Trigami: Wie es funktieren könnte
Im Kommentarbereich der Blogbar zeigt Strappato einen Zielkonflikt von Trigami auf, der mich schon seit langem beschäftigt:
"[...] Als Dienstleister einen Kunden glücklich machen oder als “Journalist” im Zweifel der Wahrheit zu dienen.[...]"
Der gängigen Meinung nach handelt Trigami nämlich betriebswirtschaftlich clever, wenn sie versuchen, die Blogger mittels Ranking durch Auftraggeber unter Druck zu setzen. Ich bin da gänzlich anderer Meinung. Zumindest, wenn Trigami langfristig nicht mehr nur obskuren Wald- und Wiesenunternehmen eine billige Plattform bieten, sondern namhaften Kunden substantiell helfen (und daran gut verdienen) will.
Warum? Nun, Trigami hat seriösen Unternehmen durchaus etwas interessantes anzubieten: Eine Menge Blogs, die mal grundsätzlich bereit sind, Produkte und Dienstleistungen zu testen und zu im Blog bewerten. Das ist ähnlich reizvoll für PR-Treibende wie trnd. Es spart nämlich die Ressourcen des selbst Blogs (bei trnd: Meinungsführer) ausfindig machen und vom rezensieren überzeugen. Und Trigami hat einen Vorteil gegenüber trnd. Man kriegt nämlich für einen bestimmten Betrag sicher einen Eintrag. Ob der positiv oder negativ hängt von meinem Produkt ab. Aber wenn ich von dem nicht überzeugt bin, sollte ich ohnehin keine PR dafür zu machen.
Nun betrachten wir Trigami mal aus der Sicht des PR-Treibenden. Der will von PR "gute Presse". Er wünscht sich eine gute Note bei Stiftung Warentest oder Öko-Test. Oder einen tollen Beitrag in Fit for Fun - oder welches Medium auch immer seine Zielgruppe liest. Wichtig dabei: Der Leser soll dem Medium vertrauen - sonst hilft einem das gute Testurteil ja nicht. Das ist bei klassischen Medien übrigens die ökonomische Begründung, die Pressefreiheit zu achten.
Davon, dass die Leser ihm vertrauen, ist Trigami meilenweit entfernt. Bestenfalls akzeptiert der Leser die Trigami-Posts nach dem Motto "Na ja, irgendwovon muss Blogger XY ja leben". Ansonsten haben diese Posts die Glaubwürdigkeit eines Anzeigenblättchens.
Wenn Trigami mittelfristig mehr als Wald- und Wiesenkunden betreuen wollen, müssen die sich einen guten Ruf in der Blogosphäre erarbeiten. Sie müssten ernst genommen werden wollen - und zwar zunächst einmal von Bloggern. Denn an die will der PR-Treibende ja ran, wenn er Trigami engagiert. Das würde konkret heißen: Leser, nicht Werbekunden, können die Einträge bewerten. Und diese Bewertung beeinflusst den Geldbetrag, den der Blogger pro Blogpost erhält. Bei Recherchen gibt man den Bloggern Hilfestellung - z.B. in Form des Forums, das Robert Basic vorschlägt. Und im besten Fall bekommen die Blogger auch einen Ansprechpartner beim auftraggebenden Unternehmen, dem sie Fragen stellen können - um Falschinformationen zu vermeiden.
Ich denke, dass Trigami so funktionieren könnte. Ich glaube sogar, dass in diesem Fall höhere Honorare drin wären. Denn je glaubwürdiger der positive Eintrag, desto höher sein Preis. Im Moment habe ich aber den Eindruck, dass Trigami nicht gerade professionell geführt wird - oder dass den Machern das Schmuddelkinddasein gefällt. Beides wäre schade. Aber es bietet die Chance für einen Konkurrenten, der es besser macht.
