Dienstag, 18. September 2007

"Maingold" geht in den Untergrund

Ich habe gerade in der Blogbar gelesen, warum "Maingold" seinen Blog aufgibt. Nach einem kurzen "Ja, stimmt!" las ich dann die Replik von Robert Basic. Dabei ist mir klar geworden: Der Beitrag von Maingold ist zwar sachlich korrekt, aber das was er kritisiert, ist Nebenwirkung der Demokratisierung öffentlicher Meinungsbildung. Und wer diese Nebenwirkungen kritisiert, stellt die Meinungsbildungs-Demokratie insgesamt in Frage. Das wiederum kann ich nicht unterstützen. Als Beweis für meine These, habe ich ein paar Blog-Begriffe durch Demokratie-Begriffe ersetzt:

"[...] Demokratische Diskurse [statt: Blogs] haben mich in letzter Zeit immer mehr regelrecht gelangweilt und sogar angeekelt. Natürlich nicht alle, aber ziemlich viele, sozusagen die meisten.

Die so called Demokratie [statt: Blogosphäre] wimmelt von widerlichen, nichtssagenden Selbstdarstellern, nerdigen Sesselfurzern die außer ihrer langweiligen Meinung [statt: ihrem langweiligen Blog] nichts anderes haben, einer großen Menge Speichelleckern und Jubelpersern und den besonders widerlichen Parteisoldaten [statt: SEO und Linkhuren], mit welchen ich ganz einfach nicht mehr in einen Topf geworfen werden möchte.

Ich möchte nicht mehr dieser „Demokratie“ [statt: "Blogosphäre"] angehören und ich möchte kein Demokrat mehr sein. Warum nicht? Weil ich mit den meisten Personen dieser Schublade im realen Leben noch nicht mal ein Bier trinken gehen würde. Weil wir keine Gemeinsamkeiten haben, weil ich viele von ihnen abgrundtief zu hassen gelernt habe. [...]"

3 Kommentare:

Dr. Dean meint:

Du schreibst bzw. persiflierst:

Die so called Demokratie [statt: Blogosphäre] wimmelt von widerlichen, nichtssagenden Selbstdarstellern, nerdigen Sesselfurzern die außer ihrer langweiligen Meinung [statt: ihrem langweiligen Blog] nichts anderes haben, einer großen Menge Speichelleckern und Jubelpersern und den besonders widerlichen Parteisoldaten [statt: SEO und Linkhuren], mit welchen ich ganz einfach nicht mehr in einen Topf geworfen werden möchte.

Nun, man könnte auch behaupten, dass die Zahl der reinen Selbstdarsteller und PR-Heinis in der real existierenden Demokratie eher geringer ausfällt. Blogs scheinen, zumal sie für Schick gehalten werden, teils recht eigenartige Leute anzuziehen, z.B. doch recht viele Leute, die vor allem mit recht geringen Aufwand kommerzielle Projekte realisieren wollen. Oder Selbstvermarkter - was ja an und für sich schon etwas ulkig ist.

Aber Du trifft einige gute Puntke. Einmal muss man die Gesellschaft auch von "Sesselfurzern" und anderen Leute, die sich eine gemeinsame Öffentlichkeit teilen, halt aushalten können. Weiterhin geht Maingold mit seiner Kritik zu weit, disqualifiziert das Bloggen zu sehr.

Genauso gut könnte man das Bücherschreiben verdammen, und zwar deshalb, weil es so viele dumme Bücher gibt.

Andererseits sagt er, warum es ihm halt keinen Spaß mehr macht. Ich sehe es mehr als individuelle denn als generelle Aussage. Und die Auswüchse, die er beschreibt, die sind tatsächlich welche.

Sie sind es auch, wenn man statt "Blogs" das Wort "Demokratie" nimmt.

Christian meint:

@ Dr. Dean: Ich finde auch, dass man beim Bloggen auf seltsame Leute trifft. Aber das hat ja auch was spannendes. Ich finde es gerade gut und demokratisch, dass es hier keine Redaktionen gibt, die über Veröffentlichung oder Nicht-Veröffentlichung entscheiden.

Tommy meint:

so what?!?

laßt sie (maingold) doch einfach ziehen....

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