Freitag, 23. Oktober 2009

Jack Wolfskin: Werbeblogger überdreht!

Also ich muss jetzt auch mal deutlich werden: So langsam werde ich echt sauer.

Vollkommen zurecht hat – wie ich bereits geschrieben habe – vor einigen Tagen der Werbeblogger Jack Wolfskin dafür kritisiert, dass Anbieter auf Dawanda dafür abgemahnt wurden, dass Tatzen (das Markensymbol von Jack Wolfskin) auf ihren Produkten zu sehen waren. Verwerflich war daran m. E. nicht, dass Jack Wolfskin daran etwas auszusetzen hatte, sondern dass sie nicht zunächst nett nachgefragt haben. Denn man kann es drehen und wenden wie man will: Jack Wolfskin hat ein Markenrecht und das dürfen sie auch für sich beanspruchen.

Einige Tage später schien die Welt in Ordnung. Der Jack Wolfskin-CEO hat mit Ralf Schwartz, dem Verfasser des Kritik-Posts, telefoniert und die beiden haben sich augenscheinlich so gut verstanden, dass Ralf die Einsicht von Jack Wolfskin lobt – wie ich finde, zurecht. Heute allerdings hat Jack Wolfskin eine Pressemitteilung (pdf) verschickt, in der sie die kritisierten Forderungen gegenüber den Dawanda fallen lassen und versprechen zukünftig sensibler zu agieren. Für mich wäre dieser Fall damit erledigt und ich finde an der PM auch alles richtig gemacht. Aber was machen Ralf Schwartz und Werbeblogger Roland Kühl-von Puttkammer? Sie regen sich in einem Blogpost über Jack Wolfskin auf. Weil dem Unternehmen “die rein technische Verteidigung der Marke über das Branding und die emotionale Verbindung zu den Kunden und Markenfans” ginge.

Es tut mir leid, Ralf und Roland. Aber wie zum Teufel seid Ihr auf die Idee gekommen, dass Jack Wolfskin sich durch euren Mini-Skandal völlig verändert. Dass zwei Blogger, die keine Ahnung vom Innenleben dieses Unternehmens haben (oder dies bislang zumindest nicht erwähnt haben), die den Outdoor-Markt nicht kennen (s. Klammer zuvor), geschweige denn den Kleidungsmarkt insgesamt (s. Klammern zuvor), dass die einmal mit dem CEO eines Unternehmens telefonieren und dieser von nun an seine gesamten Geschäftspraktiken auf den Kopf stellt. Und zwar in eine Art, mit der m. E. bislang kein Unternehmen dieses Planeten erfolgreich geworden ist.

Wenn ich lese “Wir stehen hier vor nicht mehr und nicht weniger als einem Paradigmen-Wechsel für Jack Wolfskin!” frage ich mich: Wer bestimmt das? Ihr beiden? Ich sage, Jack Wolfskin hat sich unglücklich verhalten und macht das jetzt wieder gut. Das ist kein Paradigmenwechsel, sondern normal – Menschen verhalten sich manchmal unglücklich. Und darauf gibt man eine normale Antwort. Und die hat Jack Wolfskin mit der PM gegeben. Die Forderungen wurden fallengelassen, man verhält sich zukünftig sensibler, so what?

Es tut mir vielleicht morgen leid, dass ich diesen extremen Ton wähle. Aber Ralf ist ja auch nicht gerade zimperlich – insofern denke ich, dass das schon klar geht.

Wir leben in einer freiheitlichen Demokratie. Und diese Freiheit ist immer auch die Freiheit des andersdenkenden. Deshalb gibt es am Verhalten von Jack Wolfskin Euch gegenüber nichts zu bemängeln. Im Gegenteil. Jack Wolfskin bleibt authentisch – was ja bedeutet: Handeln, Denken und Fühlen (wenn es soetwas in Unternehmen gibt) stimmen überein. Man lässt sich nicht von irgendwem reinreden, sondern bleibt, wer man ist. Genau das wollt Ihr doch.

Es kann sein, dass auch dieser Post wieder reichlich unstrukturiert und nicht stringent argumentiert ist. Aber das musste jetzt unbedingt mal raus.

blog comments powered by Disqus