Donnerstag, 14. Februar 2008

SZ hat Angst vor dem Internet

Juhu, da sind sie wieder - die Internet-Pessimisten der Süddeutschen Zeitung. Angeblich geht es heute um die Einstellung der gedruckten Brockhaus Enzyklopädie. In Wirklichkeit aber spricht Redakteur Andrian Kreye über sich selbst, über sein eigenes Medium und die Angst, den Job zu verlieren.

Unter dem Titel "Inhalte im Netz - Kulturelle Antimaterie" schreibt er darüber, dass die Leute im Internet für Inhalte nichts bezahlen.

Die Veränderung des Kulturgutes Text durch das Internet sei mit anderen Veränderungen wie der Ablösung des Pferdefuhrwerks durch das Auto, der Malerei durch die Fotografie oder der Livemusik durch das Radio nicht zu vergleichen, "weil die bisherigen Paradigmenwechsel in der Kultur entweder dazu führten, dass elitäre Kunstformen einem Massenpublikum zugänglich gemacht wurden, oder dass die technischen Möglichkeiten einer Kunstsparte erweitert wurden. Das Prinzip der Vergütung an sich wurde bisher nicht angetastet."

Das sei im Internet anders. Dort sei alles kostenlos, weil es geklaut sei: "Was bisher über das Netz transportiert wurde, waren nur Klone traditionelle Inhalte und Formen. Die vielgelobten Blogs und Sammelportale wiederum tun in den meisten Fällen nichts anderes, als traditionelle Inhalte durch eine Zweitverwertung noch weiter zu entwerten."

Letztendlich sei dieses ganze Internet-Zeug ohnehin nur auf eine Verschwörung der Telekommunikationsgesellschaften zurück zu führen: "Was da als Demokratisierung und Befreiung gefeiert wird, ist letztendlich die Entwertung einer Kulturproduktion, die einer Industrie zu Gute kommt, die Kulturgüter als "Content" versteht, sowie Autoren und Kreative als "Content Provider", als Inhaltslieferanten betrachtet. Es sind vor allem die Telekomriesen, die am Internet verdienen[...]".

Das sehe ich etwas anders.

Zunächst: Das Wissen - wie es in einem Brockhaus steht - wird tatsächlich erst mit Einführung des Internet (Wikipedia) der breiten Masse zugänglich. Schließlich kostet die Gesamtausgabe 4995,- Euro. Aber gut, Kreye spricht ja m.E. eh über seine eigene Zunft und nicht über Brockhaus.

Dabei hat er das eigentliche Problem nicht verstanden: Das ist nämlich durchaus von den Verlagen hausgemacht. Zeitungen haben immer das Papier und das morgendliche Austragen als ihre Leistung verkauft. Denn die Inhalte machen die meisten Zeitungen nicht unique - sie stammen eh immer von den gleichen Nachrichtenagenturen. Das rächt sich nun. Denn viele Leser haben die Zeitungen anscheinend nicht aufgrund des Papiers und des Austragens gekauft, sondern aufgrund der Inhalte. Und wenn man die nun ohne Papier in gleicher Qualität und günstiger bekommt, wird man dieses Angebot annehmen.

Dieses Problem lässt sich nur lösen, wenn sich Zeitungen durch Qualität differenzieren. So wie es Spielwarenhersteller, Handyanbieter und alle anderen Unternehmen auch machen müssen, wenn sie sich gegen Billig-Konkurrenz profillieren wollen. Ein relevanter und geldwerter Zusatznutzen muss produziert werden. Wenn dies nicht gelingt, wird es viele Journalisten ihren Arbeitsplatz kosten. Das ist bei "Paradigmenwechsel in der Kultur" übrigens auf keinen Fall etwas Neues - Kreye kann sich ja mal bei Fuhrwerksfahrern, Protraitmalern und Livemusikern erkundigen.

Dienstag, 12. Februar 2008

Keine Zeit für Brockhaus

Heute geht ja überall rum, dass Brockhaus seine gedruckte Ausgabe einstellt. Was ich mich frage: Wenn Enzyklopädien so schlecht laufen, wieso hat dann "Die Zeit" erst vor kurzem eine eigene Lexikon-Reihe herausgebracht? Und: Hat sich die gut verkauft? Hat Brockhaus was falsch gemacht? Ich find's jedenfalls schade.

Gepostet via E-Mail.

Sonntag, 3. Februar 2008

CDU manipuliert Kurt Beck bei Wikipedia

Der Wikiscanner ist sicherlich allseits bekannt. Das ist die Webseite, mit der man nachvollziehen kann, wer wann was an Wikipedia-Artikeln geändert hat.

Ich habe dort (ist übrigens schon länger her) geschaut, was die Parteien wohl geändert haben. Schließlich findet sich dort sicherlich eine Menge Bauernschläue, deren Besitzer sagen: Cool, damit können wir doch super unserem Gegner schaden. Merkt doch keiner.

Letzterer Satz ist spätestens seit Erfindung des Wikiscanners falsch, wie folgendes Beispiel zeigt: Sucht man nämlich beim Wikiscanner nach CDU findet man dort den "CDU Landesverband Rheinlad-Pfalz". Und wenn man den wiederum anwählt, findet man die durch sie modifizierten Artikel - u.a. den zum SPD-Vorsitzenden Kurt Beck.

In dem wurde folgende Änderung vorgenommen - aus:
"Beck ist seit 1968 verheiratet und hat mit seiner Ehefrau Roswitha einen Sohn Stefan (* 1969). Die Familie wohnt in Steinfeld (Südpfalz, Landkreis Südliche Weinstraße)."

wurde:
"Beck ist seit 1968 verheiratet und hat mit seiner Ehefrau Roswitha einen Sohn Stefan (* 1969). Die Familie ist getrennt lebend in verschiedenen Orten der (Südpfalz, Landkreis Südliche Weinstraße)." (Fehler wie im Original)

Sprich: Die CDUler haben Kurt Beck mal soeben eine Trennung von seiner Frau/Familie untergeschoben. Und das nicht irgendwann, sondern im Februar 2006 - mitten im Wahlkampf zu den Landtagswahlen am 15. März 2006. Übrigens haben sie gleich dreimal versucht, die Änderung einzutragen - die kurz danach von anderen Nutzern wieder rausgeschmissen wurde.

Samstag, 2. Februar 2008

Nokia und Rüttgers: PR-Legastheniker

Heute ist Samstag. Das ist gar nicht so schlecht, denn endlich habe ich Zeit hier als PRler über den Fall Nokia zu schreiben. Denn dort finden sich eine Reihe kommunikativer Fehlleistungen - von der Politik und von Nokia.

Zunächst zu Nokia. Wenn man es mal global betrachtet, könnte man sich fragen: Was ist eigentlich am Arbeitsplatz in Rumänien schlechter als an dem in Deutschland? In Deutschland sind zwar bald zahlreiche Arbeiter arbeitslos. Aber viele Menschen in Rumänien - die wahrscheinlich mit Arbeit weniger haben als Arbeitslose in Deutschland - haben nun einen Job. Und auch die haben schließlich Familien, die versorgt werden wollen. Was würden wir sagen, wenn VW Jobs von Spanien nach Rumänien verlagern würde? Richtig, gar nichts. Oder: Gut, dass Wolfsburg erhalten bleibt. Gegen die Schließung des Nokia-Werkes zu demonstrieren ist also purer nationaler Egoismus. Das ist völlig OK. Aber Nokia ist kein deutsches Unternehmen - insofern also auch nicht deutsch-egoistisch. Das ist auch völlig OK. Dieses Thema hätte Nokia ruhig auch mal anbringen können.

Ungeheuerlich ist allerdings, dass Nokia die Belegschaft vor vollendete Tatsachen gestellt hat. Und dass Nokia der Bochumer Belegschaft nicht einmal die Chance gegeben hat, sich gegen Rumänien durchzusetzen. Kommunikativ ist das eine Katastrophe. Denn jetzt passiert das, was eine logische Konsequenz ist: Die Deutschen kaufen weniger Nokia-Handys und erinnern das Unternehmen daran, dass Verbraucher durch Konsumverzicht die Kosten der Standortverlegungen ganz schön rauftreiben können.* Das hätte Nokia verhindern können: Wenn Sie das Thema "Wieso sind Arbeitsplätze in Deutschland mehr wert?" gespielt hätten. Und wenn sie den Bochumern die Chance zum Wettbewerb gegeben hätten.

Und dann zur Politik. Ich habe Jürgen Rüttgers bei seiner ersten Äußerung zum Thema im Morgenmagazin gesehen. Und ich habe mich ständig gefragt, wieso er zwar die Sprachkeule auspackt (Subventionsheuschrecke), aber dabei den entscheidenden Satz vergisst - der mit einer Handlungsanweisung an die Menschen und einer Perspektive für Nokia: "Unser Ziel muss es sein, dass niemand in Deutschland ein Nokia-Handy kauft, bis die Geschäftsleitung mit uns verhandelt." Das wäre eine deutliche Ansage gewesen. Er hätte zu dem aufgefordert, was vernünftig ist: Verhandlungen. Er hätte den Menschen die Chance gegeben, Wut abzulassen - durch Nicht-Kauf. Und er hätte eine Tür für Nokia offen gelassen. Denn Verhandlungen müssen möglich sein. Stattdessen macht Rüttgers die Tür zu, weil er nur lospoltert. Und er tut so, als helfe er den Menschen damit.

Das Ganze ist ein Riesen-PR-Desaster. Nokia scheint keine Lösung zu wollen. Und Rüttgers schließt Türen zu fairen Verhandlungen, anstatt diese zu öffnen. Letztendlich werden beide Seiten einen großen Image-Schaden erleiden. Und den Mitarbeitern ist auch nicht geholfen.

Übrigens ein interessanter Ansatz: Ein Arbeitskollege fragte, ob es Zufall sei, dass gerade (im weitesten Sinne) skandinavisch-stämmige Unternehmen (Vattenfall, Nokia) in letzter Zeit Probleme mit ihrer Kommunikation in Deutschland haben. Kennt sich jemand mit der Öffentlichkeit in skandinavischen Ländern aus. Wird Unternehmen dort weniger Transparenz abverlangt?

* Kleine Bemerkung: Wenn wir nicht nur gehende Unternehmen (durch Weniger-Kaufen) abstrafen, sondern auch kommende (durch Mehr-Kaufen) belohnen würden, würden sicherlich noch einige zusätzliche kommen - zumal das Weniger-Kaufen-beim-Gehen dafür sorgt, dass Unternehmen erst gar nicht kommen. Denn sie würden ja nie wieder gehen können, ohne den Markt zu verlieren. Aber das ist ein anderes Thema.

Freitag, 1. Februar 2008

Hasenliebe auf den zweiten Blick

Was den neuen Werbespot zu Juicy Fruit Squish angeht, bin ich voreingenommen. Denn ich habe die Storyboards gelesen, den Rough Cut gesehen und beim Schreiben der entsprechenden Pressemitteilung mindestens 20mal den Spot geschaut.

Jedenfalls muss ich sagen, je häufiger ich ihn sehe, desto besser gefällt er mir - obwohl ich zu Beginn skeptisch war wegen der skurilen Geschichte. Das Setting hingegen hat mir von Anfang an sehr gefallen. Und seit ich ihn zum ersten Mal in der finalen Fassung gesehen habe, finde ich auch die Geschichte richtig gut. Der Spot setzt sich absolut von dem sonstigen Werbebrei ab. Und diese Hotelrezeptionsklingel beim Juicy Fruit "ernten" ist so absurd, dass sie schon wieder gut ist.

Was meint Ihr?


Link: sevenload.com