Sonntag, 9. Dezember 2012

Von iTunes zu Spotify wechseln - mit iPhone, iPad, iPod, Airport Express und Windows-PC


Seit längerem überlege ich schon, mit meiner Musiksammlung von iTunes auf Spotify umzusteigen. Der Grund liegt nahe: Ich kaufe sehr viel Musik, aber nie CDs, sondern bislang als mp3 über iTunes und Amazon. Also ist ein Abo-Dienst à la Spotify für mich quasi wie geschaffen - ich zahle eine monatliche Gebühr, dafür entfallen die Kosten für jeden einzelnen Song.

Dennoch gab es einige Gründe und Fragen, die mich bislang nicht wechseln ließen: Zum Beispiel das ungute Gefühl dabei, dass alle Musik weg ist, wenn ich das Abo kündige. Und die Frage, ob die ganze Apple Hardware (z.B. iPods, Airport Express) dann noch funktioniert. Und die weitere Frage, ob ich weiterhin Musik nutzen kann, die nicht im Spotify Katalog vorhanden ist - zum Beispiel Songs der Toten Hosen oder von AC/DC, um einige bekannte Songs zu nennen. Um es vorweg zu nehmen: Ja, die Musik ist weg, wenn ich das Abo kündige. Aber: Ja, ich kann die Apple Hardware nutzen und die Musik aus meiner "alten" Sammlung funktioniert ebenfalls noch.

Jedenfalls hat nun die Telekom ein Angebot zusätzlich zum iPhone-Vertrag im Sortiment, das mich zum Wechsel bewegt hat - eine Musikflat, mit der man zum Preis der Spotify-Premium Mitgliedschaft auch gleich den Datentraffic dazu bekommt. Sprich: Wenn Ihr unterwegs einen Song runterladet, wird der Traffic nicht auf das sonstige Datenvolumen eures Vetrages angerechnet. Diese Option kann man einen Monat kostenlos testen. Und so wollte ich dies tun - mit der Option, am Ende wieder zu iTunes zurückzukehren.

Bei der Umstellung musste ich so einiges recherchieren. Für den Fall, dass es andere Leute gibt, die es auch testen wollen, schreibe ich diese hier zusammen.

Kein Durchstöbern nach Alben und Interpreten 
Der wohl größte Nachteil von Spotify gleich zum Start: Das Fehlen der Interpreten- und Alben-Ansicht. Klar kann man auch bei Spotify nach einzelnen Alben und Titeln suchen, aber das Scrollen durch die Liste der Interpreteten und/oder Alben ist nicht möglich. Spotify stellt die Wiedergabelisten bzw. Playlists in den Vordergrund. Dies wird wohl die gößte Umstellung für mich - und die einzige (um das vorweg zu nehmen), die mich bislang am Konzept zweifeln lässt.

Nun aber dazu, wie man die Umstellung von iTunes auf Spotify vornehmen kann. Ich nutze folgende relevante Hard- und Software:
- Windows 7 PC
- iTunes
- iPhone
- iPad
- iPods
- Airport Express

Um den Wechsel durchzuführen, solltet Ihr über eine einzige WLAN-Verbindung mit PC und Mobilgeräten ins Netz gehen. Den Grund findet Ihr unter Schritt 4. 

Schritt 1: Telekom-Tarif buchen und Spotify-Account anlegen
Um zu starten, müsst Ihr zunächst einen Account anlegen. Wollt Ihr den Telekom-Tarif nutzen, solltet ihr den Account am besten direkt aus Eurem Telekom-Kundencenter anlegen - also erst Tarif buchen (im "Kundencenter Mobilfunk" unter "Ihr Vertrag" > Tarifoptionen > Music Streaming), dann Spotify-Mitglied werden und Software runterladen.

Wenn Ihr keinen Telekom-Tarif habt oder die Option nicht wollt, könnt Ihr Euch einfach auf Spotify.com anmelden. Es gibt dabei Spotify verschiedene Abo-Varianten (von "Free" bis "Premium"). Wenn Ihr die mobilen Apps nutzen wollt, braucht Ihr auf jeden Fall "Premium". Auch ohne Telekom, bekommt Ihr zum Start ein paar Tage Premium kostenlos. Nach dem Anmelden, haben sie zumindest mir auch direkt 30 weitere Tage geschenkt. Eine Übersicht über die Features der verschiedenen Spotify-Versionen findet Ihr hier.

Einschub für Telekom-Kunden: Ihr könnt den Account auch auf Spotify.com anlegen und dann verknüpfen. Um Die Telekom-Option zu nutzen, dürft Ihr aber dann vorher KEIN Spotify-Premium gebucht (oder über einen Gutschein bekommen) haben. Der Telekom-Tarif wird nur wirksam, wenn er auf eine "free"-Mitgliedschaft draufgeschaltet wird - ihr müsst dann also warten, bis Euer "altes" Premium abgelaufen ist oder wie ich einen weiteren Account anlegen.

Schritt 2: Playlist auf iPhone anlegen und mit PC synchronisieren
Das primäre Musik-Hör-Gerät ist für mich das iPhone. Eigentlich kam ein Wechsel für mich nur dann in Frage, wenn die Musik, die auf dem iPhone ist, dort ohne größeren Aufwand weiterhin zur Verfügung steht - und zwar in einer einzigen App. Um das zu machen, müsst Ihr in der Musik-App Eures iPhones unter "Listen" eine neue Liste anlegen, beim Lieder hinzufügen auf "Titel" gehen und "Alle Titel hinzufügen" klicken. Damit sind alle Songs vom iPhone in einer Liste - der Name der Liste ist wurscht. Sobald Ihr Euer iPhone an den PC anschließt, oder über iTunes Match synchronisiert, ist sie dann auch im PC-iTunes zu sehen.

Schritt 3: Musik auf iPhone löschen
Um auf dem iPhone genügend Platz für die Musik, von Spotify zu haben, müsst Ihr die alte Sammlung löschen. Vorher solltet Ihr vielleicht ein Backup des iPhones durchführen, damit das ganze Zeug noch auf Euerm PC zur Verfügung steht. Die Musik löschen tut Ihr nicht in der Musik-App, sondern unter Einstellungen > Allgemein > Benutzung > Speicher > Musik. Dort könnt Ihr nun die Musik komplett löschen.

Schritt 4: Playlisten synchronisieren
Wahrscheinlich hat Spotify bereits beim ersten Start Eure iTunes Playlisten importiert - dort fehlt aber, wenn Ihr meiner Anleitung folgt, die Liste mit den ganzen iPhone-Songs. Die gab es da ja noch nicht. Also geht Ihr mit der rechten Maustaste auf den Playlisten-Ordner iTunes > Ordner und Playlists löschen - nicht auf "Löschen", dann ist nur der Ordner weg, nicht aber die Playlisten. Danach geht Ihr auf Datei > Playlists importieren > iTunes. Nun sollte im Playlisten-Ordner "iTunes" auch die Liste mit Euern ganzen Songs erscheinen.

Schritt 5: Apps installieren und "Offline verfügbar"
Nun installiert Ihr die App, z.B. auf dem iPhone. Um die Playlist nun auch ohne Online Verbindung hören zu können, geht Ihr in die Liste und klickt oben auf "Offline verfügbar" (auf dem iPad heißt die Funktion "Playlist herunterladen"). Befindet Ihr Euch im selben WLAN wie der Computer mit Eurer Musiksammlung, werden nun auch die Dateien synchronisiert, die es nicht bei Spotify in der Datenbank, aber auf Eurem Computer gibt. Das Synchronisieren funktioniert nur, wenn Ihr auf dem iPhone die App gestartet habt und der Sperrbildschirm nicht eingeschaltet ist (ihr deaktiviert ihn unter Eigenschaften > Allgemein > Automatische Sperre und dann "Nie").

Damit seid Ihr fertig - allerdings haben sich bei der Umstellung einige Tricks ergeben, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

DRM-geschützen Songs hören
Lieder, die Ihr bei iTunes vor längerer Zeit gekauft habt und die noch DRM haben, lassen sich nicht importieren - wie bei der Soko-EP "Not so secute". Um sie weiter zu nutzen, müsst Ihr sie auf CD brennen und die CD in iTunes importieren. Kein idealer Weg, aber funktioniert.

Anhören von Musik auf mehreren Geräten gleichzeitig
Mit einem Spotify-Account kann die Musik immer nur auf einem Gerät gleichzeitig hören. Hört sich für eine Einzelperson nicht problematisch an. Aber wenn die Frau im Bus zur Arbeit fährt und anfängt zu hören, geht bei ihrem Mann daheim die Musik aus. Die Lösung ist, dass man in der App unter Einstellungen > Wiedergabe den Offline-Modus wählt. Damit könnt Ihr zwar nur noch die Musik hören, die auf dem jeweiligen Gerät ist, aber die anderen Geräte können ebenfalls Musik abspielen.

Airport Express unter Windows nutzen
Auf iPhone und iPad kann Spotify problemlos Daten per Airport Express an die Musikanlage übertragen. Unter Windows müsst Ihr dazu Airfoil installieren. Funktioniert auch problemlos - kostet aber 25$. Ausprobieren kann man kostenlos.

Facebook- und anderen Quatsch ausstellen
Man kann es ja gut finden, per Facebook zu erfahren, was die Freunde so hören. Aber einige Funktionen sind bei Spotify echt übertrieben. Wenn Ihr die Original-Einstellungen beibehaltet, bekommt Ihr lauter Newsletter usw. Das solltet Ihr in der Windows-Software abstellen unter "Bearbeiten > Einstellungen"

Bei Account-Wechsel App löschen
Wenn Ihr die iPhone-App mit einem anderen Account verknüpfen wollt - weil ihr z.B. einen zweiten angelegt habt wie ich (s. unter Schritt eins, ganz unten im Einschub für Telekom-Kunden), solltet Ihr vor dem Wechsel die App löschen und neu installieren, da die Offline-Dateien aus dem alten Account Euch sonst den iPhone-Speicher verstopfen.

Kündigung nur per E-Mail
Wenn Ihr doch in die Verlegenheit kommt, kündigen zu müssen, geht das nur per E-Mail. Laut einigen Webseiten soll diese folgendermaßen aus sehen:
- Empfänger: support@spotify.com
- Benutzername
- Geburtstag
- Anschrift (keine Ahnung, ob nötig)
- eigene Emailadresse
- Kurz den Grund der Anfrage ala “Bitte löschen sie meinen Account…”
Ob diese auf Englisch oder Deutsch formuliert sein muss, weiß ich nicht.

Nutzung von Such-Syntax
Wenn Ihr in Spotify nach Alben oder Interpreten suchen wollt, könnt Ihr das über die Such-Syntax machen. Wenn Ihr vor dem Suchbegriff "artist:" eingebt, bekommt Ihr nur Künstler angezeigt. Gleiches geht mit "album:" (Album), "track:" (Titel), "year:"(Jahr) und einige anderen. Ihr könnt die Begriffe auch kombinieren. Das ist Hilfreich, wenn Ihr nach Bands wie "The the" sucht, die ansonsten schwer zu finden sind. Auch funktioniert es mehrere Wörter umfassende Namen in Anführungszeichen zu setzen. Zwischen "artist:"/"track:"/etc. und Suchbegriff solltet Ihr keine Leerzeile lassen. Ihr solltet "artist:u2" oder "artist:"the the"" schreiben.

iPods
Es gibt wohl auch die Option, die iPods statt mit iTunes mit Spotify zu nutzen. Wie das geht erfahrt Ihr hier, getestet hab ich es noch nicht.

Der Wechsel zurück
Falls Ihr wie ich Euch die Option freihalten, von Spotify auf iTunes zurück zu wechseln, solltet Ihr alle Songs, die Ihr auf Spotify hinzufügt in einer eigenen Playlist speichern. So wisst Ihr beim Rückwechsel, welche Songs Ihr ggf. in iTunes nachkaufen müsst.

Update: Ich hab nach ca. einer Woche wieder zurückgewechselt. Spotify funktioniert prima, aber dass man keine Liste der Interpreten durchscrollen kann, hat mir den Nerv geraubt - passt wohl nicht zu meinen Hörgewohnheiten. Wenn man die Telekom-Musikflat nach der Probezeit kündigen will, geht das übrigens nicht per Webmaske, sondern nur per Support. Zu empfehlen ist der Twitter-Support-Kanal @telekom_hilft - hier hat man dem Gefühl nach einen wesentlich intensiveren Support als per Telefon-Hotline.

Mittwoch, 21. November 2012

Blogger Relations aus der Hölle

Ohne Worte:

Lieber Christian,

wenn es um stilvolle und festliche Abende geht, ist Champagner die erste Wahl. Doch erst mit der außergewöhnlichen Drink-Kreation [Drink] wird die französische Aperitifkultur auch in der Winter-Saison zum Trend. Als edles Unterstatement für besondere Anlässe, verzaubert er "très cool" die kalte Jahreszeit.

Weitere Presseinformationen und hochauflösendes Bildmaterial liegen hier zum Download bereit:

[Link]


Für Rückfragen stehe ich jederzeit gern zur Verfügung.

Liebe Grüße,

[Name]



Position:Blogger Relations aus der Hölle

Montag, 19. November 2012

Brauchen wir öffentlich-rechtliche Modeblogs?

Mehr als ein Jahr hab ich hier nichts gebloggt, aber heute hat es mich gepackt. Warum? Bei Anna Frost hab ich - über Facebook gefunden - einen spannenden Beitrag gelesen. Um Modeblogger ging es da. Darum, dass diese die dort rezensierten Klamotten von Firmen kostenlos zugeschickt bekommen. Darum, dass Anna darin grundsätzlich kein Problem sieht - weil es bei klassischen Medien ja auch so üblich sei und in anderen Ländern auch längst bei Bloggern. Und weil sie dennoch nur das vorstelle, was ihr gefällt. Die Beeinflussung halte sich also in Grenzen, zumal die betroffenen Beiträge ja gekennzeichnet würden.

Und Anna hat recht - zumindest auf der einen Seite. Nichts ist dagegen einzuwenden, dass Blogger von Unternehmen Testprodukte bekommen. Und ich sehe auch kein unmoralisches Verhalten darin, diese Produkte zu besprechen. Aber auf der anderen? Wir erleben gerade mal wieder eine Welle von klassischen Medien, die in Schwierigkeiten geraten. Frankfurter Rundschau, dapd, Financial Times Deutschland, aber auch "Lifestyle-Medien" wie der Brigitte geht es nicht gut.

Nicht, dass die meisten Modeblogs die gleiche Zielgruppe hätten wie Brigitte - und es sind ja auch nicht nur Blogs, sondern zum Beispiel auch Dienste wie Pinterest, die den klassischen Medien das Leben schwer machen - mal ganz zu schweigen von den Rückgängen bei Anzeigenschaltung.

Aber wie wir uns drehen und wenden: Es hat einen Grund, dass die Pressefreiheit in unserer Verfassung verankert ist. Die Presse hat eine wichtige Funktion. Aus ihr sollen sich Bürger unabhängig informieren. Sie ist entscheidend für die Meinungsbildung - und sie bestimmt, wenn schon nicht unbedingt unsere Meinung, dann doch mindestens, welche Themen überhaupt diskutiert werden. Blogger können diese Funktion viel schwieriger wahrnehmen als klassische Medien. Sie sind - zumindest, wenn sie vom Blog leben wollen - von Zuwendungen der Industrie abhängig. Und das unmittelbar. Keine Trennung von Anzeigenabteilung und Redaktion, kein Chefredakteur, der ein Auge darauf hat, dass die Posts das erträgliche Maß an Produktwerbung nicht überschreiten.

Keine Frage, Blogs sind eine tolle Bereicherung für unsere Mediengesellschaft. Aber mir wird schon ein bisschen mulmig, wenn ich mir vorstelle, dass die klassischen Medien immer mehr an Bedeutung verlieren. In einer Gesellschaft, die sich von typischen Moralinstitutionen wie der Kirche löst, frag ich mich, ob ohne klassische Medien unsere Werte nicht noch stärker vom Konsum beeinflusst werden. Wäre es nicht wichtig, dass die Modeblog-Zielgruppe auch mal damit konfrontiert wird, unter welchen Bedigungen Textilien gefertigt werden? Und dass sie bei Gelegenheit erfahren, dass Mode zwar wundervoll ist - aber alles in allem auch sehr unwichtig? Klar, auch diese Diskussionen haben im Web ihren Platz - aber vielleicht nicht dort, wo sie auch bei denjenigen ankommen, die es vielleicht mal lesen wollen.

Ich bin von Grund auf ein liberaler Mensch. Jeder soll schreiben, was er will. Jeder soll lesen, was er will. Wenn ein Blogger sich kaufen lässt - so what? Ich vertraue auf die Leser, dass sie das Dauerwerbeblog links liegen lassen. Jedoch hab ich in den letzten Jahren gelernt, dass sich nicht alles Gute und Wichtige marktwirtschaftlich rechnet. Und ich habe - ja, ich werde alt - auch verstanden, wieso man Kultureinrichtungen aller Art fördern muss - und Journalismus ist Kultur.

Darum mal die Frage in die Runde: Wäre es vielleicht gut, wenn es öffentlich-rechtliche Modeblogs gäbe? Wenn öffentlich-rechtliche Radiosender wie Einslive und Radio Fritz oder Sender wie ZDF Neo ihr Kompetenz in der Zielgruppe nutzen würden, um unabhängige Blogberichterstattung zu machen? Im ersten Moment antworte ich darauf immer Nein. Aber im zweiten komm ich ins Grübeln.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Meine Meinung zu @db_bahn

Ich hab mich mal fix an eine nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebene Analyse des Twitter-Engagements der Deutschen Bahn (@db_bahn) gemacht. Ich hoffe, es sind nicht allzu viele Klöpse drin.

Meine Berechnung:

Direkte Kontakte:
(365 Tage - 104 Tage (Wochenenden)) x 300 Tweets pro Tag (s. Videointerview)
= 78.300 Kontakte

Zuschauer:
78.300 x 20 (wenn man davon ausgeht, dass Bahn und Anfrager jeweils 20 gemeinsame Kontakte haben - nur bekommen den Dialog ja angezeigt). Ist das realistisch?
=1.566.000 Kontakte

Zwischenfazit:
Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass das Budget für sowas pro Jahr siebenstellig ist (inkl. Mitarbeiter, Agenturen, Schulungen, technische Infrastruktur etc - oder lieg ich falsch?), wären das ziemlich hohe Kosten für ziemlich wenig Kontakte - laut Video gehts ja um Pendler, die sowieso nicht umsteigen können.

Viel wichtiger für die Erfolgsmessung des Channels ist m.E. die Nutzung in anderen Kanälen.

SEO:
Keine Ahnung, bringt der Kanal in diesem Zusammenhang etwas?

Medienecho (allein durch Ankündigung und Vorhandensein des Kanals):
- dpa
- sueddeutsche.de
- Spiegel Online
- diverse Blogs
Habt Ihr auch Print-Clippings gesehen?
Mein Tipp: > Einige Millionen Kontakte, sobald es in ein paar Mal in großen Printmedien auftaucht - wovon auszugehen ist, weil es ein Social Media Vorzeigebeispiel ist.

Als Instrument des aktiven Issue Management:
Wenn man's richtig macht, viel mehr als einige Millionen Kontakte - und vor allem die richtigen: Stakeholder, Mitarbeiter, Meinungsführer, Journalisten etc. So ungerecht es ist: Die Bahn hätte auch 500 Servicekräfte im Real Life einstellen können - es hätte keinen Journalisten/Stakeholder interessiert und die Kritik wäre die Gleiche (löst erstmal Eure "echten" Probleme). Mit dem Twitterkanal hat die Bahn nun ein prima Thema, woimmer sie sich als Service-Company präsentieren und den eigenen Wandel thematisieren will.

Meine Meinung
Unter der Voraussetzung, dass der Kanal professionell bedient wird, ist @db_bahn ein tolles Kommunikationstool, das twitteraffine Bahnfahrer und die Bahn selbst ein gutes Stück voranbringt.






Donnerstag, 30. Dezember 2010

Meine Social-Media-Prognose für 2011

So, ich dachte, bevor das Jahr zuende geht, werde auch ich noch schnell meine Social Media Trends für 2011 los:

1. Social Media von Unternehmen bleibt unsozial
Ich denke, dass wir 2011 erleben werden, wie mit Social Media ganz andere Dinge gemacht werden, als wir Social Media Profis sie uns gewünscht hätten. Es werden nicht reihenweise Unternehmen damit beginnen, offenen Dalog mit uns zu führen, um am Ende ihre ganze Unternehmenskutur zu verändern. Vielmehr wird das Geplauder im Social Web auch weiterhin ein User2User-Geplauder sein. In dieses werden Unternehmen ihre Marketingmaßnahmen integrieren. Die Öffnung, wie Social Media Experten sie seit langem predigen, wird weiterhin meistens eine Positionierungsnische für "Kleine" (s. Walther) oder ein symbolischer Akt (s. Telekom hilft) bleiben. Geöffnet wird sich erst, wenn die Digital Natives wichtigere Funktionen in Unternehmen übernehmen - fließend im Laufe einger Jahre, aber auch dann viel weniger radikal als wir uns das denken. Denn wir extrem Social-Media-Affine sind und bleiben extrem in der Minderheit.

2. Facebook Ads verlassen Facebook
Ich hoffe, sowas gibt's noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass es kommen wird. Facebook Ads ähnlich den Google Anzeigen auf allem möglichen Webseiten. Es macht Sinn, Werbung nicht nach dem Inhalt einer Siete, sondern nach den Interessen des jeweiligen Users zu targeten. Und mit den Likebuttons und Fan-Widgets ist Facebook ja eh schon überall.

3. Die Themenviefalt der Social Media Szene wächst
Mehr eine Hoffnung als eine Prognose: Ich möchte 2011 mehr verschiedene Themen in meiner Timeline lesen. Beiträge wie diesen hier gibt's andauernd. Nur mit mehr Themenvielfalt (Kultur, internationale Politik, Sport etc) aber wird Twitter wirklich das, als das wir ihn beschreiben - ein persönlicher Newsfeed.

Sonntag, 28. November 2010

PRrisiert Social Media unsere Gesellschaft?

Meine Jugend ist fototechnisch ein schwarzes Loch. Zwischen meinem 15. Lebensjahr und dem 25. war ich so ca. jedes Wochenende auf Partys oder mit Freunden unterwegs. Doch Fotos gibt es davon kaum - ich zumindest habe kein einziges. Niemand schleppte die teuren Kameras mit den teuren Filmen mit sich rum, um Kumpels beim Bier trinken aufzunehmen.

Jugenden, die gerade jetzt ablaufen, verlaufen fototechnisch ganz anders. Grund: Die Digitalkamera und Social Networks. Die kleinen Knipsmaschinen sind der ständige Begleiter. Alles, wirklich alles wird dokumentiert und veröffentlicht. Unmengen von Bildern aus dem Privatleben finden sich auf Facebook & Co. Und während die angeblichen Folgen für die Jobbewerbungen ausgiebig thematisiert wurden, bleibt ein Thema meines Erachtens bisher unbesprochen: Die direkten Auswirkungen auf das Verhalten der Fotografierten.

Zweifelsohne, ich habe nicht den geringsten Beweis. Mehr noch, ich habe mir nicht mal die Mühe gemacht, auch nur eine Sekunde zu recherchieren. Aber dies hier ist ein Blog, Social Media ist angeblich ein Partygespräch und so muss es mir erlaubt sein, einfach zusammengedachte Gedanken in den Raum zu werfen und mal zu schauen, wie Ihr so reagiert.

Ich habe das Gefühl, dass die Digitalkamera in Verbindung mit Social Media den kompletten Blick auf unser tägliches Leben verändern. Auf einmal ist die Belohnung für ein Segelwochenende nicht mehr nur das Segeln selbst, sondern auch die Anerkennung der Freunde für die entsprechenden Fotos - dass sie "gefällt mir" klicken oder kommentieren. Natürlich: Auch früher gab es solche Belohnungen. Beim "Wie war Dein Wochenende?"-Gespräch, Montags in der Arbeit. Aber heute findet dieses Gespräch 24/7 statt. Auf Facebook.

Zudem führt das ständige Fotografieren zur ständigen Abwägung darüber, ob das, was ich gerade sehe, zum Facebook Content taugt. Ich werde damit Redakteur einer Zeitschrift über mein eigenes Leben. Und betreibe damit - ob ich will oder nicht - ständig PR in eigener Sache.

Gut zu sehen ist dies neben den Fotos auch bei Statusmeldungen. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass man es hier mit willkürlichen Schnipseln aus dem Alltag von Freunden zu tun hat. Es geht hier um bewusst gewählte Veröffentlichungen, Pressemitteilungen in kurzform.

Die grundlegende Frage, die sich daraus ergibt, ist: Welche Auswirkung hat auf dieser Basis Social Media für unsere Gesellschaft.

Meine Meinung:

1. Wir nähern uns einer umfassenden PRrisierung unserer Gesellschaft. Das Tun rückt in den Hintergrund, das Darübersprechen in den Vordergrund. Wir machen immer mehr Dinge nur, um anschließend darüber sprechen zu können.

2. Entgegen der weitläufigen These sorgt Social Media so für immer weniger Authentizität. Wenn man diese als den Punkt definiert, an dem Denken, Fühlen und Handeln zum gleichen Ergebnis kommen, dann fällt zumindest das Fühlen hinten runter. Denn den Content für mein Facebook basiert nicht auf dem was, was ich fühle, sondern auf dem, was meine Leser lesen wollen bzw. sollen.

3. Zweifelsohne nähern sich die Art, wie Menschen und Unternehmen kommunizieren, einander an - aber vielleicht anders, als man landläufig denkt. Nicht Unternehmen werden kommunikativ menschlicher, sondern Menschen unternehmerischer. Menschen betreiben professionelle Kommunikation. Werbliche- und PR-Kommunikation werden nicht zum Auslaufmodell, sondern zur vorherschenden Art zu kommunizieren.

Zugegeben, diese Schlussfolgerungen sind weitgehend und vielleicht auf verschwurbelt und übertrieben. Aber ich trage diese Gedanken seit einiger Zeit mit mir rum und bin gespannt, was Ihr dazu sagt. Also?

Dienstag, 19. Oktober 2010

Chefticket: Den Beratern geht das Herz auf

Na endlich. Ich hatte Euch schon vermisst. Euch, die Ihr immer wisst, wie man es besser macht. Social Media Berater, die Ihr Euer Geld auf Podien verdient. Die Ihr aus purem wirtschaftlichen Eigeninteresse Shitstorms vorantreibt. Aber auf der anderen Seite das Gewissen des Social Web gebt. Und so tut als hätte von Euch provozierter Protest etwas mit Basisdemokratie oder dem mündigen Konsumenten zu tun. Endlich seid Ihr wieder da. Denn ich wollte Euch etwas sagen.

Ich finde die Aktion Chefticket der Deutschen Bahn klasse. Also nicht als Vertriebsaktion. Um das zu beurteilen zu können, muss man wohl bis zum Ende warten. Doch aus Kommunikationssicht. Ich meine, jetzt mal ehrlich: Wenn ein Unternehmen wie Bionade solche Kritiken auf der Facebook-Seite bekommen würde, wäre das ein echtes Problem. Denn bei Bionade denken alle, dass sie total positiv gesehen wird.

Aber bei der Bahn? Da weiß doch jeder, dass das Image so mies ist, wie es mieser gar nicht gehen kann. Was also hat die Bahn zu verlieren? Nichts. Und was hat sie zu gewinnen: Vieles. Wenn sie es jetzt richtig macht. Wenn sie - wie sie es tut - mit stoischer Ruhe erträgt, was die Nörgler über ihr ausschütten. Und nicht über jedes Stöckchen springt, das ihr hingehalten wird. Indem sie die vielen Kommentare für sich sprechen lässt. Auf dass der Leser am Ende denkt: "Also so schlimm, wie dort geschrieben wird, ist es nicht!". Oder dass sich - wenn dann die Tickets verkauft werden - die Stimmung dreht. Weil viele Kunden erfreut posten, dass sie eines der Tickets bekommen haben.

Ich glaube, dass sich viele von Euch Beratern zu früh freuen. Aber das ist ja für Euch kein Problem: Wenn die Bahn am Ende gut dasteht, dann werdet Ihr in Eure Präsentationen schreiben, dass das die Power des Social Web war, die das möglich gemacht hat. Und immer noch glauben, dass Ihr das alles viel besser könntet als diejenigen, die wirklich von großen Unternehmen beauftragt werden.

Träumt weiter!

Montag, 6. September 2010

Können Unternehmen aus Social Media aussteigen?

[Dieser Post liegt schon etwas auf Halde, daher sind die Links alt - aber nicht weniger spannend]

In der vergangenen Woche wurde wieder viel über Social Media Berater diskutiert. Die einen schreiben Listen von "typischen Fehlern beim Einstieg in Social Media" - was einer gewissen Komik nicht entbehrt, wenn man selbst 254 Tweets geschrieben hat und sich darunter nur eine einzige @-reply findet - und die anderen schreiben auf, warum man z. B. genau diese Listenschreiber feuern sollte.

Doch so viele Inhalte in diesen Beiträgen auch diskutiert werden: Eine Aussage steht meinem Gefühl nach mehr oder weniger als Common Sense im Raum: Wenn man einmal mit Social Media anfange, dürfe man nicht wieder aussteigen. Weil man die Community verprelle und augenblicklich einen Shitstorm ernte. So zumindest bekomme ich das vielfach von Besuchern von Social-Media-Seminaren gesagt.

Meine Frage: Warum eigentlich? Warum sollte ich als Unternehmen nicht sagen: "Ich hab hier 6 Monate getwittert, aber dabei meine relevanten Zielgruppen nicht erreichen können. Tschüss!" oder "Mein Youtube Channel kostet mich XY Manntage pro Woche, die kann ich besser anders investieren!". Und auch: "Ja, ich habe Blogger zu Journalistenevents eingeladen, es hat mir aber keinen Mehrwert gebracht." Warum soll das nicht funktionieren wie bei jedem anderen Kommunikationsbestandteil auch? Ich meine: Klar, es könnte Menschen geben, die das nicht gut finden. Aber das wäre beim Aufhören mit der Pressearbeit genauso. Und auch das Einstellen der Mediawerbung bleibt nicht ohne Konsequenzen - sofern die Werbung vorab nicht wirkungslos war. Letztendlich muss sich jedoch jede Kommunikation an ihrem Beitrag zur Wertschöpfung messen lassen (dass ich diese Lange'sche Formulierung mal in meinen aktiven Wortschatz aufnehme, hätte ich auch nicht gedacht). Oder? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen! Kennt Ihr Beispiele für Aussteiger-Unternehmen und Reaktionen darauf?

Mittwoch, 25. August 2010

Wie das Handelsblatt sich lächerlich macht

Ich bin ziemlich schockiert, über einen Artikel, den ich gerade im Handelsblatt gelesen habe. Dass ein Wirtschaftsmedium sich durch solche Unkenntnis auszeichnet, ist fast ein Skandal.

In dem Artikel "Wie Wikipedia Markttheorien widerlegt", behauptet der nicht namentlich genannte Autor (könnte auch eine Autorin sein):

Wikipedia sei "Eine Erfolgsgeschichte, die Volkswirte in Erklärungsnöte" bringe. "Ihre traditionellen Theorien legen nahe, dass es den Aufstieg des Internetlexikons gar nicht hätte geben dürfen. Warum sollten sich rationale Individuen die Mühe machen, unentgeltlich Lexikonartikel für ein anonymes Publikum zu schreiben? Jeder Internetnutzer kann das Onlinelexikon nutzen, ohne dass er selbst Beiträge beisteuert."

Er kommt zum Fazit: "Die Studie zeigt damit erneut: Volkswirte machen einen Fehler, wenn sie den Menschen zum reinen Egoisten erklären – dann können sie viele Phänomene des wahren Lebens nicht richtig erklären. "

Dabei lieferte er einige Zeilen zuvor - zitiert aus der Studie, die seiner Meinung die VWL-Theorie widerlegt habe - die Begründung für das Mitmachen bei der Online-Enzyklopädie: "Die Mitarbeit bei Wikipedia verschaffe den einzelnen Autoren Befriedigung – die Forscher sprechen dabei von "sozialem Nutzen"."

Soweit so gut. Nur hätte der Redakteur nur einmal bei Wikipedia schauen müssen, um zu erkennen, dass der Artikel Schmarrn ist. Der "Homo Oeconomicus", auf den wohl abgehoben werden soll, ist nämlich erstens ein wissenschaftliches Modell - diese verkürzen immer - und zweitens ist er kein Geld-Optimierer, sondern ein Nutzen-Orientierer. Und wie das Wort schon sagt, ist auch "Sozialer Nutzen" Nutzen.

Mei o mei.

Freitag, 13. August 2010

Wir sitzen auf einem ganz schön hohen Ross

Es ist erstaunlich, wie sie gerade abläuft, diese Diskussion über Google Streetview. Mal abgesehen davon, dass es natürlich viel wichtigeres gibt als dass ein Unternehmen sein Produkt auf den Markt bringen kann.

Was ich krasser finde: Wir, die Social Media "Experten", sitzen auf einem ganz schön hohen Ross. Und lachen oder fluchen über jeden, der ein schlechtes Gefühl bei einem Produkt hat, das selbst bei uns keineswegs unumstritten ist. Und dessen Nicht-Markteinführung kein Weltuntergang wäre, auch wenn wir natürlich Google alle furchtbar lieb haben.

Ich hatte einen Linguistik-Professor, der sich über die Anglizismen-Debatte aufgeregt hat. Meines Erachtens zu recht. Denn Sprachen mischen sich seit jeher. Das Deutsche ist eigentlich noch recht eigenständig. Und es ist nicht einzusehen, wieso wir über das "Date" meckern, aber das "Rendez-vous" für Ok halten. Trotzdem läuft die öffentliche Debatte anders.

Wenn man sich die Debatten rund um erneuerbare Energien anschaut, dann gibt es auch dazu eine Menge Meinungen, aber kaum jemand versteht die technischen Details von Atomkraftwerken und Solaranlagen. Trotzdem äußern wir uns.

Bei nahezu jedem Thema werden sich Fachöffentlichkeiten finden, die darüber meckern, dass Medien, Politiker und Bürger schlecht informiert sind. Sie vernachlässigen dabei, dass man auch gut informiert zu unterschiedlichen Meinungen kommen kann. Oder dass z. B. zur Vorbeugung der Finanzkrise uninformierter "gesunder Menschenverstand" nicht hätte zu schlechteren Ergebnissen führen können.

Die grundsätzliche Problemstellung ist, dass Menschen technischen und kulturellen Entwicklungen unterschiedlich offen gegenüberstehen. Und dass das dazu gehört, zu unserem System. Weil die Demokratie eben die Herrschaft des Volkes, und nicht der Experten ist. Und wir auf diesem Gebiet ganz schön schlecht informiert zu sein scheinen, für dass wir auf anderen große Töne spucken.

[Dieser Text ist recht schnell runtergeschrieben - bitte Ungenauigkeiten entschuldigen!]