer nicht im Spiel ist, kann auch keinen Einwurf machen. @guettler_kp 29 Follower. 10 Tweets. ” (oder so ähnlich). Jedenfalls war in den USA am selben Tag von der Federal Trade Commission (FTC) gefordert worden, dass Blogger offenlegen müssten, wenn sie für Blogposts bezahlt würden. Und Güttler sagte an diesem Abend mehrfach, dass bezahltes Bloggen für ihn den absolute Trend sei. Und er verwies auf die Forderung der FTC. Bereits damals hatte ich zwei Gedanken:
1. In welcher Welt lebt Alexander Güttler? Wieso sollte bezahltes Bloggen ein größerer Trend werden als alle anderen “gekauften” redaktionellen Einbindungen in “klassischen” Medien? Lebt ein Blogger nicht – wie der Journalist – vom Vertrauen seiner Leser? Und sind die Leser nicht im Web noch viel schneller zur nächsten Webseite verschwunden als sie die Zeitung wechseln können, wenn ihnen der Inhalt nicht gefällt? Ich meine, es kann ja sein, dass ich das zu blauäugig sehe und dass alle Blogger käuflich sind. Aber ich erlebe das anders. Und ich sehe gar keinen Handlungsbedarf.
2. Kann es sein, dass Alexander Güttler dieses Thema aufgreift, weil er es für sich besetzen will? Wie oben beschrieben ist sein Name ja nicht gerade einer, der einem sofort einfällt, wenn man nach Social-Media-Experten in der PR sucht. Wollte er dieses Thema also zu seinem machen? Die Art, in der er es thematisiert hat, wirkte auf mich so, als ob. So eine Forderung eignet sich ja auch prima zur Profilierung: Es ist eine Frage, bei der Leute, die keinen Schimmer von den Zusammenhängen in der Blogosphäre haben, mitreden können: Gekaufte Redaktion = Pfui. Um das zu verstehen, braucht man keinen Twitter-Account. Desweiteren bestätigt es all diejenigen, die sowieso meinen, dass in Blogs nur Schmarrn steht. Und es ist ein Thema, das denjenigen, der es besetzt, als idealen Beratungspartner dastehen lässt: Jemand, der sich auskennt, der aber die Bodenhaftung nicht verloren hat.
Prolog Ende.
Und nun meldet sich Alexander Güttler ein weiteres Mal. Er geht an die Presse und berichtet über ein Manifest, das ein Gremium, dem er angehört – der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) – veröffentlichen will. Tapio Liller hat das perfekt zusammengefasst und treffend kommentiert. Die Frage,die sich mir stellt: Wieso geht man mit etwas an die Presse, was es noch gar nicht gibt? Wieso keine offizielle Mitteilung des Rates, sondern ein Interview des Herrn Güttler? Und nun hab ich schon wieder einen Gedanken: Wenn ich höhere moralische Maßstäbe an jemand anderen anlegen will, sollte ich dann nicht selbst sehen, dass ich diesen Maßstab mehr als erfülle? Muss ich dann nicht auch die Beweggründe für mein eigenes Verhalten offenlegen? Zumindest wenn diese dem Inhalt meiner Äußerungen nicht zu entnehmen sind? Oder anders gefragt: Wenn jemand an die Presse geht und über ein nicht-veröffentlichtes Manifest spricht für das es m. E. keine Notwendigkeit gibt – schon gar nicht für eine Vorabveröffentlichung – liegt dann nicht der Verdacht nahe, dass es um Eigen-PR der interviewten Person geht? Und wenn das der Zweck ist, wäre es nicht mehr als lauter, auch dies dazu zu sagen?
Wie gesagt: Waren nur so ein paar Gedanken.
