DJV-Diskurs: Gedanken eines PRlers
Die Diskussion des DJV zum Online-Journalismus wurde reichlich besprochen (Überblick hier). Ich möchte ein paar ungeordnete Denkanstöße zum Thema aus PRler-Sicht geben.
Auch mich nervt, dass die Nachrichtenangebote klassischer Medien im Web so schlecht sind, dass sich die User ihnen nicht zuwenden. Denn auch für uns macht es die Arbeit schwieriger, wenn man in einer fragmentierten Medienlandschaft zu tun hat. Wo soll man die Themen, zu denen man PR macht, diskutieren? Wer bezahlt uns, wenn wir in immer mehr immer reichweitenschwächeren Medien mit immer größere Zeitaufwand immer weniger Leute erreichen? Wenn sich niemand mehr für die Presse interessiert, braucht auch niemand mehr Pressearbeit. Das wird uns nicht den Beruf kosten, denn es wird weiterhin beeiflusst werden müssen - aber eher Meinungsbildner als Journalisten. Für mich als leidenschaftlicher PRESSEarbeiter ist das schade.
Einfacher für uns PRler wird die Krisen-PR. Denn im Printmedien ist gedruckt, was gedruckt ist. Online hingegen kann man durchaus Veränderungen herbeiführen, falls es sachliche Fehler gibt. Und im Diskussionsbereich unten drunter sieht man - mit kleineren Einstiegsbarrieren als beim Leserbrief in Print - was die Leser denken. Und man kann selbst mitdiskutieren.
Allerdings will ich auch nicht verschweigen, dass es online kaum noch Redaktionen gibt. Gerade in Bereichen wie Lifestyle wird nur noch bezahltes Material veröffentlicht. Wen wundert es da, dass sich die Leser von den Online-Angeboten klassischer Medien abwenden? Und wer glaubt, dass die werbedurchdrängten Online-Angebote keine Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der Printproukte und die Preisbereitschaft gegenüber ebendiesem haben? Wenn ich die Leser online an der Nase herumführe, kann ich nicht verlangen, dass sie mir im Print glauben.
Und eine gewagtere These: Ich hoffe, dass durch Online die öffentliche Meinungsbildung demokratisiert wird. Es setzt sich langfristig - hoffentlich - der durch, der die meiste Ahnung vom Thema hat. Und nicht der, der unter der richtigen "Marke" schreibt. Gut vorstellbar, dass das Topmedium für Computer irgendwann ein Blog eines Informatikstudenten wird - und nicht Chip oder Computerbild. Käuflichkeit wird so hoffentlich auf Dauer verringert, weil es direkt an der nächsten Ecke aufgedeckt werden kann. Und weil die Leser dann zum Nächsten wandern.
Wie gesagt: Alles ungeordnete Gedanken ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und jetzt kommst Du!

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