Montag, 14. Dezember 2009

Ich bin NICHT immer erreichbar
- zumindest nicht per E-Mail

Da soll noch einer sagen, Twitter sei blöd. Heute fand dort und im Umfeld eine spannende Diskussion statt. Über das “Real-Time-Web” und darüber, ob man als Berufskommunikator permanent erreichbar sein muss oder sollte oder ob man stolz darauf sein darf, am Wochenende keine E-Mails zu beantworten.

Für mich beinhaltet diese Diskussion zwei spannende Aspekte:

Der eine ist die Frage von Mark, ob mit dem Einfall des Berufs ins Privatleben auch das Privatleben in den Job einzieht. Die klare Antwort für mich: Ja, das ist doch längst passiert. Schon mit der E-Mail – genau genommen schon mit dem Telefon - verbanden sich privates und berufliches Leben, weil es ganz einfach war, Kontakt in die andere Sphäre aufzunehmen. Und dieser Trend verstärkt sich. In beide Richtungen. Welches beider Leben nun stärker in das andere eingreift, hängt vom Job ab. Aber ich würde gesamtgesellschaftlich gesehen tippen, dass häufiger private E-Mails im Büro als berufliche E-Mails zuhause gelesen werden.

Der zweite spannende Aspekt ist die Frage des Wünschenswerten. Meine persönliche Ansicht ist: Am Wochenende erwarte ich von niemandem, dass er standardmäßig seine Job-Mails bearbeitet und ich habe deshalb nicht das Gefühl, dass ich den Job wechseln müsste – wie Daniela Hinrichs es vorschlägt (Nachtrag: In Marks Blog erklärt Daniela, wie sie zu dieser Meinung kommt). Ich denke, jeder Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Privatleben und ich finde es absurd, dieses zu opfern – nur, weil es Handys gibt, die E-Mails empfangen können. Damit möchte ich niemandem verbieten, in seiner Freizeit Job-Mails zu checken. Aber es muss in jedem Leben Phasen geben, in denen es meine eigene Entscheidung ist, ob ich das tue oder nicht. Wenn ich ständig E-Mails beantworten MUSS, wird das Telefon irgendwann zur elektronischen Fußfessel. Das ist nicht gut für meinen Gemütszustand und damit auch nicht gut für meinen Arbeitgeber.

Nun mögen Leute entgegnen, dass es im Job eines Berufskommunikators Notfälle gibt. Und ja, das stimmt auch. Und ich bin auch jederzeit bereit, jedem Kunden und Journalisten für diesen Fall meine Handynummer zu überlassen, unter der er mich permanent erreichen kann. Aber dieser Notfall darf eben nicht zum Normalfall werden. Wenn jemand mich in meiner selbstbestimmten Zeit fremdbestimmen will, dann erwarte ich, dass er sich wenigstens einen Moment lang Gedanken darüber macht, ob das nun wirklich erforderlich ist. Und dieser Moment ist die Entscheidung: Ja, ich rufe an. Ja, ich schreibe eine SMS.

Meine Wahrnehmung zur 24/7-Erreichbarkeit ist häufig eh eine andere als die, die von vielen der Praktizierenden als Grund genannt wird. Nicht der Job oder der Arbeitgeber oder der Kunde oder der Journalist fordern, dass man permanent Gewehr-bei-Fuß zur Verfügung steht, sondern die Erreichbaren selbst. Es ist die Meinung, selbst unabkömmlich zu sein. Aber die ist falsch. Jeder ist ersetzbar. Immer und überall.

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