Fragen Journalisten, bevor sie negativ berichten?
Die Umfrage:
Der Hintergrund:
Gar nicht so leicht zu verstehen, was da gerade wieder läuft. Aaaaalso: Auf sueddeutsche.de schreibt Willy Winkler darüber, dass Spiegel Online ein nicht-verbotenes Buch mit rechtsextremem Inhalt vertreibt. Der Grund dafür liegt anscheinend beim Online-Buchhändler Libri, der ein mitdenkendes Werbebanner (ohne mitdenkendes Political Correctness-Modul) einsetzt. Dieses zeigt passend zum Inhalt der Seite Bücher an. Winkler hat auf Spiegel-Online nach "Wilfried von Oven" gesucht und bekam das Buch "Denn der Hass stirbt" von Leon Degrelle angezeigt (ich konnte das nicht reproduzieren).
Jedenfalls interessiert mich nicht primär die Frage, ob das Ganze überhaupt "schlimm" ist - das Buch ist ja nicht verboten. Mir ist auch egal, ob (wenn es schlimm ist) es die Sache besser macht, dass es das Buch auch auf suddeutsche.de zu kaufen gibt (wie Thomas Knüwer herausgefunden hat und wie der Spiegel in seinem Gegenbericht mit dem Zusatz "und woanders auch" suggeriert). Und es soll auch nicht meine Fragestellung sein, ob es dann wirklich ausreichen würde, den böööösen Kooperationspartner verantwortlich zu machen wie es Spiegel Online tut (welchem Unternehmen hätte man diese Ausrede durchgehen lassen?).
Viel interessanter finde ich ein anderes Zitat aus dem Spiegel-Artikel: "[...] Das hätte der SPIEGEL auch "SZ"-Autor Willi Winkler gesagt - der hat aber gar nicht nachgefragt, bevor er zum Schreiben kam, weil es doch so schön war, zu vermelden: 'Der SPIEGEL-Verlag offeriert online Zugang zu Naziliteratur'." Denn da stellt sich mir eine Frage: Ist es nicht übliche journalistische Praxis, überhaupt nicht bei Beschuldigten nachzufragen, bevor man negativ über sie berichtet? Wenn ja, wieso sollte man ausgerechnet bei der Berichterstattung über andere Medien da eine Ausnahme machen.
Mir jedenfalls sind bislang nur wenige Fälle negativer Berichterstattung begegnet, in denen vorab nachgefragt wurde: Bei Stiftung Warentest und Öko-Test bekommt man die Analysewerte zugeschickt. Boulevardblätter stellen ihre Fragen ab und an unter einem Vorwand - sodass man weiß, dass etwas erscheinen wird. Und einige Medien informieren einen wenigstens vor dem Erscheinen, dass da was kommt - eine Stellungnahme ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gefragt. Aber ansonsten kam negative Berichterstattung meiner Erfahrung nach bislang immer ohne Nachfrage. Besonders, wenn ein Medium sich darauf zurückziehen kann, dass man ja nur darüber berichtet hat, dass ein anderes Medium berichtet hat.
Meine Frage: Erlebt Ihr das genauso? Mich würde Eure Erfahrung interessieren! Deshalb: Nehmt fleißig teil an meiner kleinen Umfrage:-)
