PR-Altersweisheiten
Woran merkt man, dass man alt wird? Richtig. Daran, dass dort, wo früher noch Träume waren, die schlichte Wirklichkeit das Regiment übernimmt. Und woran merkt man, dass ein Trend keiner mehr ist? Richtig. Daran, dass sich die ehemaligen Trendsetter etablieren und sowas Profanes wie Praktikumsstellen anbieten. Letzteres passierte vor kurzem bei PR-Blogger Klaus Eck. Und ersteres unterscheidet einen alten PR-Hasen wie mich von ebendessen Praktikanten.
Thomas Euler, so heißt der Prakti, fragt sich heute, wie sich wohl die PR in den kommenden fünf Jahren entwickeln wird. Und er träumt vom großen Durchbruch des Social Networking als PR-Instrument. Ich glaube an diesen Durchbruch noch nicht so richtig. Denn die Frage, die Euler nicht beantwortet, lautet: Wer soll das überhaupt bezahlen? Ich meine, natürlich mache ich als PR-Berater Networking für meine Kunden. Zu Journalisten, zu Meinungsbildnern und auch zu Bloggern. Aber wenn ich mich als Coca Cola mit jedem Verbraucher auseinandersetzen möchte, der in irgendeinem Blog, Social Network etc. was zu mir schreibt - wie viele Mitarbeiter muss ich dann einstellen? Spätestens wenn Bloggen und Social Networking tatsächlich zu einem Massenphänomen werden, wird das nicht mehr handlebar.
Public Relations beinhaltet, "Relations" (Beziehungen) zu unterschiedlichen "Publics" (Öffentlichkeiten) aufzubauen. Die muss ich - im Grunde genommen wie eh und je - nach Relevanz auswählen und dann mit ihnen Dialoge führen. Wenn Social Networking dies einfacher macht, ist das super. Wenn es das nicht tut, erfordert es zusätzliches Budget. Andere Maßnahmen müssen zugunsten von Social Networking gestrichen werden und dazu muss Social Networking effizienter sein als die Konkurrenzmaßnahme. Das sehe ich im Moment skeptisch.
Wichtiger ist für mich eher der Long Tail: Denn der Umgang in Social Networks, das Bloggen, all das wird Einfluss auf zukünftigen Anforderungen von Kunden an moderne Marketingkommunikation haben. Darum sollten wir PRler uns damit beschäftigen - aber danach wieder Abstand gewinnen und mit kühlem Kopf eine Bewertung abgeben.
