Mittwoch, 16. Dezember 2009

Blumenladenrettung:
Zartes Pflänzchen, aber immerhin

Sachar hat vor einigen Tagen eine Aktion ins Leben gerufen, mit der er einen kleinen Blumenladen in Berlin retten möchte. Der Besitzer war lange krank, konnte seinen Laden deshalb nicht öffnen und bangt nun um seine Existenz. Es sind bislang, wenn ich richtig rechne, ca. 2.000 von 10.000 nötigen Euro zusammengekommen [Ich hoffe, das ist korrekt zusammengefasst].

Eine spannende Diskussion dazu habe ich auf Twitter und Facebook gesehen. Peter Brodmeier fragt auf Twitter “die ganzen schlauen Social Media Berater”, wie sie den bisher seiner Ansicht nach durchwachsenen Erfolg der Aktion bisher begründen. Und auf Facebook behauptet er “Selbst auf einem Weihnachtsmarkt in Ibbenbüren wäre mehr zusammen gekommen.”

Meine Meinung: Lieber @broti, das möchte ich sehen. Wie Du auf dem Weihnachtsmarkt in Ibbenbüren 2.000 Euro für einen Blumenladen in Berlin zusammensammelst. 2000 Euro für einen Laden, den die Spender zum Großteil vermutlich nicht einmal gesehen haben – geschweige denn, vermissen würden. Du hast recht, wenn Du damit sagen willst, dass die Leute im Social Web auch nicht spendabler sind als im echten Leben. Wieso sollten sie auch, es sind doch die gleichen Menschen. Aber 2000 Euro sind 2000 Euro. Das ist mehr als nix.

Ach so: Spenden könnt Ihr übrigens hier.

Montag, 14. Dezember 2009

Ich bin NICHT immer erreichbar
- zumindest nicht per E-Mail

Da soll noch einer sagen, Twitter sei blöd. Heute fand dort und im Umfeld eine spannende Diskussion statt. Über das “Real-Time-Web” und darüber, ob man als Berufskommunikator permanent erreichbar sein muss oder sollte oder ob man stolz darauf sein darf, am Wochenende keine E-Mails zu beantworten.

Für mich beinhaltet diese Diskussion zwei spannende Aspekte:

Der eine ist die Frage von Mark, ob mit dem Einfall des Berufs ins Privatleben auch das Privatleben in den Job einzieht. Die klare Antwort für mich: Ja, das ist doch längst passiert. Schon mit der E-Mail – genau genommen schon mit dem Telefon - verbanden sich privates und berufliches Leben, weil es ganz einfach war, Kontakt in die andere Sphäre aufzunehmen. Und dieser Trend verstärkt sich. In beide Richtungen. Welches beider Leben nun stärker in das andere eingreift, hängt vom Job ab. Aber ich würde gesamtgesellschaftlich gesehen tippen, dass häufiger private E-Mails im Büro als berufliche E-Mails zuhause gelesen werden.

Der zweite spannende Aspekt ist die Frage des Wünschenswerten. Meine persönliche Ansicht ist: Am Wochenende erwarte ich von niemandem, dass er standardmäßig seine Job-Mails bearbeitet und ich habe deshalb nicht das Gefühl, dass ich den Job wechseln müsste – wie Daniela Hinrichs es vorschlägt (Nachtrag: In Marks Blog erklärt Daniela, wie sie zu dieser Meinung kommt). Ich denke, jeder Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Privatleben und ich finde es absurd, dieses zu opfern – nur, weil es Handys gibt, die E-Mails empfangen können. Damit möchte ich niemandem verbieten, in seiner Freizeit Job-Mails zu checken. Aber es muss in jedem Leben Phasen geben, in denen es meine eigene Entscheidung ist, ob ich das tue oder nicht. Wenn ich ständig E-Mails beantworten MUSS, wird das Telefon irgendwann zur elektronischen Fußfessel. Das ist nicht gut für meinen Gemütszustand und damit auch nicht gut für meinen Arbeitgeber.

Nun mögen Leute entgegnen, dass es im Job eines Berufskommunikators Notfälle gibt. Und ja, das stimmt auch. Und ich bin auch jederzeit bereit, jedem Kunden und Journalisten für diesen Fall meine Handynummer zu überlassen, unter der er mich permanent erreichen kann. Aber dieser Notfall darf eben nicht zum Normalfall werden. Wenn jemand mich in meiner selbstbestimmten Zeit fremdbestimmen will, dann erwarte ich, dass er sich wenigstens einen Moment lang Gedanken darüber macht, ob das nun wirklich erforderlich ist. Und dieser Moment ist die Entscheidung: Ja, ich rufe an. Ja, ich schreibe eine SMS.

Meine Wahrnehmung zur 24/7-Erreichbarkeit ist häufig eh eine andere als die, die von vielen der Praktizierenden als Grund genannt wird. Nicht der Job oder der Arbeitgeber oder der Kunde oder der Journalist fordern, dass man permanent Gewehr-bei-Fuß zur Verfügung steht, sondern die Erreichbaren selbst. Es ist die Meinung, selbst unabkömmlich zu sein. Aber die ist falsch. Jeder ist ersetzbar. Immer und überall.

Samstag, 12. Dezember 2009

Die Frage der Agenturaufstellung

Spezial- oder Full-Service-Agentur - die Frage nach der richtigen Aufstellung von Agenturmarken ist so alt wie die Agentur selbst. Gerade neu aufgestellt hat sich die Agentur achtung!. Per Video vom und anhand des Hamburger Isemarkts erklärt CEO Mirko Kaminksi, wieso er an integrierte Kommunikation aus einer Hand glaubt: Wenn man Gäste zum Abendessen einlade und auf dem Isemarkt am Käsestand frage, welches Essen perfekt geeignet sei, würde einem Käse empfohlen. Der Wurststand rate einem zu Wurst. Und für den Fischhändler sei Fisch das Essen-to-eat. Und dann stellt er die neue Aufstellung von achtung! vor. Alle Disziplinen unter einem Dach mit Social Media und Kreation als Querschnittsaufgabe sowie einem "Holodeck" auf dem sich die Kundenteams treffen, die aus allen Disziplinen zusammengestellt würden.

So schön, so einleuchtend. Doch bleiben wir doch mal im Bild: Was ist denn beim Lebensmittelkauf die Alternative zu den einzelnen Marktständen? Richtig, der Supermarkt. Da finde ich auch alles. Nur halt alles nicht in der Qualität und mit der Beratungstiefe wie auf dem Wochenmarkt. Und das nicht, weil Edeka schlechte Lebensmittel verkaufen will. Sondern einfach, weil es sehr schwierig ist, in allen Bereichen eine solch umfassende Qualität anzubieten. Viele Leute bevorzugen deshalb eben doch die Empfehlung vom Käse-, Wurst oder Fischstand. Weil die halt aufgrund der hochwertigeren Einzelzutaten unter Umständen besser schmeckt. Weil der Käsehändler mir sicher auch sagen kann, wo ich guten Fisch bekomme. Weil es viele Wege zur Erreichung des Ziels - die Zufriedenheit der Gäste - gibt. Weil Käse-, Wurst- und Fischmenü zwar unterschiedlich schmecken - aber vielleicht doch gleich gut.

So bleibt für mich am Ende die Frage nach der richtigen Agenturpositionierung eine offene. Nur eines scheint klar: Egal, was man macht - man muss es richtig machen. Man muss sich bewusst für seine Struktur entscheiden. Ich jedenfalls wünsche viel Erfolg mit der neuen Aufstellung. Und nun zeig ich auch endlich das Video:


Sonntag, 6. Dezember 2009

Wieso ich Twitter gerade nicht so mag

Vor etwas mehr als einem Jahr hab ich in einem Blogeintrag beschrieben, wieso ich Twitter so toll finde. Und lange Zeit waren es genau diese Gründe, die mich Twitter begeistert nutzen ließen. Doch mittlerweile ist das nicht mehr so. Sicher, ich bin immernoch häufig auf Twitter. Aber eigentlich nur noch, um mich zu zerstreuen und nicht mehr, weil mich dieses Tool fasziniert. Warum das so ist? Ich versuche mich an einer Begründung.

Ein PR-Kollege hat mir letztens mal gesagt, dass Online-Medien immer dann kaputt gehen, wenn PRler und Berater massenhaft in sie einfallen. Ich finde ja, dass man es sich mit so einer Aussage reichlich einfach macht. Aber trotzdem ist etwas wahres dran – vor allem in Bezug auf Twitter. Die Auto-Direct-Message für neue Follower, das Danken für Retweets, die Empfehlungstweets für Tweetranking – meines Erachtens sind das typische “Freundlichkeiten” von PRlern. Nun ist gegen Freundlichkeit ja nichts einzuwenden. Aber in meiner Timeline senken diese Null-Inhalt-Tweets die Relevanz. Für mich ist das schlichtweg Spam.

Das allein ist natürlich kein Grund, Twitter weniger zu nutzen. Aber irgendwie schließe ich von der oben beschrieben Twitterspamereien einiger Vor-allem-PRler auf eine Geisteshaltung. Und die behagt mir nicht. Denn noch vor einiger Zeit war Twitter für mich ein Tool, mit dem ich Menschen kennenlerne, Wissen gebe und nehme und mich informiere. Das hat sich aber nun geändert – es geht diesen “Kommunikationsprofis” für mich zu sehr um Reputation. Und “zu sehr” vor allem deshalb, weil ich nicht Followervieh sein möchte. Ich nutze Twitter um zu kommunizieren und nicht um berühmt zu werden. Und ich möchte Twitter gemeinsam mit Leuten nutzen, die das genauso sehen.

Jetzt könnte man ja sagen: Wenn Dir das Getwittere eines Users nicht passt, unfollowe ihn doch einfach. Könnte ich ja auch machen. So wie bereits heute bei den ganzen “Nur-noch-5-Follower-bis-1.000”s und “Heute-wieder-viel-gearbeitet-aber-tolles-Ergebnis-für-den-Kunden-erzielt”s. Das geht aber in diesem Fall nicht. Denn ich nutze (und nutzte) Twitter ja insbesondere, um mit Leuten aus der Kommunikationsbranche zu kommunizieren. Weil mich der Austausch zu Themen der Branche gereizt hat. Wenn ich denen nun allerdings ausgerechnet denen entfollowe, dann kann ich das Twittern auch gleich lassen. Das wiederum will ich aber auch irgendwie nicht.

Soweit zu meinem Unbehagen bzgl. Twitter. Wie’s aussieht, werde ich wohl weiterhin immer weniger auf Twitter gehen und abwarten, wie es sich entwickelt. Irgendwann werde ich’s dann ganz bleiben lassen. Oder eben wieder einsteigen, weil sich die Twitter-Kultur oder meine Meinung verändert haben.

Es sei denn, jemand von Euch hat eine andere Idee, was ich tun könnte. Also?