Branchen, für die sich Social Media nicht lohnt
Natürlich ist dieser Blogeintrag genau das, was Thomas Pfeiffer alias Webevangelist oder @codeispoetry provozieren möchte, wenn er so eine Frage stellt. Aber erstens finde ich, dass man sich ruhig mal provozieren lassen kann und zweitens kommt diese Frage ja immer wieder, wenn man in Social Media Workshops ist:
"Gibt es Branchen oder Unternehmenszweige, für die sich "Social Media" nicht lohnt? Was meint ihr?"
Die Antwort lautet "Ja und Nein". Wobei zunächst einmal wichtig ist: Was bedeutet in diesem Zusammenhang "lohnen"? Muss eine Investitionsentscheidung nur mehr Ertrag abwerfen als sie gekostet hat? Oder lohnt sie sich erst, wenn sie ertragreicher war als jede andere Möglichkeit, sein Geld auszugeben?
In jedem Fall lohnenswerter ist Social Media, wenn sie Teil einer Gesamtkommunikationsstrategie sind. Und dann kann es auch Bestatter, Altenheime und Schlüsseldienste - das waren Antworten aus der "Crowd" auf Thomas Frage - geben, für die sich Social Media lohnt.
Schlüsseldienste beispielsweise werden per se als Wegelagerer wahrgenommen. Was aber, wenn ein Münchner Schlüsseldienst beginnt zu bloggen und die krassesten Aufbruchseschichten, die am schwierigsten nachzumachenden Schlüssel der Welt in einem Blog vorstellt. Wenn er die skurrilsten Fälle - Stichwort Gesamtkommunikationsstrategie - dann noch in der Lokalzeitung unterbringt, könnte daraus ein echter PR-Mehrwert erwachsen. Oder das Altenheim. Hier kommt es besonders auf das Vertrauen der Angehörigen an. Wieso also nicht bewusst Rezensionen von Angehörigen provozieren und auf der eigenen Webseite verlinken? Gleiches gilt für den Bestatter.
Das alles kann eine lohnenswerte Investition sein - muss es aber nicht. In Kleinstädten machen sich zum Beispiel alle drei besser einen Namen im echten Leben als im Web. Den Schlüsseldienst-Betreiber, der im gleichen Schützenverein ist, engagier ich immer eher als den, der einen Weblog hat. Beim Altenheim wird auf einmal entscheidend, "wer da sonst noch wohnt". Und den Bestatter wählt man auf Grundlage der Erfahrungen anderer Hinterbliebener aus.
So kann man das sich-lohnen von Social Media nicht von Branchen oder Unternehmenszweigen abhängig machen. Aber das wusste Thomas sicher auch schon vor diesem Blogpost.
