Social Media wird nie so, wie wir denken
Ich bin mir nicht sicher, ob das hier sonderlich stringent argumentiert oder "richtig" ist. Aber dennoch ist es das, was mir seit langem durch den Kopf geht und es würde mich freuen, Eure Meinung dazu zu hören.
Seit eigentlich schon immer bin ich ein Anhänger der These, dass das "Social Media wird ALLES verändern" Quatsch ist. Denn Social Media wird nicht alles auf den Kopf stellen. Klar werden sich Dinge weiterentwickeln. Aber eher in einem fließenden Prozess - und auch ohne, dass man irgendeinem Unternehmer Angst davor machen müsste. Schließlich tut sich zum Beispiel im Business eines Trikotherstellers auch andauernd etwas - und zwar Konsequenzenreicheres als dass sich eine Gruppe Dauerempörter über seinen Umgang mit Bloggern aufregt. Um dann am nächsten Tag die nächste Sau durch ihr kleines Dorf zu treiben. Auf dass der Rest der Welt sich kopfschüttelnd abwendet.
Ich denke, Social Media ist noch lange nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und mittlerweile zweifle ich auch daran, dass das jemals passieren wird. Zumindest in der Art, in der wir PRler es diskutieren. Denn wir reden über Unternehmen, die 24/7 mit ihren Kunden reden. Und fragen uns selten: Wollen die Kunden das überhaupt?
Meine These: Wenn sich nur 13 Prozent der Deutschen Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber verpflichtet fühlen, aber 20 Prozent innerlich gekündigt haben, dann ist Langeweile im Job eine der Top-Triebfedern für die Nutzung von Social Media. Und wenn ich Social Media aus Langeweile nutze, dann will ich überhaupt nicht mit irgendwelchen Unternehmen quatschen. Und ich erwarte dann auch nicht, dass Unternehmen 24 Stunden auf jede Anfrage reagieren. Dann spiele ich nämlich Farmville oder teile Partyfotos mit Freunden. Und selbst, wenn ich über Unternehmen und Marken spreche: Dann möchte ich vielleicht gar nicht, dass dieses Unternehmen antwortet? Denn: Wenn ich in der Kneipe über mein Handy meckere - will ich ja auch nicht unbedingt, dass der Nokia-Vertreter sich an den Tisch setzt und mich volllabert?
Schon klar: Social Media funktioniert ja auch schon jetzt ganz gut. In Foren, Blogs, Twitter sind haufenweise Leute - vorrangig Meinungsbildner -, die es super finden, wenn Unternehmen sich beteiligen. Aber das ist eben nicht die breite Masse. Und damit bleibt PR an Meinungsbildnern orientiert - nur halt an einer größeren Zahl und über einen anderen Kanal. Und Unternehmen müssen sich nicht radikal ändern. Und die Frage "Is social media a fad? Or is it the biggest shift since the Industrial Revolution?" kann ich weiter beantworten mit: Keines von beidem!
Ich freue mich über Kommentare!
