Blogger und Journalisten sind Menschen
Über Basicthinking bin ich gerade zum Telagon Sichelputzer gelangt, der Tipps für PR gegenüber Bloggern gibt. Da steht unter anderen, ein Blogger sei kein Journalist und man solle einen Blogger nur dann telefonisch kontaktieren, wenn man ihn kennt. Und Robert Basic gibt einem noch den - zur Sicherheit sollte man das sagen - ironischen Hinweis, man solle Don Alphonso, Fixmbr, Indiskretion Ehrensache und Wirres "von der Seite PR-anmachen". Dann sei einem schnelle Bekanntheit sicher.
Ich mache nun ja schon seit längerer Zeit PR und ich muss sagen: Jeder einzelne Aspekt, den Sichelputzer Mike Schnoor nennt, ist absolut richtig. Und dennoch sorgen diese Faustregeln meist nicht für besseren Umgang, sondern nur für Angst - Angst, eine dieser Regeln gerade nicht zu beachten. Es kann keine vernünftige Kommunikation zustande kommen, wenn der PR-Macher die ganze Zeit an seine Faustregeln denkt.
Ich würde empfehlen, statt auf Faustregeln auf seinen gesunden Menschenverstand zu setzen. Denn ja, Blogger und Journalisten sind auch Menschen. Ein paar Beispiele: Freuen Sie sich morgens am Briefkasten, wenn dort 30 Werbebriefe drin sind, die für Sie keine Relevanz haben? Nein? Dann müllen Sie auch nicht das Postfach des Bloggers und des Journalisten zu. Würden Sie etwas kaufen von jemandem, der keinerlei Ahnung hat, von dem, was er verkauft? Nein? Dann informieren Sie sich - und zwar auch unabhängig - über das Produkt, dass Sie an den Journalisten bringen möchten. Und, ganz ehrlich, würden Sie einen Scheibenwischer kaufen, wenn Sie kein Fahrzeug haben, an dem Sie ihn nutzen können? Wieso versuchen Sie dann, jedem Journalisten/Blogger Themen zu verkaufen, für die er gar kein Forum hat? Das ist nicht nur vertane Zeit, sondern weckt auch Unmut - auf Seiten des belästigten Bloggers/Journalisten genauso wie auf der Seite des erfolglosen PRlers.
Und erst nachdem man sich diese Gedanken gemacht hat, geht es darum, wie man kommunikativ vorgeht. Und hier gilt: Seien Sie authentisch. Wir haben bei uns Kollegen, die sprechen mit Journalisten eher über Fakten und andere führen lieber einen lockeren Plausch. Aber alle, die erfolgreich sind, sind authentisch. Und auch das ist doch verständlich. Oder haben Sie Freude daran, mit jemandem zu sprechen, der augenscheinlich falsch ist?
Ob Sie dann anrufen oder E-Mailen, ist nicht entscheidend. Wenn Sie eine wirklich - aber wirklich wirklich wirklich - passende Geschichte haben und Sie sachkundig und authentisch sind, werden Sie vielleicht zunächst unfreundlich angeranzt (das haben Sie den Kollegen zu verdanken, die zuvor angerufen haben und genau dies nicht waren). Aber kein Journalist und kein Blogger hat etwas gegen die passende Geschichte für sein Medium. Wenn Sie eine gute Geschichte haben, gut informiert und authentisch sind, werden Sie - das ist zumindest meine Erfahrung - nicht im Blog der Kommentatorenmeute zum Fraß vorgeworfen.
