Robert Basic: Trigami für Alfa Romeo
Da soll noch jemand sagen, Blogger verhielten sich anders als Journalisten. Letzteren wirft man ja bekanntlich vor, dass sie sich gerne überall dort aufhalten, wo es kostenlos Essen, Getränke und sonstige Geschenke gibt.
Blogger sind da natürlich ganz anders. Kein Zwang Seiten zu füllen, kein finanzieller Druck. Das Ergebnis: Unabhängige Berichte. Bestes Beispiel dafür ist Deutschlands Top-Blogger Robert Basic. Der schrieb vor einiger Zeit, dass er aus folgendem Grund nicht bei Trigami bezahlt bloggt:
"Ich mag redaktionelle Artikel gegen Kohle nicht schreiben, da ich ungerne extern motiviert werde, also ne reine Typenfrage, wie man gebaut ist. Zudem habe ich den Eindruck, dass es den meisten Trigami-Firmenkunden nicht mal ansatzweise um kritische Tests, sondern rein um PR geht. Als Vehikel lasse ich daher mein Blog nur ungerne missbrauchen."
Gestern Abend lese ich allerdings, dass Robert sich von Alfa Romeo nach Italien einladen lässt, um ein neues Auto zu testen. Man muss wohl kein PR-Profi sein um zu verstehen, dass auch Alfa durch diese Reise "extern motivieren will", einen oder mehrere Blogeinträge zu schreiben. Und auch Alfa wird sich davon kaum kritische Tests erhoffen.
Es ist dasselbe System, mit dem die Journalisten im Autobereich geködert werden: Sie werden in solch schöne Umgebungen eingeladen, dass das Fazit positiv am Ende positiv ausfallen muss. Schließlich macht Autofahren in schöner Umgebung immer Spaß.
Ich bin wirklich ein großer Fan von Robert, ich habe nichts gegen Paid Blogging und will auch nicht die Moralkeule schwingen. Aber man sieht halt, dass Blogger keineswegs der Hort der Unabhängigkeit, sondern viel billiger genauso leicht "extern motivierbar" sind als wie Journalisten - das sollte man als Blogleser wissen. Ich bin jedenfalls gespannt auf die Berichte und darauf, ob sich die Maßnahme für Alfa auszahlt.

8 Kommentare:
Da muss ich Dir insofern widersprechen, als dass ich Robert für so integer und intelligent halte, als dass ich glaube, dass er ganz genau unterscheiden kann zwischen Produkt und "Ansporn". Ich denke, wir können uns da auf eine ehrlich Meinung einstellen. Zumal Robert seine User vor einiger Zeit auch gefragt hat, ob sie es verwerflich finden würden, wenn er an dieser Geschichte teilnimmt. Und die Mehrheit meinte: Mach nur.
Habe ja nicht gesagt, dass er käuflich ist. Habe nur gesagt, dass die Unterschiede zwischen Bloggern und Journalisten anscheinend kleiner sind, als so mancher denkt.
Und Berichte, die aufgrund von PR-Reisen entstanden sind, sind insofern nie unabhängig, als der PRler 1. den Anstoß gibt, überhaupt drüber zu schreiben 2. das Setting bestimmt (vielleicht hat das Auto ja Probleme mit Regen. Das würde man in Deutschland merken, in Italien nicht) 3. damit rechnen kann, dass der Blogger Journalist wohlwollend gestimmt ist. Das muss nicht automatisch heißen, dass eine Lobeshymne entsteht. Aber wenn man jemanden mag oder ihm zu Dank verpflichtet ist, wird man sich dreimal überlegen, ob man sein Produkt verreißt.
Solche PR zu treiben und PR-Angebote anzunehmen finde ich nicht verwerflich. Nur sollte es der Leser wissen: Der Test von Robert wird genauso unabhängig wie der in der Auto Motor und Sport oder der Autobild. Was immer das heißen mag.
Find ich extrem cool was du hier sagts, nämlich dass der Artikel von Robert genau so unabhängig sein wird wie jene in den Autozeitungen. Was hier geschieht war absehbar und ist nicht unredlich, nämlich dass die Unternehmenskommunikation Blogger als innovative Multiplikatoren definiert und sie damit zu einer für sie relevanten Zielgruppe macht. Ist klar. Aus Sicht der Unternehmenskommunikation ist damit völlig unerheblich, ob Blogger nun Journalisten sind oder nicht. Das wurde in der Bloggosphäre ja auf und ab diskutiert. Völlig hirntote Diskussion meiner Ansicht nach. Egal! Blogger sind imho Gatekeeper und erfüllen als solche bestimmte Aufgaben. Die MiTo Kampagne von Alfa Romeo zielt genau darauf ab. Das Blog etwa ist in mehren Sprachen verfasst. Um an die nationalen passion based audiences bestmöglich anzudocken wurden aus dem betreffenden Land (Italien, Spanien, England, BRD) die jeweils wichtigsten und themenrelevantesten Blogs definiert und wahrscheinlich auch gezielt angesprochen d.h. zu Testfahrten eingeladen.
Nun, erstmal sehe ich einen deutlichen Unterschied darin, ob irgendwo ein Artikel steht und irgendwo in einem kleinen Nebensatz «Einladung zur Testfahrt von …» verschwindet und der Rest vom Test nur wohlwollendes Blabla ist.
Wenn Basic das Procedere für sich testen will, ist das erst mal okay und legitim. Auch – oder gerade weil – er auch eine andere Meinung zu dem Thema hat(te). Denn das macht das Bloggen insbesondere für mich aus: sie lassen mich auch an ihrer persönlichen Entwicklung teilhaben. Es ist legitm, dass Basic sagt, er kann auch seine Meinung ändern.
Wenn er insbesondere im Vorfeld (!) seine Teilnahme in seiner Öffentlichkeit definiert, kann ich daran wenig Anrüchiges entdecken.
Es ist sinnvoll erst einmal abzuwarten, wie denn sein «Testbericht» ausfällt. Ich traue Basic ganz klar zu auch alle Punkte aufzuschreiben, die ihm bei der Aktion nicht gefallen. Und darin kann man die Chance des Bloggers bei solchen Aktionen sehen. Wenn man denn will. Ich habe nach der Ankündigung nämlich sehr wohl die Chance den Artikel in meinem Feed zu überlesen …
Ich sehe erst einmal den Hauptunterschied, dass Alfa die Blogger zur PR eingeladen hat. Sonst nichts. Die erwarten keine redaktionellen Artikel, kein unabhängige Bewertung, sondern nur Aufmerksamkeit bei den Lesern. Und die ist bei einem Blogger, der wie Robert vor der Reise 2 Artikel schreibt, während der Fahrt 2 und danach zuhause noch mal 2 eben grösser als ein Artikel auf der Autoseite der Samstagsaugabe des Lokal-Käseblatts.
Die Frage ist nur: Will man sich als Blogger verkaufen, in diesem Fall für die Promotion eines Autos, das sonst kaum Audmerksamkeit bekommen hätte, oder will man das nicht. Für mich sind solche Blogger nichts anderes als Promo-Girls, die für Geld mit Zigarettenproben durch die Kneipen touren. Muss es auch geben. Aber dann sollte man nicht eine Legende drumherum stricken "die sagen auch, wenn die Kippen nicht schmecken...".
Schön, dass alle Robert eine ehrliche Haut zutrauen, aber wenn es um Beratungseinnahmen, Transparenz und die Frage von Interessenskonflikten bei seinen Blogpostings geht wird er meist ganz still.
Autojournalisten sind auch eine schlimme Bande. Nur werden die eingeladen, weil sie Fachjournalisten sind. Stattdessen ist die Bloggersache ein reines PR-Spass-Fun-Event - Hauptsache die Leserzahekn stimmen, nicht einmal ein Führerschein war nötig.
@ creezy:
Ich finde es nicht "schlimm", dass Robert da mitmacht. Ich habe nur geschrieben, dass Blogger nicht besser/schlechter sind als Journalisten und vermutlich auch jeder andere.
@ anonym:
Ich finde nicht, dass Robert irgendwas zu seinem Einkommen sagen muss - das müssen wir beide ja auch nicht. Wie gesagt, Leser müssen nur wissen, dass Blogs nicht der Hort der Unabhängigkeit sind. Ein Glaubwürdigsvorschuss im Vergleich zu klassischen Medien ist daher zumindest pauschal nicht gerechtfertigt.
Siehste und an dem Punkt habe ich die Diskussionen eh nie verstanden, weil er doch klar ist. Es gibt immer solche und solche Journalisten und logischerweise solche und solche Blogger. Ich weiß nicht, wer jemals diesen Heiligenschein über den Blogger gezogen hat, den der Mensch, der hinter jedem Blogger steht eh nicht aufrecht halten kann, vermutlich es auch nie wollte.
Jedenfalls habe ich mit einem redaktionellen Beitrag über Autos in einem Blog in dem der Eigener eh schon immer über seine Autos (und Probleme mit ihnen) geschrieben hat weniger Probleme, als mit Advertisings, die nicht mal halbwegs inhaltlich auf Bloginhalte abgestimmt sind. (Letzteres trifft eher meine Marketinggene wegen Sinnlosigkeit, zugegeben.)
Ich für mich mache das lieber an der Masse fest, an der Häufigkeit in der das passiert. Wenn Basic das jetzt jede Woche machen würde, hätte er ein Problem. Zeitungen machen es ja nun fast täglich.
@ creezy:
Na ja, wenn ich über Argumente nachdenke, weshalb Blogs (nicht nur für PR, sondern auch gesellschaftlich) relevant sind, dachte ich lange: Blogs enthalten authentische Meinungsäußerungen ohne den Druck "die Zeitung zu füllen" und ohne Anregungen durch die Anzeigenabteilungen. Eine Art Gegenöffentlichkeit. Das sind sie aber nicht - zumindest nicht per se.
Aber das ist eigentlich tatsächlich logisch: Ob ein Medium Gegenöffentlichkeit ist oder nicht, kann man nicht am Content Management System festmachen, sondern nur an der Person, die dieses bedient. Und an der Integrietät von Robert habe ich nie gezweifelt - ich kenne ihn nicht persönlich und kann das deshalb nicht einschätzen.
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