Sonntag, 18. Oktober 2009

Der Fall Jack Wolfskin hilft der PR, einen respektvollen Umgang zu etablieren

Ich hab mich bislang nicht in die Geschichte zu Jack Wolfskin eingemischt, hab mir den Blogpost nicht einmal sorgfältig durchgelesen. Es geht wohl darum, dass Jack Wolfskin kleine Designer abmahnt, die auf der Plattform Dawanda Kleidung verkaufen, auf denen eine Tatze zu sehen ist - mit dem Argument, dass das Jack-Wolfskin-Logo ja auch eine Tatze ziert (wobei die Tatzen der Designer durchaus unterschiedlich aussehen - und man vor der kostenpflichtigen Abmahnung nett hätte anfragen können). Der Werbeblogger, für den Ralf Schwartz das Thema aufbereitet hat, ist jedenfalls regelmäßig down, weil die Server vom Ansturm überlastet sind. Es geht also rund.

Jetzt hab ich ehrlich gesagt inhaltlich keine Lust, gegen jedes Unternehmen zu stänkern, das sich nicht anständig verhält. Meist kommt sogar irgendwann mein angeborener "Ich bin dagegen"-Impuls auf und ich frage mich, ob es nicht gute Gründe für das Verhalten des Unternehmens gibt. Dennoch finde ich gut, was da passiert. Denn früher wurden Unternehmen für Fehlverhalten in Sachen Anstand und Respekt kaum sanktioniert. Vom abgemahnten Designer bis zum mit Pressemitteilungen vollgespamten Journalisten - immer haben sich die Betroffenen aufgeregt, aber zu Problemen für das Unternehmen hat das im Regelfall nicht geführt. Also hatten PR-Spammer, Abmahnwütige und sonstige Schurken in der firmeninternen Diskussion leichtes Spiel. Denn kleinen "Chancen" (Designer XY bietet keine Tatze mehr an) stand praktisch keine Risiken gegenüber.

Anders ist das im Web 2.0. Hier findet sich - zumindest in einigen Fällen - eine beträchtliche Öffentlichkeit für Themen, die es nicht in die klassischen Medien schaffen würden. Und eine vorzeigbare negative Konsequenz ist schonmal, dass das Thema jetzt schon auf Seite 1 bei den Google Suchergebnissen nach "Jack Wolfskin" steht. Zudem bin ich mir sicher, dass reihenweise klassische Onlinemedien das Thema aufgreifen werden. Verantwortungsvoll arbeitende PR-Mitarbeiter, -Agenturen und Anwälte können damit in die Unternehmen gehen und zeigen, was passiert, wenn man sich verhält wie die Axt im Walde. Und noch besser für uns: Es gibt sogar genügend Beispiele, wie man Stimmungen wieder drehen kann, wenn man im Laufe eines Prozesses die Axt wieder einpacken möchte. Für uns also eine große Chance zu beraten. Jeder der Skandale, die hier "aufgedeckt" werden, sorgt dafür, dass sich andere bislang respektlose Unternehmen respektvoller verhalten - so, wie die allermeisten es ohnehin schon tun.

Deshalb freu ich mich, dass Ihr Euch alle so engagiert.

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