Sonntag, 30. November 2008

Workshop-Einsichten: Ab zum Konsumenten

Es ist interessant. Gleich mehrere Social Media Workshops habe ich in den vergangenen Wochen durchgeführt und ich finde es immer wieder erstaunlich, was im Umfeld dieser Workshops passiert. Zum einen mit mir: Durch die Recherchen zur Vorbereitung solcher Veranstaltungen stoße ich immer wieder darauf, welche krassen Sachen im Internet passieren. Ich möchte dabei nur auf den Welpen-Livestream hinweisen, den ich letztens verfolgt habe. Regelmäßig zeigt der Player einige tausend Leute an, die sich parallel am Leben der kleinen interessiert zeigen. [By the way: Als ich mir irgendwann auf ProSieben "U20 - Deutschland, Deine Teenies" angeschaut habe, habe ich verstanden, warum viele Leute lieber die Hunde anschauen.]

Aber auch bei den Zuschauern öffneten sich Horizonte - und zwar welche, von denen ich dachte, dass sie längst offen wären. Zum Beispiel der, dass wir mit unseren Botschaften dorthin müssen, wo die Konsumenten sind - und nicht umgekehrt. Es würde doch kein PRler auf die Idee kommen, dass jedes Produkt als Hauptkommunikationsmedium eine eigene Zeitschrift, einen eigenen TV-Sender oder einen eigene Radio-Kanal benötigt. Aber im Internet denken wir so. Es ist - soweit bin ich ja einverstanden - für jede Marke wichtig, eine eigene Plattform im Web zu haben. Aber genauso wichtig ist doch dort zu sein, wo die eigenen Kunden sind. Ich will als Marke Teil der Lebenswelt der Konsumenten sein, also muss ich hinein in diese Lebenswelt.

Was heißt das konkret? Es heißt konkret, dass ich mir überlegen muss, ob meine Ketchup-Marke ihre Kochtipps vielleicht neben der ketchup.de auch auf essenundtrinken.de gibt. Es heißt, dass ich meine Fußballkampagnenseite zusätzlich zur eigenen Seite als Teil von kicker.de anlege. In Zeiten von Social Media heißt das aber auch, abseits der Online-Medien klassischen redaktionellen Zuschnitts aktiv zu werden: SchuelerVZ wird 10mal so häufig geklickt wie SpiegelOnline und wenn ich bei Google nach "welchen laufschuh?" suche, finde ich nicht fitforfun.de, aber dafür einige Running-Foren. Ich kann als Marke deshalb nicht nur den bequemen Weg gehen und mir bei den Ablegern klassischer Medien Specials kaufen - nein, ich muss zusätzlich in die Web2.0-Medien. Mir die "Hände schmutzig machen" und - ihhhhhhhhh - mit den Leuten in Kontakt treten. Ich muss in Foren, in Facebook, in Twitter und Blogs aktiv werden und dort nicht spammen, sondern Informationen liefern, wo diese gefragt sind.

Wie das geht, machen mittlerweile einige Unternehmen vor. BMW zum Beispiel hat beim Launch des Concept X1 Maßnahmen durchgeführt, die selbst mit kleinem Budget umsetzbar wären. Da wurde getwittert, geflickrt, geyoutubet und am Ende das Ganze auf Facebook aggregiert. Zugegeben, 450 Fans auf Facebook und 71 Follower bei Twitter sind keine Wahnsinnszahlen. Aber es geht darum, überhaupt mit Social Media Relations zu beginnen. Es geht darum, sich von der sicheren eigenen Plattform wieder auf den Konsumenten zu zu bewegen. Und ein erster Schritt in diese Richtung ist das BMW-Beispiel allemal.

Donnerstag, 27. November 2008

Warum Twitter so toll ist

Ich muss schon sagen, ich finde ziemlich interessant, was da heute bei Thomas Knüwer zu lesen war. Wie Twitter im Umfeld des Terroranschlags in Mumbai/Bombay mal wieder wesentlich schneller war als die "klassischen" Medien. Ich musste direkt an weitere Ereignisse denken, bei denen es ähnlich war: an die Geschwindigkeit, mit der nach der unsäglichen Wikipedia-Geschichte dem Linkspartei-MdB Lutz Heilmann seine Online-Reputation vermiest wurde oder an den Abgang von Xing-Gründer Lars Hinrichs. Keine Frage: Twitter ist eine tolle Erfindung. Doch warum eigentlich?

1. Grund: Der Nachrichtenticker
Nicht jedenfalls, weil es nur der digitale Flurfunk ist, den uns das Video "Twitter in plain english" zu erzählen versucht. Denn wenn man genauer hinschaut ist Twitter viel mehr - es ist ein persönlicher Nachrichtenticker. Zugegeben, dass gerade einer meiner Follower einen Kaffee trinkt, scheint auf den ersten Blick keine "News" zu sein. Aber in Wirklichkeit ist sie es doch - zumindest nicht weniger als die Geschichte, dass Sarah Connor nun mit Diego Essen gegangen ist.

2. Grund: Das Gefühl der Nähe
Das spannende an den News aus dem Twitter-Ticker: Passend zum Bambi oder zum Fußballspiel allerlei Reaktion von vor den Fernsehern und aus dem Stadion zu bekommen, gibt einem ein ungeheueres Gefühl von Nähe zum Geschehen und von Up-to-date-sein. Man erhält ein Bild des Geschehens, allerdings aus völlig anderen Perspektiven als in klassichen Medien.

3. Grund: Der Ersatz des RSS-Readers
Doch es sind nicht nur die persönlichen Einschätzungen die Twitter zum Nachrichtenticker machen. Egal ob ein spannender Blogpost oder eine Meldung bei Spiegel Online - auf Twitter wird alles verlinkt, was interessant ist. Und spätestens wenn der fünfte gefollowte auch noch den gleichen Artikel twittert, weiß ich: Ich muss es lesen! Twitter ersetzt den RSS-Reader.

4. Grund: Ich kenne die "Redaktion"
Twitter ist mein Nachrichtenmedium Nummer eins. Denn die Redaktion sind Menschen meines Vertrauens. Leute, denen ich followe, weil ich denke, dass sie interessante Dinge erleben oder interessante Infos für mich haben. So wird Twitter zur an meine Bedürfnisse angepasste Nachrichtenseite.

5. Grund: Die Wissensbase
Toll auch: Twitter ist eine tolle Wissensbase. Egal, ob ich Tools im Web suche oder einfach nur wissen will, warum die ARD Bombay sagt und bei Twitter alle Mumbai - ich bekomme Antworten.

6. Grund: Eine lustige Kommunikationsplattform
Und neben diesen ganzen Gründen ist Twitter eine tolle Kommunikationsplattform. Twitter ist - wie oben beschrieben - kein digitaler Flurfunk. Denn die Leute, die ich bei Twitter treffe, hätte ich im Flur nie kennengelernt. Und die Beschränkung auf 140 Zeichen ermöglicht einen Telegrammstatementhumor, den es nirgendwo anders gibt.

So, das waren meine Gründe, warum Twitter so toll ist. Gibt es weitere? Oder verstehst Du nicht, was dieses Twitter eigentlich soll? Ich freue mich auf Dein Feedback.

Mittwoch, 26. November 2008

Lobo dreht den Spieß um

Besser spät als nie gebloggt. Habe vor einigen Wochen im SWR Nachtcafé Sascha Lobo gesehen und muss sagen: Er hat mich beeindruckt. Lobo stellte den Computerspiele/Internet-Skeptikern ein Argument entgegen, wie ich es schlagender selten gehört habe. Er sagte sinngemäß, man müsse sich mal vorstellen, es sei zuerst das Computerspiel und erst dann das Buch erfunden worden. Die Skeptiker würden trotzdem meckern - aber anders: "Früher, ja früher waren die Kinder noch aktiv; haben mit anderen Kindern kommuniziert; haben im fairen Wettkämpfen Strategien entwickelt und partizipiert. Aber heute, da versinken sie stundenlang in ihrem Zimmer; glotzen auf diese zusammengebundenen Papierstapel und kommunizieren mit niemandem mehr." Eine interessante Perspektive.

Montag, 24. November 2008

roccatune: Das Ende der Gängelung

Welches Business-Modell funktioniert eigentlich für Plattenfirmen im Internet? Diese Frage kursiert schon seit den Zeiten von Napster und Kazaa. Die Labels glauben immernoch an das Prinzip der Gängelung: Mp3s, die ich von einer CD gerippt habe, darf ich so oft verteilen darf wie ich will. Aber Songs, die ich bei iTunes kaufe, laufen nur auf 5 PCs. Gut, es gibt iTunes Plus. Die iTunes Plus Songs funktionieren ebenfalls auf beliebig vielen Systemen. Aber um iTunes Plus zu nutzen, muss ich erstmal für meine gesamte zuvor gekaufte iTunes ohne-Plus Musiksammlung nachzahlen. Eine Frechheit. Und eine noch größere Frechheit: Beim Komplettabsturz des PCs darf man sich die einmal erworbenen Songs nicht kostenlos noch einmal runterladen. Man erwirbt also bei iTunes nicht das Recht, den Song zu hören, sondern nur ein bestimmtes Bündel Daten - den Song bei einem bestimmten Runterladevorgang.

Trotzdem nutze ich iTunes immernoch. Vor allem, damit ich meinen iPod auffüllen kann und weil es vor allem viel einfacher ist als in den Plattenladen zu gehen.

[kleiner Exkurs: Hatte ich eigentlich schon meine Geschichte aus dem Apple Store in Palo Alto erzählt? Dort habe ich mir im USA-Urlaub einen iPod nano gekauft. Und weil ich noch Bargeld hatte, wollte ich dort bar bezahlen. Das war ein Akt: Zuerst wusste der Verkäufer gar nicht, wie er das Bargeld eintippen sollte und dann musste er erstmal die Wechselgeldschublade aus dem Backstageraum holen. So ist das, wenn ein Windows-User in den Apple Store kommt. Aber gut.]

Jedenfalls hat sich iTunes mit diesen Vorzügen eine Monopolstellung auf meinem Computer erkämpft - bis, ja bis ich von roccatune gehört habe. Denn bei roccatune kann man kostenlos Musik hören. Im Browser und sogar recht komfortabel. Ab und an bekommt man Werbung angezeigt, aber das ist auch mehr als fair - schließlich kann man dafür umsonst Musik hören. 1,5 Millionen Songs stehen zur Verfügung. U2 leider nicht. Aber dafür alles von Rage against the machine bis Clueso, von den Black Crowes bis zu Polarkreis18. 3 von 4 Majorlabels sind vertreten (oder 4 von 5, jedenfalls fehlt eines). Alle Songs sind in bester Qualität verfügbar und die Seite läuft reibungslos. Ein ordentlicher Konkurrent für iTunes & Co. Nur unterwegs ist der iPod damit noch nicht zu ersetzen. Aber: Wenn man bedenkt, dass immer mehr Handys mit UMTS oder WLAN online gehen können, könnte sich das schneller ändern als es Apple lieb ist. Dann braucht man vielleicht bald gar keine Kaufmusik mehr. Und die Gängelung hat endlich ein Ende.

Samstag, 22. November 2008

Opel Insignia: Brillantes Storytelling zum Marktstart

Heute ist ein großer Tag für Opel. Denn genau ab heute steht der neue Insignia bei den Händlern. Eine schwierige kommunikative Situation - ohne Zweifel. Allerdings - wie ich meine - eine, in der Opel äußerst geschickt agiert.

Aber beginnen wir mal von vorne: Der Mutterkonzern General Motors ist in einer finanziell extrem schwierigen Situation. 25 Milliarden Euro Finanzspritze möchten die "Großen Drei" der US-Autoindustrie (GM, Ford und Chrysler) von der US-Regierung an Subventionen haben. Ansonsten hätten sie keine Chance zu überleben. Der Grund wird vor allem im Versagen des Managements gesehen. Man hätte, so die gängige Meinung, früher beginnen sollen, kleinere und Benzin sparendere Autos zu bauen.

Meine Meinung: Wenn man sich mal genau anschaut, was GM modellpolitisch gemacht haben, so war das nur unwesentlich anders als das, was z.B. Toyota macht - große Sprittfresser in den USA und kleinere Autos (Opel, Daewoo/Chevrolet) in Europa verkaufen. Besser noch: Unter der Marke Saturn hat General Motors sehrwohl in Amerika begonnen, auch kleinere Autos zu verkaufen. Nur die Amerikaner kauften halt bis vor kurzem lieber große Autos. Bis die Spritspeise in die Höhe schnellten. Folge: Die US-Amerikaner fahren weniger Auto, da sie sich das Benzin für ihre Riesenautos nicht mehr leisten können. Und natürlich kaufen sie diese Autos auch nicht mehr. Eine verfehlte Modellpolitik ja, so vorhersehbar war das aber nicht. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung.

Zurück zu Opel in Deutschland. Opel hat sich sehr geschickt vom US-Konzern abgekoppelt - geschickter als z.B. Ford, von denen man in der Krise noch gar nichts gehört hat. Opel hat vor GM eine Bürgschaft vom Deutschen Staat gefordert, zum Erhalt der deutschen Arbeitsplätze. Und dabei brillantes Storytelling betrieben. Die Geschichte: Opel ist der gute, gesunde und umweltschonenende Teil von General Motors. Beweise für das gut geführte Unternehmen waren das gute Abschneiden beim Autobild Qualitätsreport und eben der Insignia - der bereits vor Erscheinen zum Auto des Jahres gekührt wurde. Ein Preis, der übrigens nicht für das beste, sondern für das WICHTIGSTE Auto des Jahres vergeben wird. Und genau auf diese Wichtigkeit hebt auch Opel ab: Uns (Opel) soll es ohne eigenes verschulden an den Kragen gehen. Und Ihr, liebe Konsumenten, müsst nichts machen, außer das Auto des Jahres vom zuverlässigsten Hersteller Deutschlands kaufen, um dagegen etwas zu tun.

Eine brillante Geschichte, wie ich finde. Und in Kombination mit einem schönen Spot sowie der restlichen Kommunikation, die hier bereits Thema war, eine tolle Einführungskampagne. Bleibt nur zu hoffen, dass sie damit erfolgreich sind. Ich wünsche gutes Gelingen.

Donnerstag, 13. November 2008

Links für positive vibrations

Im Moment wieder nicht so viel Zeit, deshalb nur ein paar Verlinkungen zu lesenswerten Seiten:

Thomas Knüwer schreibt über seinen US-Aufenthalt im Umfelder der Wahlen. Bisher der beste Text, den ich zu den Wahlen gelesen habe. Unbedingt reinlesen.

Im Moment schreiben wohl so einige Leute noch schöner als sonst. Zum Beispiel auch Olaf Kolbrück, der erklärt, warum nicht Blogs wohl aber Kleinbloggersdorf bald der Vergangenheit angehören wird. Der Sachar wird genau so ein Sonnenkind wie ich. Tapio und Bastian erklären, warum Web 2.0 für Banken und sowieso für alle Unternehmen gerade jetzt wichtig ist. Und Thomas Pleil zeigt ein schönes Beispiel für Web 2.0-Krisen-PR.

Und was gibt's sonst noch neues? Ach ja, die Heye Group (Disclosure: Das ist mein Arbeitgeber!) twittert aus dem Digital Lab. Und zwei interessante Projekte gibt's da schon zu sehen. Unter kultband.at findet ein Bandcontest statt, der konsequent auf Web 2.0 setzt, sprich: Man muss keine Bilder oder Videos hochladen, sondern nur seinen Youtube- und Flickr-Link setzen. Das System baut diese dann in die Profilseite ein. Und für Casio gibt's ein Werbebanner, das auf die Webcam zugreift. Diesen Link klicken und dann "Highspeed Dancing hier!" auswählen. Viel Spaß!

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