Netzathleten: Produktwerbung mit Menschenrechten
Manchmal frage ich mich: Bin ich beruflich bedingt überempfindlich oder merken Medien einfach nicht, wenn sie auf billige PR-Nummern reinfallen?
Da tourt zum Beispiel Stefan Pfannmoeller durch die Medienlandschaft. Als Sportler (Kanufahrer), der sich bei Olympia für die Rechte der Menschen in China einsetzen will: Sports for Human Rights heißt seine Initiative. Sportler sollen ein Armband tragen, um ihre Haltung zu den Menschenrechten zu demonstrieren, Heute war Pfannmöller damit im heute-journal, ein Check bei google-News zeigt, dass das Thema dankbar angenommen wurde.
Was nicht erwähnt wird: Das Bändchen hat die gleichen Farben wie das Social Network netzathleten, bei dem Pfannmöller im Impressum unter Team steht. Und sobald er om TV zu sehen ist, trägt er ein netzathleten-Shirt.
Ich will ja nicht kleinkarriert werden, aber würde man Pfannmöller genauso unkritisch begegnen, wenn er bei RWE arbeiten würde und das Band in deren CI gehalten wäre? Ich glaube nicht. Ich finde, Pfannmöller macht mit einem ernsten Thema Produktwerbung. Und das ist verachtenswert. Ich verstehe nicht, wieso die Medien Pfannmöller gegenüber so unkritisch sind. Vielleicht, weil sie das Internet nicht verstehen - und nicht wissen, was die netzathleten sind.
Nachtrag: Stefan hat sich per E-Mail gemeldet. Er legt Wert darauf, dass die Erlöse des Bändchens an amnesty international gehen, dass die Farben (auch) die Farben des Fair Play-Logos sind, dass die Idee auf netzathleten.de entstanden sei, der netzathleten e.V. die Aktion durchführe und dass nicht er, sondern die Sendern wollen, dass er das netzathleten-Shirt anzieht. Außerdem sei die Aktion nicht schlecht für die netzathleten - aber auch für niemand anderen. Als Link für Hintergrundinfos legt er mir noch einen Artikel der SZ ans Herz.
Ich finde es super, dass Stefan sich mit kritischen Stimmen auseinandersetzt. Und ich finde auch, dass ein Social Network der optimale Ort ist, um eine Aktion wie diese zu starten. Aber: Es wird m.E. nicht klar, ob wirklich vorrangig um die Menschrechte oder um die Bekanntheit der netzathleten geht. Der offene Umgang mit Kritik lässt mich zwar wieder an den guten Zweck glauben. Aber ohne das T-Shirt und mit anderer Bändchenfarbe wäre mir wohler.
