Mittwoch, 27. August 2008

Sueddeutsche.de schreibt Spiegel-Schmarrn ab

Schön, dass jetzt auch schon die Leitmedien ihre schlecht recherchierten Artikel voneinander abschreiben. So hat nämlich sueddeutsche.de mal schnell den Artikel von Spiegel Online zum Getwittere von SPD-Generalsekretär Hubertus Heil abgeschrieben - letzterer wurde bei Thomas Knüwer bereits ausführlich und treffend analysiert.

Es wird darin darüber gelästert, dass die SPD auf der eigenen Webseite Twitter erklärt - und das übrigens besser als Spiegel Online, die ein entscheidendes Element verschweigen, nämlich dass nur 140 Zeichen verwendet werden dürfen. Und sie meckern darüber, dass Heil "nichts zu melden" hätte und deshalb einfach beschreibt, was er gerade sieht. Schuldigung, aber ist das nicht gerade die Hauptnutzung von Twitter? Aufzuschreiben, was man gerade macht (und damit auch, was man gerade sieht)? Nicht umsonst steht über dem Eingabefenster die Frage: "What are you doing?" - Was machst Du gerade?

Stellt sich wieder einmal die Frage, wer sich hier lächerlich macht. Denn das Süddeutsche Herumgeschreibsel ist nicht relevanter als das angebliche "herumtwittern" von Hubertus Heil. Aber Gott sei Dank bietet sueddeutsche.de wenigstens an anderen Stellen echten Qualitätsjournalismus.

Sonntag, 24. August 2008

Wie Handwerker Social Media nutzen können

Vor einiger Zeit habe ich das Buch "Unsere Kommunikation der Zukunft" gelesen. Wobei, ich habe es nur zum Teil gelesen. Irgendwann habe ich es kopfschüttelnd zur Seite gelegt. Denn so interessant die Informationen über das Bloggingverhalten von Microsoft und Sun waren, so weltfremd fand ich die Empfehlung, dass auch kleine Handwerker bloggen sollten, um auf sich aufmerksam zu machen - vor allem, weil alles was dagegen spricht, konsequent ausgeblendet wurde.

Klar kann ich mich über ein Blog auch lokal bekannt machen. Aber wenn ich Abends nach 10 Stunden auf dem Bau oder in der Werkstatt noch 2 Stunden Buchhaltung gemacht habe, habe ich dann anschließend noch die Muße und den Kopf frei, um zu bloggen? Und wenn ich in der Lage bin, dass ich den Bau auch mal aus der Hand geben kann und mich über den Tag auch mal dem Bloggen widmen könnte, gäbe es dann nicht effizientere Wege, diese Zeit zu nutzen, um neue Aufträge an Land zu ziehen, als den Umweg über das Internet? Blogging ist für solche Unternehmen nur dann eine gute Möglichkeit, ihr Business voranzutreiben, wenn der Bloggende ohnehin Spaß am und Talent zum Schreiben hat. Wer aus Marketinggründen damit beginnt, könnte die Zeit anderweitig in den meisten Fällen meines Erachtens gewinnbringender einsetzen.

Wie dem auch sei, heute habe ich bei Ed Wohlfahrt eine interessante Anwendung von Social Media für Handwerker, die was zu zeigen haben, gesehen: die Flickr-Galerie eines Schwimmbad-Bauers. Denn Fotos machen ohnehin viele Handwerker von ihren Baustellen. Das Hochladen kann man auch noch neben dem wohlverdienten Fernsehabend machen. Und Bilder sagen ja bekanntlich gerade bei Gebautem mehr als tausend Worte.

Gute Idee! Nur, dass man von der Unternehmenswebseite nicht zur Galerie gelangt, finde ich irgendwie seltsam.

Freitag, 22. August 2008

Interessanter Social Media PReview

Ich muss gestehen, dass ich ihn heute zum ersten Mal komplett gehört habe, den Social Media PReview Podcast. Denn eigentlich bin ich nicht so der Podcast-Hörer. Aber heute war Round Table zum Thema "Tod der Pressemitteilung - neue Wege in der PR" - inspiriert durch eine Diskussion, die kürzlich von Tapio Liller in seinem Blog angestoßen wurde.

Dass diese Diskussion geführt wird, finde ich wichtig und richtig. Zwar sind sich alle Beteiligten (auch mit mir) ziemlich einig, aber es gibt Dinge, die kann man nicht häufig genug sagen. Und je mehr Leute verstehen, dass PR nicht gleich Pressemitteilung ist, desto besser.

Aber eine Frage stellt sich mir schon. Ich erlebe PR nämlich völlig anders. Bei uns besteht PR nur noch zu einem sehr kleinen Teil aus Pressemitteilungen. Die schreiben wir zwar noch. Aber abseits der Fachpresse - die allerdings auch dran interessiert ist - distribuieren wir Informationen fast ausschließlich über Redaktionsbesuche und persönliche Telefonate mit Journalisten, die man z.B. auf Redaktionsbesuchen kennengelernt hat. Die Pressemitteilung ist eher Hintergrundinfo. Und bevor wir anfangen, Journalisten anzurufen, überlegen wir uns, ob das Thema auch zu ihrem Medium - oder zumindest in ihre Gattung Medium - passt. Denn gerade bei Redakteuren von hochwertigen Medien hat man häufig nur eine einzige Chance, sein Thema an den Mann zu bringen. Wer die vergeigt, bekommt auch keinen Bericht. Zudem wünschen sich Kunden - meiner Erfahrung nach - immer häufiger gezielt einzelne umfangreichere und der Strategie entsprechende Artikel statt einer breiten Presseresonanz zu "irgendeinem" Thema.

Ich erzähle das hier nicht, um meinen Arbeitgeber über den Klee zu loben, sondern weil es mich wirklich interessiert. Gibt es tatsächlich noch Kunden, die wahrlos Pressemitteilungen verschickt haben wollen, in der Hoffnung, irgendwer werde es schon abdrucken? Ich hoffe es nicht. Und wenn ihr es mit so einem zu tun habt, dann hört Euch doch mal den Social Media Preview an. Als Argumentationshilfe.

Donnerstag, 14. August 2008

Stöckchen: 2×5 Fragen zur Bildung!

Ich bin ja eigentlich nicht so der Stöckchen-Freund. Aber ich mache mal wieder eine Ausnahme. Diesmal geht's um die Bildung.

Was war Deine schlechteste Zeugnisnote?
Ich hatte nie eine 5 oder 6 - zumindest nicht auf dem Zeugnis. In einzelnen Klassenarbeiten immer wieder. Besonders schlechte Noten hatte ich am Ende eigentlich nur in meinen Leistungskursen - Mathe und Geschichte. Ja, ich gebe zu, gerade seine schlechtesten Fächer zu LKs zu machen, war nicht clever. Aber bevor ich sie als LKs hatte, war ich in beiden ganz gut. Ich glaube aber meine schlechteste Zeugnisnote war ein "ausreichend" und die hatte ich immer mal wieder in den Fächern Deutsch, Französisch und Mathe.

Welche Kompetenzen sollte Schule unbedingt vermitteln?
Also erstmal war Schule der Ort, an dem ich einige der geilsten Kumpels der Welt kennengelernt habe. Ja, ich glaube, dass zur Schule auch das gehört, was man nicht im Unterricht lernt - Musik, Alkohol, Liebe.

Aber wichtig ist mir analytische Fähigkeit. Ich habe in Geschichte (Danke, Herr Sowa) so gut analysieren gelernt, dass ich in diesem Punkt im Studium kaum dazulernen konnte/musste. Und trotz vieler schlechter Noten: Am Ende konnte ich es. Das ist bis heute großartig. Viele Bestandteile der Analyse (z.B. die Quellenkritik) sind heuzutage essentieller Teil der Medienkompetenz.

Welche Diskussion rund um das Thema Bildung fandest Du in letzter Zeit spannend?
Ich diskutiere häufig mit meinem Bruder über Bildung. Der habilitiert gerade und kriegt schon Plaque, wenn ich ihm sage, er lebe von meinen Steuern. Weil er politisch auf der Linie von Hans-Olaf Henkel ist und ich eher bei Norbert Blüm bin. Und dann muss er sich von dem Sozialromatiker sowas sagen lassen. Aber er hat ja recht, denn ich zahle ja in Bayern Steuern und er habilitiert - und verprasst Steuergelder - in NRW (Aachen).
Spannend fand ich die Diskussion um Studiengebühren. Weil ich die einerseits gut finde. Nicht, weil ich Studenten zu lahm finde. Sondern damit Studenten den Professoren vernünftige Vorlesungen abfordern können. Andererseits sind Studiengebühren aber null zielführend. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Meine Eltern haben sich ein Bein ausgerissen, um drei Jungs studieren zu lassen (Danke übrigens, schon allein deshalb bin ich sehr stolz auf Euch!). Sicherlich hätte es auch irgendwie geklappt, wenn es Gebühren gegeben hätte. Aber wenn ich daran denke, dass ich mit dem ganzen BAFöG schon mit einer ordentlichen Stange Schulden ins Berufsleben gestartet bin, frage ich mich, ob die zusätzlichen Gebühren ein Studium nicht zur wirtschaftlichen Idiotie machen. Wer dann will, dass mehr Leute studieren, kann einfach keine Gebühren einführen.
Auch Studiengebühren für Langzeitstudenten finde ich übrigens nicht sinnvoll. Denn die Uni ist keine Berufsausbildung. Es geht auch darum, Leute auszubilden, die sich mal Gedanken darüber machen, wie sich unsere Gesellschaft verändern sollte. Und das habe zumindest ich in meinem Regelstudienzeitschnellstudium nicht geschafft.

Wissen bedeutet:
öhm. Keine Ahnung.

Was hat Dich früher motiviert, jeden Tag in die Schule zu gehen?
Hatte ich eine Alternative? Ok, vielleicht nach der 10. Klasse. Da wusste ich aber nichts besseres, was ich tun könnte.

Was ist deine liebste Figur aus Comic-, Trick-, Serien-, Literatur- oder Märchenwelt und warum?
Ronald McDonald. Über den habe ich heute nachgedacht. Eine andere fällt mir gerade nicht ein.

Wenn du Kultusminister wärst – was würdest du sofort ändern?
Hier in Bayern? Die 0,2 Notenpunkte abschaffen, die den NRW-Abiturienten draufgerechnet wird, wenn sie hier studieren. Das finde ich - ja, man muss das so sagen - eine arrogante Schweinerei.

Was ist dein Schlusswort zu diesem Bildungsstöckchen?
Mehr noch als bei den meisten anderen politischen Themen finde ich, dass wir bei der Bildung unser System schlechtreden. Ich kenne niemanden, der im Ausland studiert hat und mit der Erkenntnis zurückkam, dort habe man mehr gelernt als an einer deutschen Uni. Wir haben ein tolles Bildungssystem. Punkt.

P.S.: Stöckchen weitergeben mag ich nicht. Wer Antworten will, tue sich keinen Zwang an.