roccatune: Das Ende der Gängelung
Welches Business-Modell funktioniert eigentlich für Plattenfirmen im Internet? Diese Frage kursiert schon seit den Zeiten von Napster und Kazaa. Die Labels glauben immernoch an das Prinzip der Gängelung: Mp3s, die ich von einer CD gerippt habe, darf ich so oft verteilen darf wie ich will. Aber Songs, die ich bei iTunes kaufe, laufen nur auf 5 PCs. Gut, es gibt iTunes Plus. Die iTunes Plus Songs funktionieren ebenfalls auf beliebig vielen Systemen. Aber um iTunes Plus zu nutzen, muss ich erstmal für meine gesamte zuvor gekaufte iTunes ohne-Plus Musiksammlung nachzahlen. Eine Frechheit. Und eine noch größere Frechheit: Beim Komplettabsturz des PCs darf man sich die einmal erworbenen Songs nicht kostenlos noch einmal runterladen. Man erwirbt also bei iTunes nicht das Recht, den Song zu hören, sondern nur ein bestimmtes Bündel Daten - den Song bei einem bestimmten Runterladevorgang.
Trotzdem nutze ich iTunes immernoch. Vor allem, damit ich meinen iPod auffüllen kann und weil es vor allem viel einfacher ist als in den Plattenladen zu gehen.
[kleiner Exkurs: Hatte ich eigentlich schon meine Geschichte aus dem Apple Store in Palo Alto erzählt? Dort habe ich mir im USA-Urlaub einen iPod nano gekauft. Und weil ich noch Bargeld hatte, wollte ich dort bar bezahlen. Das war ein Akt: Zuerst wusste der Verkäufer gar nicht, wie er das Bargeld eintippen sollte und dann musste er erstmal die Wechselgeldschublade aus dem Backstageraum holen. So ist das, wenn ein Windows-User in den Apple Store kommt. Aber gut.]
Jedenfalls hat sich iTunes mit diesen Vorzügen eine Monopolstellung auf meinem Computer erkämpft - bis, ja bis ich von roccatune gehört habe. Denn bei roccatune kann man kostenlos Musik hören. Im Browser und sogar recht komfortabel. Ab und an bekommt man Werbung angezeigt, aber das ist auch mehr als fair - schließlich kann man dafür umsonst Musik hören. 1,5 Millionen Songs stehen zur Verfügung. U2 leider nicht. Aber dafür alles von Rage against the machine bis Clueso, von den Black Crowes bis zu Polarkreis18. 3 von 4 Majorlabels sind vertreten (oder 4 von 5, jedenfalls fehlt eines). Alle Songs sind in bester Qualität verfügbar und die Seite läuft reibungslos. Ein ordentlicher Konkurrent für iTunes & Co. Nur unterwegs ist der iPod damit noch nicht zu ersetzen. Aber: Wenn man bedenkt, dass immer mehr Handys mit UMTS oder WLAN online gehen können, könnte sich das schneller ändern als es Apple lieb ist. Dann braucht man vielleicht bald gar keine Kaufmusik mehr. Und die Gängelung hat endlich ein Ende.
