Donnerstag, 30. April 2009

Was ist der wichtigste Web-Trend 09?

Diese Frage wurde bei turi2 gestellt und auch ich habe in den Kommentaren geantwortet. Das will ich Euch natürlich nicht vorenthalten:

Ich würde denken, dass 2009 das Jahr der Konsolidierung werden wird. Vieles, was bisher Trend war, wird zur Massenanwendung.

Beispiel: Twitter - dabei wird nicht unbedingt Twitter als Dienst zum "Hit", aber auf jeden Fall die Art zu kommunizieren. Statusmeldungen bei Facebook & Co zeigen das bereits jetzt.

Beispiel: Smartphones/Internethandys. Bisher nutzten das nur Geeks oder Businessleute. Das wird sich ändern. Ob dabei jeder immer seine Mails dabei haben will, weiß ich nicht. Aber jeder wird Anwendungen für sich finden - von der Handy-Navigation bis zu mobilem Facebook.

Beispiel: Medien & Werbung. Klassische Verlage adaptieren Formate, die im Web 2.0 entwickelt wurden - W&V Morgenpost vs. turi2. Klassische Werbe- und PR-Agenturen mischen im Geschäft um Social Media Marketing mit.

Zusammengefasst: Der Mainstream ist der Avantgarde dicht auf den Fersen. Wer seine Existenzberechtigung als Vorreiter behalten will, muss einen weiteren Schritt nach vorne machen - oder sich im Mainstream etablieren.

Mittwoch, 29. April 2009

CSR bei PR!NT und Pizzakartons

Es ist schon erstaunlich: Heute haben unsere Kollegen aus Düsseldorf eine Studie zum Thema Corporate Social Responsibility (kurz: CSR) vorgestellt. Ergebnis: Unternehmen sehen zwar die Chancen von CSR für Image und Reputation - gemacht wird aber noch relativ wenig, vor allem weil das Know-How fehlt. Und siehe da: Kaum habe ich die entsprechenden Meldungen zu Ende gelesen, werde ich per Twitter auf eine Idee aufmerksam, die zeigt, wie einfach Nachhaltigkeit sein kann. Das nenn ich mal Innovation:

Dienstag, 28. April 2009

Müssen Journalisten Journalisten kritisieren?

Warm ans Herz legen möchte ich allen Lesern dieses Blogs "Zehn zornige Thesen zur Zukunft der Zeitung" von Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer. Ich teile nicht alle, aber wichtig finde ich, dass Ziesemer in die Offensive geht. Denn das ist wichtig für jeden Menschen, jedes Unternehmen in der kommunikativen Krise - und in einer solchen steckt die klassische Zeitung auf jeden Fall. Man darf sich nicht in dauerhafte Büßerstellung drängen lassen. Denn solange man aus dieser nicht herauskommt, wird die Krise auch nicht zu Ende gehen. Man muss in die Offensive.

Soweit so gut. Doch da ist noch ein Satz in diesen Thesen, der mir ein mulmiges Gefühl macht. Finde nur ich es erschreckend, wenn Ziesemer schreibt: "Normalerweise war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass wir uns in den Medien nicht gegenseitig kritisieren"? Ich meine: Sind solche ungeschriebenen Gesetze legitim? Dürfen die Medien eine ganze Branche aus ihrer Kritik ausnehmen - selbst, wenn es ihre eigene ist? Ich muss nachdenken. Bis dahin freue ich mich über Meinungen.

Dienstag, 21. April 2009

Journalisten und die Sorgfalt

Es gibt sicher Unterschiede darin, wie ernst Journalisten es mit ihrer Sorgfaltspflicht nehmen. Eines steht aber fest: Im Falle einer Krise wird jeder - auch ohne eigene Recherche - berichten. Im Zweifelsfall heißt es dann zur Rechtfertigung: "Ich habe ja nur darüber berichtet, dass ein anderer berichtet hat." Eine zweite Quelle heranzuziehen bedeutet dann nur noch, dass ich meinen Tischnachbarn fragen muss, ob er das auch gelesen hat. Das ist natürlich ziemlich bequem.

Als PRler kommt es in solchen Situationen auf Fingerspitzengefühl an. Juristische Schritte bringen meist nur noch mehr negative Berichte. Aber den Journalisten mit seiner Fehlleistung konfrontieren kann - und wie ich finde: sollte - man schon. Schließlich meckern Journalisten an anderer Stelle ja auch über meinungs- und emotionslose PRler. In solchen Situationen kann man den Gegenbeweis antreten und erntet - so meine Erfahrung -, wenn man es überzeugend, kenntnisreich und freundlich vorträgt, mehr positives als negatives Echo. [Eine Ausnahme bildet dabei die Spezies Journalisten, die sich aus Angst vor Klagen in juristisch korrekte aber wenig überzeugende PR-Floskeln flüchtet. Ich liebe diesen Moment, weil er mir zeigt, dass PR- und Journalistik-Talent nach dem Entweder-Oder-Prinzip verteilt sind].

Eine spannende Diskussion zu diesem Thema findet gerade rund um den Fall der No Angels-Nadia statt, die angeblich HIV-positiv ist und andere Personen wissentlich infiziert haben soll. Bild berichtet: Heribert Prantl werfe den Medien reißerische Berichterstattung in Form von Vorverurteilungen vor. Und "deckt auf", dass in Prantls SZ ebendiese Vorverurteilungen auch zu lesen waren - nur diese nach Prantls Artikel gelöscht worden seien.

Langer Rede kurzer Sinn: Allen, die sich für den Themenkomplex interessieren, möchte ich die Medienkolumne von Bernd Gäbler auf stern.de ans Herz legen. Er dröselt auf, wie offensive scheinheilige PR der Staatsanwaltschaften in Kombination mit verantwortungslosen Journalisten immer wieder zu öffentlichen Steinigungen führt. Unbedingt lesen.

Montag, 20. April 2009

Ein ♥ für Blogs

Ich hab es am Wochenende nicht mehr geschafft, den gewünschten Vorabhinweis hier einzustellen. Aber trotzdem möchte ich mich an der netten Aktion "Ein Herz für Blogs" beteiligen. Jeder soll am 21.4. seine Lieblingsblogs vorstellen und dann auf die Aktion verlinken. [Böse Zungen nennen das Linkhurerei, aber ich bin ja keine böse Zunge].Gelesen hab ich von dieser Aktion bei Igor.Hier also meine meine Tipps für Eure RSS-Leseliste:

Tipp 1: Bremer Sprachblog
Immer wenn ich ein Blog empfehlen soll, nehm ich dieses. Trotz meiner durchwachsenen Noten im Schul-Deutsch hat mich Linguistik schon immer fasziniert, während Literaturwissenschaft eher nicht so mein Ding war. An der Uni hab ich dann im Magisternebenfach Angewandte Sprachwissenschaft studiert. Und ich war so froh, dass ich einen Professor hatte, der uns lehrte, dass all diese Bastian Sicks so viel Ahnung von Sprache haben wie Bild-Leser von Prince-Musik. Genau das wird mir im Bremer Sprachblog immer wieder bestätigt. Deshalb: Unbedingt lesenswert.

Tipp 2: Haltungsturnen
Ich kann es nicht erklären. Aber ich finde in Wolfgangs Blog eine schöne Mischung aus politischer Meinung, die ich meist nicht Teile; Familie, die ich nicht kenne und sonstigem Zeug, dass mich eigentlich nicht interessieren müsste. Tut es aber trotzdem. Deshalb les ich immer wieder gern.

Tipp 3: Opel Astra Blog
Mein Beitrag zur Rettung von Opel: Die Empfehlung des Blogs.

Tipp 4: Sprengsatz
Michael Spreng, Ex-Wahlkampfberater von Edmund Stoiber und davor noch so einiges mehr, schreibt über aktuelle Politik und seine Erfahrungen in der Politik. Mich nervt ein bisserl dieses Opa-erzählt-vor-dem-Kamin-vom-Krieg-Feeling. Aber trotzdem interessant.

Tipp 5: bullshit science
Einfach lustig zum Mal-Rein-Surfen. Die bescheurtsten Texte von Verpackungen, aus Anzeigen und anderen Publikationen. Sehr nett.

Tipp 6: Blogbar
Der Klassiker. Wenn der Don zuschlägt, sorgt er das dafür, dass ich über Dinge nachdenke, die ich aufgrund meines ganzen Rumgetreibes in der Blogosphäre ansonsten als Naturgesetz wahrnehmen würde.

Meine statistisch-gesehenen Lieblingsblogs
Laut Google Reader Statistik lese ich am stetigsten Blogbar, Flussaufwärts, mediaBEAM Blog, Opel Insignia Blog, Open Source PR, Gmail Blog und Massenpublikum. In jedem dieser Blogs lese ich mehr als 85 Prozent aller Postings.

Samstag, 18. April 2009

Kutcher, Winfrey & Co sind wurscht

Nachdem Ashton Kutcher und Oprah Winfrey sich anscheinend ein Follower-Maximierungs-Duell auf Twitter geliefert haben (ich recherchiere das nicht nach, weil mir das vollkommen egal ist), geht die Diskussion um: Machen solche Aktionen Twitter kaputt, weil die Promis das Tool nur zum Senden und nicht zum kommunizieren nutzen? Oder brauchen wir gar auch in Deutschland solche Aktione?

Meine Meinung: Diese Aktionen sind vollkommen wurscht. Sie haben einen Tag lang (anscheinend) einige Twitterer und klassische Medien in Atem gehalten. Sie halten jetzt diejenigen in Atem, die das Ganze über eine Metaebene betrachten. Aber letztendlich sind es nur Anekdoten, wie Sachar zurecht schreibt.

Warum solche Aktionen Twitter nicht schaden:
Es gibt solche "Schwanzvergleiche" und Mit-Followern-Rumprollerei jeden Tag. "Noch 2 Follower bis 400/500/600/1000" liest man jeden Tag und ist geneigt, die Autoren direkt wieder zu unfollowen.
Und Leute, die nicht kommunizieren gibt es auch unter den "guten" Twitterern genügend. Sascha Lobo z.B. antwortet meist nur Sixtus. Ansonsten keine Antworten seit dem 2. April. Und Barack Obama, den wir alle so toll finden, hat - soweit ich seinen Stream durchlese - nie geantwortet.
Hat's der Szene geschadet? Nein.

Warum wir sowas in Deutschland nicht brauchen.
Aber daraus gleich zu schließen, dass man soetwas in Deutschland auch braucht - ich weiß ja nicht... Solche Aktionen werden nur deshalb von den Medien aufgegriffen, weil die Journalisten Twitter lächerlich finden - und große Teile des kleinen Anteils der Bevölkerung, die je davon gehört haben, auch.
Umgekehrt werden die meisten, die aufgrund dieser Berichte mit dem Twittern beginnen, es wieder nicht verstehen. Denn sie reden wieder über 140 Zeichen und nicht über Vernetzung. Bringt also auch nichts.

Zusammengefasst kann man sagen: Die Aktion von Kutcher und Winfrey ist wurscht. Und es ist auch wurscht, ob sich Twitter durchsetzt oder nicht - es macht mir und vielen anderen Menschen Spaß und das ist das wichtigste.

Und jetzt starr ich weiter so lange aus dem Fenster, bis die Sonne endlich kommt.

Mittwoch, 15. April 2009

Domino's: Unappetitlich aber kommt vor

Bei Sachar (der hat's über Klaus Eck von Brian Solis) hab ich ein wirklich unappetitliches Video gefunden - darüber, wie Mitarbeiter bei Domino's Pizza ihre Produkte zubereiten - zuvor aber weniger appetitliche Dinge mit den Zutaten anstellen und das ganze dann filmen:


Brian Solis kommentiert das Ganze mit "Domino's brand cultivated over 49 years...damaged in 30 minutes or less." und Sachar fügt hinzu, "dass das Verständnis von Kommunikation und Medien in allen Branchen und bei allen Mitarbeitern gebraucht wird. Der klassische Pressesprecher könnte bald zum Dompteur werden, wenn solche Fälle Schule machen. Oder aber zum Coach, der das Potenzial der Mitarbeiter gewinnbringend einsetzt."

Ich halte diesen Fall aber kommunikativ nicht für so glasklar, wie er von Brian dargestellt wird. Denn bei den beiden Mitarbeitern handelt es sich um Kriminelle - ich nehme zumindest mal an, dass ihr Verhalten den Hygiene Vorschriften nicht entspricht. Sie stehen ohne Zweifel nicht für die üblichen Praktiken bei Domino's - das werden auch die Kunden verstehen. Wenn entschieden gehandelt wird, denke ich schon, dass die Krise im Rahmen gehalten werden kann - zumindest könnte sie das im deutschen Markt.

Den Folgerungen von Sachar kann ich dabei leider nicht zustimmen - zumindest nicht in Bezug auf großes Unternehmen. Man wird nie allen Mitarbeitern umfassende Medienkompetenz nahebringen können. Und unternehmensschädigendes Verhalten wird man auch nie komplett verhindern können - man kann es nur nachträglich entschieden bekämpfen und für Verständnis werben. Denn: In jeder größeren Organisation (und in den meisten kleineren auch) gibt es enttäuschte oder gestörte Personen, die versuchen, Schaden anzurichten. Das ist hier m. E. der Fall.

Trotzdem alles in allem eine sehr unschöne Situation. Man kann in diesem Fall nur darauf setzen, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Und dann bleibt die Hoffnung, dass das Internet zwar nichts vergisst, aber auch eine ganze Menge übersieht.

Dienstag, 14. April 2009

Auch der Werbekunde hat immer Recht

Die Weisheit "Der Kunde hat immer Recht" ist mindestens so alt wie "Die Wahrheit liegt auf dem Platz". Dennoch ist sie korrekt und beschreibt einen wichtigen Sachverhalt im Marketing: Es ist der Kunde, der über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes entscheidet. Und so wenig uns dessen Entscheidungen manchmal in den Kram passen, so sehr müssen wir sie doch akzeptieren.

Kurios ist, dass man gerade uns Social Media Profis ab und an mal an diese Floskel erinnern muss. Tragen doch gerade wir das Mantra vor uns her: Man muss auf den Kunden hören. Wenn es aber um uns selbst und Social Media-Angebote geht, dann sehen wir die Sache anders. Neuestes Beispiel: Im eThority (s. Kommentar) ethority-Weblog ist zu lesen "Gehemmte Marketer blockieren Facebooks Erfolg". Für mich ein dramatischer Denkfehler. Denn die Marketer sind die (für den Geschäftserfolg) entscheidenden Kunden von Facebook. Und wenn die Kunden das Produkt nicht in ausreichendem Maße kaufen, dann ist das Produkt schlecht - und nicht der Kunde blöd.

Facebook muss sein Produkt an den Bedürfnissen der Marketer ausrichten. Damit muss nicht gemeint sein, dass man die Plattform mit Werbung zupflastert. Schließlich ist das Netzwerk erst durch die vielen User für Werbetreibende interessant - und die hat es nur, weil es nicht überfüllt von Werbung ist. Aber: Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, Eltern die Schuld an der Pleite eine Schokoriegel-Herstellers zu geben, weil die dessen fettige Produkte nicht mehr kaufen - obwohl sie den Kindern doch soooo gut schmecken. Wie der Schokoriegel-Hersteller ein Produkt braucht, dass Kindern und Eltern gefällt, muss auch Facebook ein Produkt entwickeln, das Marketern und Usern schmeckt.

So gern ich auch selbst Facebook für Kunden einsetze. So sehr ich den Dialog schätze und so wichtig ich ihn für die Markenkommunikation finde. Wenn es keine ausreichend zahlungsbereiten Kunden gibt, dann ist Facebook seiner Zeit voraus oder meine Ansichten von Kommunikation sind nicht mehrheitsfähig oder oder oder. Jedenfalls muss Facebook dann gehen. Und es wird ein anderes Netzwerk mit einem besseren Produkt kommen. Mit einem Produkt, das seine Kunden findet und von der Zahlungsbereitschaft seiner Kunden leben kann. Das ist Marktwirtschaft.

Dienstag, 7. April 2009

myON-ID: Schlaumeiertum der Bloggosphäre

Es ist mal wieder echt erschütternd, wie schnell die Blogosphäre ein Urteil fällt ohne auch nur daran zu denken, den "Angeklagten" zu hören. Wovon ich spreche? Vom Fall myON-ID. Die haben die Trennung von einem Mitarbeiter bekannt gegeben - per Blog und Twitter. Ich gebe zu: Erst reichlich kurz und im Kommentar drunter in reichlich scharfem Ton. Aber dass sich die ganze Meute draufstürzt ohne per Mail oder Telefon (öffentlich kann man ja nichts sagen) nach den Gründen zu fragen, ist nicht nur typisch, sondern zeigt auch, dass zumindest die angeblich professionellen Kommunikatoren unter den Twitterern und Bloggern so professionell nicht sein können.

Klar, auf den ersten Blick klingt der Blogeintrag von myON-ID unprofessionell. Aber wie oft müssen wir selbst im Auftrag unserer Kunden auf den ersten Blick unprofessionell kommunizieren. Weil Unternehmenskommunikation nicht nur Kommunikationsfragen berücksichtigen muss. Wie oft kann man keine Stellungnahme abgeben, weil juristische Verfahren laufen. Weil Gesetze uns daran hindern. Oder weil Entscheidungen noch nicht gefallen sind. Und in all diesen Fällen wünschen wir uns, dass Journalisten, Blogger und sonstige Anspruchsgruppen uns kontaktieren und nachfragen. Doch wenn wir dann selbst Blogger sind, vergessen wir diesen Wunsch.

Ich habe auch nicht nachgefragt. Aber was wäre, wenn der entlassene Mitarbeiter weiter im Namen der Firma auftreten und Dinge tun würde, die nicht im Sinne von myON-ID sind? Das "wenn er mal wieder wo auftaucht" eröffnet zumindest diese Möglichkeit. In diesem Falle hätte myON-ID unter Umständen richtig gehandelt.

Aber das alles wissen wir nicht, wenn wir nicht nachfragen. Und wer das nicht tut, sollte sich schlaue Ratschläge sparen. So zumindest mein schlauer Ratschlag :-)