Donnerstag, 9. August 2007

Die Welt: Vom Bock zum Gärtner

Laut heutiger Ausgabe der Zeitschrift W&V (leider nicht online verfügbar) startet dessen Zeitung "Die Welt" die Sonderwerbeform "Welt Dialog". Da können Kunden ein Advertorial* mit Web 2.0-Anbindung kaufen, Zitat:

"Kernstück ist das Internet-Forum. Dort wird via Voting-Tool, Kommentarfunktion und Blog Feedback eingesammelt, das dann in die folgenden Printauftritte einfließt."

Soweit die Theorie. Denn war es nicht der Axel Springer-Verlag, der erst kritische Kommentare löscht und dann auch noch Kritiker an der Löschung feuert? Will dieser Verlag nun seinen Kunden erklären, warum es sich lohnt, auf ehrlichen und offenen Dialog zu setzen?

Näher liegt wohl die Vermutung, dass dort eine große Lesertäuschung fabriziert wird: Falsche Blogkommentare werden als Anzeige veröffentlicht - der dämliche Leser wird's schon glauben. Auf diese Vermutung kam wohl auch der Redakteur der W&V. Aber Knut Döring, Anzeigenleiter Sonderthemen und Produktkonzepte bei Axel Springer, gibt eine erstaunliche Antwort. Ich zitiere:

"Kritische Wortmeldungen bleiben unangetastet, versichert Döring. 'Es gibt keine Zensur, da es sich um ein Anzeigenformat handelt.'"

Aha, dann sollte man bei der Welt wohl lieber die Anzeigen lesen - schließlich wird dort noch nicht zensiert.

*Ein Advertorial ist eine Anzeige, die gestaltet ist wie ein redaktioneller Artikel - gekennzeichnet durch das Wort Anzeige in einer Ecke.

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