Sonntag, 17. Mai 2009

Meine Wut über die FAZ

Es war ein Fehler. Und zwar ein großer. Welcher? Na der, dass ich heute morgen auf der Suche nach einem Artikel über Twitter auf die Webseite der Frankfurter Allgemeinen (Sonntags-)Zeitung gesurft bin. Denn jetzt bin ich wütend. Wütend über den Journalismus.

Worum es geht? Um einen Kommentar über Porschechef Wendelin Wiedeking. Der Kommentar ist überschrieben mit "Die letzte Schlacht des Wendelin Wiedeking" und handelt von den Problemen von Porsche mit der geplanten VW-Übernahme und den daraus resultierenden Schwierigkeiten des Auto-Managers. Und folgender Absatz treibt mich zur Weißglut:

"Der Porsche-Chef, obwohl Westfale von Geburt, avancierte zum König von Zuffenhausen, holte sich alle Trophäen ab, die das Leben für Unternehmer bereithält: Manager des Jahres, bester Automann der Welt. Zum Volkshelden brachte er es obendrein, weil er publikumswirksam auf Subventionen pfiff, weil er – wenn es ihm nutzte – die eigene Kaste zurechtwies, weil er Banken und Börse eine Nase drehte. Sogar die Weisheiten der Lehrbücher vermochte der Kraftprotz scheinbar zu widerlegen: Der Porsche-Gewinn war zuletzt höher als der Umsatz. Das Publikum staunte. Bis es bemerkte: Der Gewinn steht nur auf dem Papier; die Kasse ist leer."

Was mich aufregt? Die Scheinheiligkeit der Medien. Denn wer steckt denn hinter dem schlichten Wort "avancieren"? Wer jubelt denn Menschen erst zu Stars in übermenschliche Höhen, um sie anschließend wieder fallen zu lassen? Der "Manager des Jahres" ist eine Auszeichnung des "Manager Magazins". Auch, wenn in der Jury Wirtschaftswissenschaftler sitzen - allein die Existenz des Preises erweckt den Eindruck, die Leistung von Managern sei so leicht und kurzfristig zu beurteilen wie die Darbietung der Kandidaten bei "Deutschland sucht den Superstar". [Über die Auszeichnung "bester Automann der Welt" hab ich übrigens bei Google nichts gefunden, außer dem zitierten Artikel - aber über sachliche Fehler in Medien mag ich mich nicht auch noch aufregen - mein Herz...].

Meines Erachtens wird es Zeit für eine Diskussion über die Rolle der Medien in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise: Wenn Journalisten der Zugang zu Informationen nicht gewährt wird, pochen sie auf ihre Recht als "vierte Gewalt". Doch haben sie diesen Zugang, werden sie ihrer Verantwortung in keiner Form gerecht. Sie fungieren schlichtweg als Lautsprecher - der diejenigen hochjubelt, die gerade im Trend liegen, und diejenigen runterschreibt, die einen Fehler gemacht haben. Das ist nicht nur ein ganz schlechtes Vorbild für den Umgang mit Fehlern - es trägt auch nichts wertvolles zur politischen Meinungsbildung in diesem Land bei. Im Gegenteil.

So, und jetzt genieße ich das Wetter. Schönen Sonntag!

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