Das tut mir jetzt aber leid
Es gibt Probleme anderer, für die man nur begrenzt Mitleid aufbringt. Zum Beispiel, wenn ein Klempner, der trotz eines kaputten Abflusses um 15.55 Uhr den Hammer fallen lässt, um 19.55 Uhr meckernd vor verschlossenen Supermarkttüren steht. "Da siehst Du mal, wie das ist", denkt man sich. Schadenfreude nennt man dieses Phänomen. Und weil Stereotype viel einfacher sind als Einzefallbetrachtungen, könnte Schadenfreude auch dann aufkommen, wenn vor der Tür des Supermarktes ein Klempner steht, den man gar nicht kennt. Denn man geht ja davon aus, dass alle Klempner so sind wie der, der den Abfluss (nicht) repariert hat.
Ähnlich geht es mir heute beim Lesen von Indiskretion Ehrensache. Thomas Knüwer schreibt darüber, dass der Name des Handelsblatt-Chefredakteurs Bernd Ziesemer in einer Kandidatenliste des Medienmagazins "Wirtschaftsjournalist" für den WiWo-Chefposten genannt wurde. Und das, ohne dass Ziesemer vorher dazu befragt worden sei.
Medienjournalismus sei recherchefreie Veranstaltung, schließt er. Weil mir nun ganz stereotyp das Gefühl kommt, dass dieser Satz vielfach auch ohne das "Medien" zutrifft, kann ich mir ein wenig Schadenfreude nicht verkneifen. Wie oft bekommt man als PRler einen bösen Anruf vom Kunden, weil irgendein Journalist irgendetwas über den Kunden schreibt, was sich bei einfacher Recherche im Internet als falsch entpuppt hätte. Oder man wird mit Vorwürfen zum ersten Mal im gedruckten Blatt konfrontiert - statt per einfachem Anruf wenigstens die Chance zur Rechtfertigung oder Richtigstellung zu haben.
Sorry, Herr Ziesemer, nehmen Sie's nicht persönlich. Aber ich muss jetzt mal hämisch grinsen...
