Workshop-Einsichten: Ab zum Konsumenten
Es ist interessant. Gleich mehrere Social Media Workshops habe ich in den vergangenen Wochen durchgeführt und ich finde es immer wieder erstaunlich, was im Umfeld dieser Workshops passiert. Zum einen mit mir: Durch die Recherchen zur Vorbereitung solcher Veranstaltungen stoße ich immer wieder darauf, welche krassen Sachen im Internet passieren. Ich möchte dabei nur auf den Welpen-Livestream hinweisen, den ich letztens verfolgt habe. Regelmäßig zeigt der Player einige tausend Leute an, die sich parallel am Leben der kleinen interessiert zeigen. [By the way: Als ich mir irgendwann auf ProSieben "U20 - Deutschland, Deine Teenies" angeschaut habe, habe ich verstanden, warum viele Leute lieber die Hunde anschauen.]
Aber auch bei den Zuschauern öffneten sich Horizonte - und zwar welche, von denen ich dachte, dass sie längst offen wären. Zum Beispiel der, dass wir mit unseren Botschaften dorthin müssen, wo die Konsumenten sind - und nicht umgekehrt. Es würde doch kein PRler auf die Idee kommen, dass jedes Produkt als Hauptkommunikationsmedium eine eigene Zeitschrift, einen eigenen TV-Sender oder einen eigene Radio-Kanal benötigt. Aber im Internet denken wir so. Es ist - soweit bin ich ja einverstanden - für jede Marke wichtig, eine eigene Plattform im Web zu haben. Aber genauso wichtig ist doch dort zu sein, wo die eigenen Kunden sind. Ich will als Marke Teil der Lebenswelt der Konsumenten sein, also muss ich hinein in diese Lebenswelt.
Was heißt das konkret? Es heißt konkret, dass ich mir überlegen muss, ob meine Ketchup-Marke ihre Kochtipps vielleicht neben der ketchup.de auch auf essenundtrinken.de gibt. Es heißt, dass ich meine Fußballkampagnenseite zusätzlich zur eigenen Seite als Teil von kicker.de anlege. In Zeiten von Social Media heißt das aber auch, abseits der Online-Medien klassischen redaktionellen Zuschnitts aktiv zu werden: SchuelerVZ wird 10mal so häufig geklickt wie SpiegelOnline und wenn ich bei Google nach "welchen laufschuh?" suche, finde ich nicht fitforfun.de, aber dafür einige Running-Foren. Ich kann als Marke deshalb nicht nur den bequemen Weg gehen und mir bei den Ablegern klassischer Medien Specials kaufen - nein, ich muss zusätzlich in die Web2.0-Medien. Mir die "Hände schmutzig machen" und - ihhhhhhhhh - mit den Leuten in Kontakt treten. Ich muss in Foren, in Facebook, in Twitter und Blogs aktiv werden und dort nicht spammen, sondern Informationen liefern, wo diese gefragt sind.
Wie das geht, machen mittlerweile einige Unternehmen vor. BMW zum Beispiel hat beim Launch des Concept X1 Maßnahmen durchgeführt, die selbst mit kleinem Budget umsetzbar wären. Da wurde getwittert, geflickrt, geyoutubet und am Ende das Ganze auf Facebook aggregiert. Zugegeben, 450 Fans auf Facebook und 71 Follower bei Twitter sind keine Wahnsinnszahlen. Aber es geht darum, überhaupt mit Social Media Relations zu beginnen. Es geht darum, sich von der sicheren eigenen Plattform wieder auf den Konsumenten zu zu bewegen. Und ein erster Schritt in diese Richtung ist das BMW-Beispiel allemal.
