Montag, 19. November 2007

Automatische Blogroll

Habe heute meine Blogroll (bei mir "Tipps zum Weitersurfen" genannt) aktualisiert - bzw. tut sie das ab jetzt selbstständig. Je nachdem, was ich gerade im Google Reader abonniert habe. Sehr schön. Klickt mal durch.

Die Idee kommt von hier.

PR-Altersweisheiten

Woran merkt man, dass man alt wird? Richtig. Daran, dass dort, wo früher noch Träume waren, die schlichte Wirklichkeit das Regiment übernimmt. Und woran merkt man, dass ein Trend keiner mehr ist? Richtig. Daran, dass sich die ehemaligen Trendsetter etablieren und sowas Profanes wie Praktikumsstellen anbieten. Letzteres passierte vor kurzem bei PR-Blogger Klaus Eck. Und ersteres unterscheidet einen alten PR-Hasen wie mich von ebendessen Praktikanten.

Thomas Euler, so heißt der Prakti, fragt sich heute, wie sich wohl die PR in den kommenden fünf Jahren entwickeln wird. Und er träumt vom großen Durchbruch des Social Networking als PR-Instrument. Ich glaube an diesen Durchbruch noch nicht so richtig. Denn die Frage, die Euler nicht beantwortet, lautet: Wer soll das überhaupt bezahlen? Ich meine, natürlich mache ich als PR-Berater Networking für meine Kunden. Zu Journalisten, zu Meinungsbildnern und auch zu Bloggern. Aber wenn ich mich als Coca Cola mit jedem Verbraucher auseinandersetzen möchte, der in irgendeinem Blog, Social Network etc. was zu mir schreibt - wie viele Mitarbeiter muss ich dann einstellen? Spätestens wenn Bloggen und Social Networking tatsächlich zu einem Massenphänomen werden, wird das nicht mehr handlebar.

Public Relations beinhaltet, "Relations" (Beziehungen) zu unterschiedlichen "Publics" (Öffentlichkeiten) aufzubauen. Die muss ich - im Grunde genommen wie eh und je - nach Relevanz auswählen und dann mit ihnen Dialoge führen. Wenn Social Networking dies einfacher macht, ist das super. Wenn es das nicht tut, erfordert es zusätzliches Budget. Andere Maßnahmen müssen zugunsten von Social Networking gestrichen werden und dazu muss Social Networking effizienter sein als die Konkurrenzmaßnahme. Das sehe ich im Moment skeptisch.

Wichtiger ist für mich eher der Long Tail: Denn der Umgang in Social Networks, das Bloggen, all das wird Einfluss auf zukünftigen Anforderungen von Kunden an moderne Marketingkommunikation haben. Darum sollten wir PRler uns damit beschäftigen - aber danach wieder Abstand gewinnen und mit kühlem Kopf eine Bewertung abgeben.

Sonntag, 18. November 2007

Schell zum Medientraining!

Bei Anne Will ging es soeben um den Bahnstreik. Und wer die Sendung gesehen hat, könnte Zeuge gewesen sein, wie sich das Blatt gewendet hat. Denn die laut Sendung bestehende Mehrheit der Deutschen, die den Streik befürwortet, könnte schnell zur Minderheit werden. Grund: Die Bahn-Personalvorständin Margret Sukale.

Die ist entweder ein Naturtalent, oder sie ist perfekt vorbereitet von ihren PR-Leuten. Jedenfalls gibt sie das Gegenmodell ab zu den Betonköpfen Manfred Schell (Gewerkschaft der Lokführer) und Hartmut Mehdorn (Bahnchef), der ihr wohl die Verhandlungsführung auf Bahnseite übertragen hat, und wird gerade deshalb sympatisch. Während Schell nur die Fehler der letzten Wochen aufzählt und sich stets so gibt, als höre er den anderen Talkgästen gar nicht zu, zeigt Sukale sich glaubwürdig als Arbeitervertreterin: Die anderen Mitarbeiter der Bahn seien genauso wichtig wie die Lokomotivführer. Sie müsse auf ein ausgewogenes Gehaltsgefüge achten. Das versteht der Zuschauer - im Gegensatz zum Gehabe von Schell. Bei dem kommt einem wieder die Spezies der unfreundlichen Bahnbediensteten vor Augen, die stets den Eindruck erweckt, als Kunde müsse man sich dafür bedanken, dass man mitgenommen wird. Frau Sukale hingegen wirkt modern, offen, dialogorientiert. Kein Ticket dabei? Kein Problem, beim nächsten Mal dann wieder, OK?

Ich bin mir sicher, dass eine Anne Will-Sendung allein die öffentliche Meinung nicht kippen kann. Aber fest steht, dass Schell sich nicht mehr viele weitere solcher Auftritte leisten sollte. Zumal sich Sukale am Ende der Show noch die letzten Herzen der bahnstreikgeplagten Zuschauer erobert: "Kehren Sie doch bitte morgen an den Verhandlungstisch zurück", sagt sie so, als wolle sie den beleidigt-in-der-Ecke-stehenden Schuljungen dazu bringen, wieder mit den anderen Fußball zu spielen. Als PR-Mann möchte man ergänzen: "Oder mach' wenigstens ein Medientraining."

Nationalmannschaft in der Kommerz-Arena

Schöner Versprecher gerade von Waldemar Hartmann zum Ende der ARD Sportschau, die live vom öffentlichen Training der Nationalmannschaft gesendet wurde: "Das war's hier aus der Frankfurter Kommerz-Arena". Er meinte wohl Commerzbank-Arena. Schließlich ist die Kommerzarena doch woanders:


P.S.: Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob der Versprecher vielleicht doch kalkuliert war. Schließlich war Commerzbank-Konkurrent Postbank Sponsor der ganzen Veranstaltung...

Donnerstag, 15. November 2007

Robert gründet Basic Motzing

Das wird ja doch noch was. Nachdem ich ja bereits davon berichtet habe, dass es Kollegen gibt, die das "Web 2.0" für tot halten, hat sich nun eine interessante Wendung ergeben. Robert Basic, Deutschlands meistverlinkter Blogger, gründet gemeinsam mit seinen Lesern eine neue Plattform: das-war-nicht.net. Dort soll man Probleme mit Services und Produkten öffentlich machen können. Natürlich kann niemand sagen, ob die Seite interessant wird. Schließlich verliere zumindest ich immer schnell den Spaß am Lesen von Mecker-Blogs.

Aber zwei Dinge könnten die Seite dennoch sehr schnell auch außerhalb der Blogosphäre relevant machen:

1. Weil Robert mitwirkt, werden direkt auch viele PRler (Leser von Basic Thinking) mitlesen. Und die wiederum werden ihren Kunden hoffentlich empfehlen, Kritik ernstzunehmen und zu antworten. Und diese Antworten machen das Portal sehr interessant.

2. Google. Wenn Robert es schafft, dass er immer eines der ersten Google-Ergebnisse für die bemängelten Produkte und Dienstleistungen ist, wird die Seite schnell zu einem relevanten Einkaufshelferlein.

Ich bin gespannt.

Mittwoch, 14. November 2007

Bin ich zu doof für Facebook?

Das ging mir damals schon so bei Second Life: Alle redeten darüber, aber ich und mein Computer wir kamen damit nicht klar. Ok, Second Life funktionierte überhaupt nicht - Systemvorraussetzungen nicht erfüllt. Aber auch bei Facebook dauert bei mir alles ewig und die ganzen kleinen Anwendungen - von anderen hochgelobt, weil Facebook ein offenes System sei - verstehe ich nicht.

Ich glaube ehrlich gesagt, dass Facebook im Moment in Deutschland keine Chance gegen StudiVZ und die Lokalisten hat. Von Xing mal ganz zu schweigen. Denn ich halte mich nicht für technisch-unaffin. Und trotzdem macht mir Facebook so gar keinen Spaß.

Das nur so am Rande.

Sonntag, 11. November 2007

CSR - die nächste Blase?

Der "Blogblues" ist eingekehrt, nicht nur unter den Bloggern, sondern vor allem auch in der PR Branche. Es hat sich nicht viel Business damit machen lassen, lautet die Begründung.
Eine gewisse Freude ist denen anzusehen, die ohnehin nie verstanden haben, was die Leute "da im Web 2.0" machen, und die nun dessen Ende prognostizieren. Und sie tun gleich eine viel erfolgversprechendere Marktlücke auf: CSR.

CSR ist Corporate Social Responsibility, zu Deutsch: Unternehmerische soziale Verantwortung. Doch (wie übrigens bei fast allen) bedeutet auch dieser "Anglizismus" etwas anderes als sein deutsches Gegenstück. Denn wer von unternehmerischer Verantwortung spricht, der spricht von tatsächlichem Gerechtwerden der Verantwortung. Wer aktuell von CSR spricht, meint häufig nur das Vorspiegeln des Gerechtwerdens. Oder anders gesagt: Wenn ein Sportartikelhersteller dafür sorgt, dass die Mitarbeiter in Pakistan vernünftige Arbeitsbedingungen haben, ist das unternehmerische soziale Verantwortung. Wenn die Kinder in Pakistan weiterhin unter schlechten Bedingunen arbeiten würden, aber in Deutschland eine Stiftung für Kinder (inkl. großer Werbekampagne) geschaffen würden, dann ist das das, was sich viele PRler unter CSR vorstellen.

Die Freunde dieser Show-Verantwortung glauben, der Kunde erwarte mittlerweile sowas. Am besten mit großem CSR Report und ausgedehnter Internetseite zum Thema. Letztere wiederum sorgen dann wieder für das entsprechende Honorar beim PR-Berater - so das Business Modell der Agenturen.

Dazu kann ich nur sagen: Der Kunde erwartet vor allem eines, nämlich nicht hinter's Licht geführt zu werden. Initiativen, Stiftungen - das alles ist prima. Aber die erste Verantwortung eines Unternehmers liegt im eigenen Unternehmen. Nur, wer vernünftig mit seinen Kunden und Mitarbeitern umgeht, wer hochwertige Produkte hat und wer seinen Kunden ernst nimmt, der kann auch mit CSR-Aktionen punkten.

CSR und unternehmerische Verantwortung müssen eins werden. Aber das trauen sich Agenturen wohl nicht, ihren Kunden zu sagen. Denn sonst würden deutsche Autohersteller wohl kaum Rabattangebote zur Klimaschutzaktion machen. Wie man es richtig macht, sieht man bei Toyota: Erstes serienmäßiges Hybridauto bauen, dann braucht es keine Kampagnen mehr. Wie die Deutschen Hersteller das hätten bewerkstelligen sollen? Der Hybridmotor wurde hier in Deutschland entwickelt. Aber leider haben die jeweiligen Kommunikatoren wohl geschlafen - oder Broschüren geschrieben und Internetseiten gepflegt.

Die PR ist immernoch viel zu sehr damit beschäftigt, die Leute mit Gelaber zu nerven, statt Taten sprechen zu lassen. Sie wird ihrem eigentlichen Job nicht gerecht: Kommunikative Potentiale in sustantiellen Unternehmensentscheidungen zu erkennen, diese Entscheidungen dementsprechend zu beeinflussen und erst dann darüber zu kommunizieren.

Dabei hätten wir PRler wenigstens eines aus der angeblich geplatzten Blogblase lernen können: Man muss seine Zielgruppen ernstnehmen. Wer das nicht verstanden hat, der hat Web 2.0 nicht verstanden und der wird auch bei CSR dafür sorgen, dass die Blase platzt. Wer das aber versteht, der wird auch in Zukunft Kundendialog, wie er in Blogs stattfinden kann, und CSR als wichtige Bestandteile von Unternehmenskommunikation - schuldigung, von Unternehmenshandeln insgesamt - erkennen.

Freitag, 2. November 2007

Neue Generation von Datenverschenkern?

Es ist schon schwierig, Journalist zu sein. Man muss sorgfältig arbeiten und kann nicht (wie ich hier) seine Meinung absondern, ohne diese auf sachliche Richtigkeit zu überprüfen. Und man muss Geschichten, die bereits mindestens 351 andere aufgegriffen haben, einen neuen Dreh entlocken.

Letzteres versucht Götz Hamann in der aktuellen Ausgabe der Zeit (leider finde ich ihn nicht online). Er beklagt, wie bedenkenlos in Social Networks mit Daten umgegangen wird. Stimmt. Dass Hamann in den bedenkenlosen Dateneingebern allerdings eine komplett neue Generation von Bürgern sieht, die sich - anders als die Vörgängergeneration, die gegen die Volkszählung auf die Straße gegangen sein - ohne Bedenken ihre Daten abtrotzen lässt, halte ich für übertrieben.

Ich glaube, dass Social Networks dem User einen Deal anbieten, der für den User mehr Vor- als Nachteile bringt. Nur deshalb gibt er seine Daten ein. Jedem User von Facebook, StudiVZ und Xing ist klar, dass das System nur funktionieren kann, wenn man selbst seine Daten freigibt. Denn für den einzelnen sind die Netzwerke in den Grundfunktionen nichts anderes als ein Adressbuch, in dem sich die Kontakte selbst pflegen - ergänzt um jede Menge Features, die auf diesem Adressbuch aufsetzen.

Wenn ein "normaler" Online-Dienst wie GMX oder web.de Daten abfragt, wird er vermutlich nur von den wenigsten die korrekten Daten erhalten. Aber wenn es einen Benefit gibt, sind die Leute bereit dazu, Daten zu nennen. Genau aus diesem Grund funktioniert auch Payback. Und auch bei ganz normalen Gewinnspielen in Zeitschriften hatten die "User" ja auch früher schon keine Bedenken, ihre Daten abzugeben. Andersherum gibt es auch heute gegen Online-Durchsuchung und Vorratsdatenspeicherung Proteste - wie früher gegen die Volkszählung. Also eigentlich keine neue Generation, sondern einfach ein cleveres Geschäftsmodell.

Ich selbst finde es auch erstaunlich, wie unkritisch Bürger der Datenspeicherung gegenüberstehen. Aber ich glaube, dass das im Kern kein neues Phänomen ist.