Ich bin ja eigentlich nicht so der Stöckchen-Freund. Aber ich mache mal wieder eine Ausnahme. Diesmal geht's um die Bildung.
Was war Deine schlechteste Zeugnisnote?
Ich hatte nie eine 5 oder 6 - zumindest nicht auf dem Zeugnis. In einzelnen Klassenarbeiten immer wieder. Besonders schlechte Noten hatte ich am Ende eigentlich nur in meinen Leistungskursen - Mathe und Geschichte. Ja, ich gebe zu, gerade seine schlechtesten Fächer zu LKs zu machen, war nicht clever. Aber bevor ich sie als LKs hatte, war ich in beiden ganz gut. Ich glaube aber meine schlechteste Zeugnisnote war ein "ausreichend" und die hatte ich immer mal wieder in den Fächern Deutsch, Französisch und Mathe.
Welche Kompetenzen sollte Schule unbedingt vermitteln?
Also erstmal war Schule der Ort, an dem ich einige der geilsten Kumpels der Welt kennengelernt habe. Ja, ich glaube, dass zur Schule auch das gehört, was man nicht im Unterricht lernt - Musik, Alkohol, Liebe.
Aber wichtig ist mir analytische Fähigkeit. Ich habe in Geschichte (Danke, Herr Sowa) so gut analysieren gelernt, dass ich in diesem Punkt im Studium kaum dazulernen konnte/musste. Und trotz vieler schlechter Noten: Am Ende konnte ich es. Das ist bis heute großartig. Viele Bestandteile der Analyse (z.B. die Quellenkritik) sind heuzutage essentieller Teil der Medienkompetenz.
Welche Diskussion rund um das Thema Bildung fandest Du in letzter Zeit spannend?
Ich diskutiere häufig mit meinem Bruder über Bildung. Der habilitiert gerade und kriegt schon Plaque, wenn ich ihm sage, er lebe von meinen Steuern. Weil er politisch auf der Linie von Hans-Olaf Henkel ist und ich eher bei Norbert Blüm bin. Und dann muss er sich von dem Sozialromatiker sowas sagen lassen. Aber er hat ja recht, denn ich zahle ja in Bayern Steuern und er habilitiert - und verprasst Steuergelder - in NRW (Aachen).
Spannend fand ich die Diskussion um Studiengebühren. Weil ich die einerseits gut finde. Nicht, weil ich Studenten zu lahm finde. Sondern damit Studenten den Professoren vernünftige Vorlesungen abfordern können. Andererseits sind Studiengebühren aber null zielführend. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Meine Eltern haben sich ein Bein ausgerissen, um drei Jungs studieren zu lassen (Danke übrigens, schon allein deshalb bin ich sehr stolz auf Euch!). Sicherlich hätte es auch irgendwie geklappt, wenn es Gebühren gegeben hätte. Aber wenn ich daran denke, dass ich mit dem ganzen BAFöG schon mit einer ordentlichen Stange Schulden ins Berufsleben gestartet bin, frage ich mich, ob die zusätzlichen Gebühren ein Studium nicht zur wirtschaftlichen Idiotie machen. Wer dann will, dass mehr Leute studieren, kann einfach keine Gebühren einführen.
Auch Studiengebühren für Langzeitstudenten finde ich übrigens nicht sinnvoll. Denn die Uni ist keine Berufsausbildung. Es geht auch darum, Leute auszubilden, die sich mal Gedanken darüber machen, wie sich unsere Gesellschaft verändern sollte. Und das habe zumindest ich in meinem Regelstudienzeitschnellstudium nicht geschafft.
Wissen bedeutet:
öhm. Keine Ahnung.
Was hat Dich früher motiviert, jeden Tag in die Schule zu gehen?
Hatte ich eine Alternative? Ok, vielleicht nach der 10. Klasse. Da wusste ich aber nichts besseres, was ich tun könnte.
Was ist deine liebste Figur aus Comic-, Trick-, Serien-, Literatur- oder Märchenwelt und warum?
Ronald McDonald. Über den habe ich heute nachgedacht. Eine andere fällt mir gerade nicht ein.
Wenn du Kultusminister wärst – was würdest du sofort ändern?
Hier in Bayern? Die 0,2 Notenpunkte abschaffen, die den NRW-Abiturienten draufgerechnet wird, wenn sie hier studieren. Das finde ich - ja, man muss das so sagen - eine arrogante Schweinerei.
Was ist dein Schlusswort zu diesem Bildungsstöckchen?
Mehr noch als bei den meisten anderen politischen Themen finde ich, dass wir bei der Bildung unser System schlechtreden. Ich kenne niemanden, der im Ausland studiert hat und mit der Erkenntnis zurückkam, dort habe man mehr gelernt als an einer deutschen Uni. Wir haben ein tolles Bildungssystem. Punkt.
P.S.: Stöckchen weitergeben mag ich nicht. Wer Antworten will, tue sich keinen Zwang an.