Frontal21 skandalisiert Hörfunk-PR
Disclaimer: Ich arbeite in einer PR-Agentur, habe bisher noch keine Radio-PR betrieben, hätte aber kein Problem damit.
Frontal21 ist eine tolle Sendung. Da werden - unter dem Deckmantel journalistischer Tugend - Skandale aufgedeckt, die die Republik erschüttern *Ironietaste aus*. Bei genauem Hinschauen entpuppt sich das Ganze dann häufig als Luftnummer.
Gestern zum Beispiel ging es um Hörfunk-PR. Hörfunk-PR heißt, dass PR-Agenturen Sendern fertige Beiträge oder auch nur O-Töne liefern. Und genauso, wie Printjournalisten Inhalte aus Pressemitteilungen übernehmen können oder eben nicht, können Radiojournalisten dies mit den PR-Beiträgen tun. Sie nutzen den Service, wenn der Beitrag gut gemacht ist und der Wahrheit entspricht. Die Prüfung dessen ist ja Bestandteil journalistischer Sorgfalt - egal, ob eine Information von Knorr oder der Süddeutschen Zeitung stammt.
Frontal21 erweckt den Eindruck, die Übernahme von PR-Beiträgen sei illegal - was nicht der Wahrheit entspricht. Denn der Journalist ist und bleibt auch bei Sendern, die Hörfunk-PR ausstrahlen, die entscheidende Instanz. Er hat die Möglichkeit, einen Beitrag nicht zu senden. Er bekommt ja auch kein Geld für die Ausstrahlungen - sondern nur Material, das für seinen Zweck perfekt aufbereitet ist. Genau, wie der Printjournalist Bildmaterial in der für ihn optimalen Auflösung erhält.
Dabei kann man nicht kritisieren, dass die in Beiträgen zitierten Experten von Unternehmen kommen. Das ist schließlich durchaus üblich: Bei Finanzsendungen werden doch auch Experten von Investmentgesellschaften interviewt. Wenn es um hautschonendes Duschgel geht, spricht "Öko-Test" - ebenfalls ein Unternehmen, das die Ausgabe mit dem entsprechenden Test verkaufen will. Wieso sollte also nicht der Bionade-Hersteller ein guter Ansprechpartner für gesunde Durstlöscher sein?
Meine Meinung: Frontal21 hat ein weiteres mal total überzogen. Wie immer in diesem Format geht es ausschließlich darum, jemanden an den Pranger zu stellen. Und wie immer bei diesem Format hätte man auch gestern besser weggeschaltet - außer man sucht Themen zum drüber-bloggen.
Weitere Beiträge (mit anderen Ergebnissen) zum Thema beim Medienblogger und Indiskretion Ehrensache.
