myON-ID: Schlaumeiertum der Bloggosphäre
Es ist mal wieder echt erschütternd, wie schnell die Blogosphäre ein Urteil fällt ohne auch nur daran zu denken, den "Angeklagten" zu hören. Wovon ich spreche? Vom Fall myON-ID. Die haben die Trennung von einem Mitarbeiter bekannt gegeben - per Blog und Twitter. Ich gebe zu: Erst reichlich kurz und im Kommentar drunter in reichlich scharfem Ton. Aber dass sich die ganze Meute draufstürzt ohne per Mail oder Telefon (öffentlich kann man ja nichts sagen) nach den Gründen zu fragen, ist nicht nur typisch, sondern zeigt auch, dass zumindest die angeblich professionellen Kommunikatoren unter den Twitterern und Bloggern so professionell nicht sein können.
Klar, auf den ersten Blick klingt der Blogeintrag von myON-ID unprofessionell. Aber wie oft müssen wir selbst im Auftrag unserer Kunden auf den ersten Blick unprofessionell kommunizieren. Weil Unternehmenskommunikation nicht nur Kommunikationsfragen berücksichtigen muss. Wie oft kann man keine Stellungnahme abgeben, weil juristische Verfahren laufen. Weil Gesetze uns daran hindern. Oder weil Entscheidungen noch nicht gefallen sind. Und in all diesen Fällen wünschen wir uns, dass Journalisten, Blogger und sonstige Anspruchsgruppen uns kontaktieren und nachfragen. Doch wenn wir dann selbst Blogger sind, vergessen wir diesen Wunsch.
Ich habe auch nicht nachgefragt. Aber was wäre, wenn der entlassene Mitarbeiter weiter im Namen der Firma auftreten und Dinge tun würde, die nicht im Sinne von myON-ID sind? Das "wenn er mal wieder wo auftaucht" eröffnet zumindest diese Möglichkeit. In diesem Falle hätte myON-ID unter Umständen richtig gehandelt.
Aber das alles wissen wir nicht, wenn wir nicht nachfragen. Und wer das nicht tut, sollte sich schlaue Ratschläge sparen. So zumindest mein schlauer Ratschlag :-)
