Sonntag, 22. Juli 2007

Klimakampagnen: Plump ist gefährlich

Beim Lesen den Spiegels vor einigen Wochen traute ich meinen Augen kaum: Geschätze 75 Prozent der Anzeigen drehten sich um das Klimaengagement von Unternehmen. Und das bei bisher nicht als Umweltschützer bekannten Unternehmen wie Lufthansa, BP und VW. Logisch, möchte man meinen. Schließlich ist der Klimawandel aktuell in aller Munde. Daraus muss sich ja "was" machen lassen. Doch Vorsicht: Unternehmen, die mehr versprechen als sie halten können, machen unter Umständen mehr kaputt als sie gewinnen.

Wem gegenüber ist eine AG verantwortlich?
Der Umwelt oder den Aktionären?
Beispiel VW. Was passiert, wenn die Kunden ein Unternehmen tatsächlich an Sätzen wie "Wer ein Auto fährt, trägt große Verantwortung. Wer eines herstellt, erst recht." messen? Kann VW das halten? Ist eine AG nicht in erster Linie seinen Aktionären verpflichtet und nicht der Umwelt? Wird in Märkten, in denen das Klima kein Thema ist, von VW wirklich etwas freiwilliges für die Umwelt getan? Oder war mit der Verantwortung die Verantwortung gegenüber den Anlegern und nicht der Umwelt gemeint - und die grünen Landschaften, die in den Anzeigen zu sehen sind, sind nur Zufall?
Klimaschützer des Monats:
Nach hinten losgegangen
Ich finde das Ziel, erfolgreich zu wirtschaften durchaus legitim. Eine Aktiengesellschaft ist schließlich ein Unternehmen und keine Umweltschutzorganisation. VW hätte ja sagen können, dass man sich am Kundenwunsch orientiert: Wer Klimaschutz will, findet bei VW die passenden Autos. Aber gleich die Verantwortungskeule zu schwingen, halte ich für verantwortungslos - gegenüber den Anteilseigner. Man schaue sich doch nur man an, wie die Atomlobby kürzlich "baden gegangen" ist. Noch vor einigen wochen lobte die ihre Kraftwerke in Anzeigen großspurig als "Klimaschützer des Monats". Was passierte? Es kamen zahlreiche uralte Sicherheitsmängel ans Licht. Und die Lobby steht schlechter da als vorher. Soetwas ist kein Zufall. Wer Medien und Öffentlichkeit in solch plumper Weise Halbwahrheiten erzählt, muss sich nicht wundern, dass Leute anfangen zu recherchieren.
Zuhören statt Berieseln
Und das gilt auch für VW. Man täte besser daran, sich auf einen ernsthaften Dialog einzulassen. Den Menschen zuhören statt sie zu berieseln - so gewinnt man Vertrauen. Aber das hätte die Volkswagen AG eigentlich auch von ihrer Agentur gesagt bekommen müssen. Denn eines gilt sicher: "Wer Werbung treibt, hat eine große Verantwortung. Wer Werbetreibende berät erst recht."

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