Von iTunes zu Spotify wechseln - mit iPhone, iPad, iPod, Airport Express und Windows-PC
Seit längerem überlege ich schon, mit meiner Musiksammlung von iTunes auf Spotify umzusteigen. Der Grund liegt nahe: Ich kaufe sehr viel Musik, aber nie CDs, sondern bislang als mp3 über iTunes und Amazon. Also ist ein Abo-Dienst à la Spotify für mich quasi wie geschaffen - ich zahle eine monatliche Gebühr, dafür entfallen die Kosten für jeden einzelnen Song.
Dennoch gab es einige Gründe und Fragen, die mich bislang nicht wechseln ließen: Zum Beispiel das ungute Gefühl dabei, dass alle Musik weg ist, wenn ich das Abo kündige. Und die Frage, ob die ganze Apple Hardware (z.B. iPods, Airport Express) dann noch funktioniert. Und die weitere Frage, ob ich weiterhin Musik nutzen kann, die nicht im Spotify Katalog vorhanden ist - zum Beispiel Songs der Toten Hosen oder von AC/DC, um einige bekannte Songs zu nennen. Um es vorweg zu nehmen: Ja, die Musik ist weg, wenn ich das Abo kündige. Aber: Ja, ich kann die Apple Hardware nutzen und die Musik aus meiner "alten" Sammlung funktioniert ebenfalls noch.
Jedenfalls hat nun die Telekom ein Angebot zusätzlich zum iPhone-Vertrag im Sortiment, das mich zum Wechsel bewegt hat - eine Musikflat, mit der man zum Preis der Spotify-Premium Mitgliedschaft auch gleich den Datentraffic dazu bekommt. Sprich: Wenn Ihr unterwegs einen Song runterladet, wird der Traffic nicht auf das sonstige Datenvolumen eures Vetrages angerechnet. Diese Option kann man einen Monat kostenlos testen. Und so wollte ich dies tun - mit der Option, am Ende wieder zu iTunes zurückzukehren.
Bei der Umstellung musste ich so einiges recherchieren. Für den Fall, dass es andere Leute gibt, die es auch testen wollen, schreibe ich diese hier zusammen.
Kein Durchstöbern nach Alben und Interpreten
Der wohl größte Nachteil von Spotify gleich zum Start: Das Fehlen der Interpreten- und Alben-Ansicht. Klar kann man auch bei Spotify nach einzelnen Alben und Titeln suchen, aber das Scrollen durch die Liste der Interpreteten und/oder Alben ist nicht möglich. Spotify stellt die Wiedergabelisten bzw. Playlists in den Vordergrund. Dies wird wohl die gößte Umstellung für mich - und die einzige (um das vorweg zu nehmen), die mich bislang am Konzept zweifeln lässt.
Nun aber dazu, wie man die Umstellung von iTunes auf Spotify vornehmen kann. Ich nutze folgende relevante Hard- und Software:
- Windows 7 PC
- iTunes
- iPhone
- iPad
- iPods
- Airport Express
Um den Wechsel durchzuführen, solltet Ihr über eine einzige WLAN-Verbindung mit PC und Mobilgeräten ins Netz gehen. Den Grund findet Ihr unter Schritt 4.
Schritt 1: Telekom-Tarif buchen und Spotify-Account anlegen
Um zu starten, müsst Ihr zunächst einen Account anlegen. Wollt Ihr den Telekom-Tarif nutzen, solltet ihr den Account am besten direkt aus Eurem Telekom-Kundencenter anlegen - also erst Tarif buchen (im "Kundencenter Mobilfunk" unter "Ihr Vertrag" > Tarifoptionen > Music Streaming), dann Spotify-Mitglied werden und Software runterladen.
Wenn Ihr keinen Telekom-Tarif habt oder die Option nicht wollt, könnt Ihr Euch einfach auf Spotify.com anmelden. Es gibt dabei Spotify verschiedene Abo-Varianten (von "Free" bis "Premium"). Wenn Ihr die mobilen Apps nutzen wollt, braucht Ihr auf jeden Fall "Premium". Auch ohne Telekom, bekommt Ihr zum Start ein paar Tage Premium kostenlos. Nach dem Anmelden, haben sie zumindest mir auch direkt 30 weitere Tage geschenkt. Eine Übersicht über die Features der verschiedenen Spotify-Versionen findet Ihr hier.
Einschub für Telekom-Kunden: Ihr könnt den Account auch auf Spotify.com anlegen und dann verknüpfen. Um Die Telekom-Option zu nutzen, dürft Ihr aber dann vorher KEIN Spotify-Premium gebucht (oder über einen Gutschein bekommen) haben. Der Telekom-Tarif wird nur wirksam, wenn er auf eine "free"-Mitgliedschaft draufgeschaltet wird - ihr müsst dann also warten, bis Euer "altes" Premium abgelaufen ist oder wie ich einen weiteren Account anlegen.
Schritt 2: Playlist auf iPhone anlegen und mit PC synchronisieren
Das primäre Musik-Hör-Gerät ist für mich das iPhone. Eigentlich kam ein Wechsel für mich nur dann in Frage, wenn die Musik, die auf dem iPhone ist, dort ohne größeren Aufwand weiterhin zur Verfügung steht - und zwar in einer einzigen App. Um das zu machen, müsst Ihr in der Musik-App Eures iPhones unter "Listen" eine neue Liste anlegen, beim Lieder hinzufügen auf "Titel" gehen und "Alle Titel hinzufügen" klicken. Damit sind alle Songs vom iPhone in einer Liste - der Name der Liste ist wurscht. Sobald Ihr Euer iPhone an den PC anschließt, oder über iTunes Match synchronisiert, ist sie dann auch im PC-iTunes zu sehen.
Schritt 3: Musik auf iPhone löschen
Um auf dem iPhone genügend Platz für die Musik, von Spotify zu haben, müsst Ihr die alte Sammlung löschen. Vorher solltet Ihr vielleicht ein Backup des iPhones durchführen, damit das ganze Zeug noch auf Euerm PC zur Verfügung steht. Die Musik löschen tut Ihr nicht in der Musik-App, sondern unter Einstellungen > Allgemein > Benutzung > Speicher > Musik. Dort könnt Ihr nun die Musik komplett löschen.
Schritt 4: Playlisten synchronisieren
Wahrscheinlich hat Spotify bereits beim ersten Start Eure iTunes Playlisten importiert - dort fehlt aber, wenn Ihr meiner Anleitung folgt, die Liste mit den ganzen iPhone-Songs. Die gab es da ja noch nicht. Also geht Ihr mit der rechten Maustaste auf den Playlisten-Ordner iTunes > Ordner und Playlists löschen - nicht auf "Löschen", dann ist nur der Ordner weg, nicht aber die Playlisten. Danach geht Ihr auf Datei > Playlists importieren > iTunes. Nun sollte im Playlisten-Ordner "iTunes" auch die Liste mit Euern ganzen Songs erscheinen.
Schritt 5: Apps installieren und "Offline verfügbar"
Nun installiert Ihr die App, z.B. auf dem iPhone. Um die Playlist nun auch ohne Online Verbindung hören zu können, geht Ihr in die Liste und klickt oben auf "Offline verfügbar" (auf dem iPad heißt die Funktion "Playlist herunterladen"). Befindet Ihr Euch im selben WLAN wie der Computer mit Eurer Musiksammlung, werden nun auch die Dateien synchronisiert, die es nicht bei Spotify in der Datenbank, aber auf Eurem Computer gibt. Das Synchronisieren funktioniert nur, wenn Ihr auf dem iPhone die App gestartet habt und der Sperrbildschirm nicht eingeschaltet ist (ihr deaktiviert ihn unter Eigenschaften > Allgemein > Automatische Sperre und dann "Nie").
Damit seid Ihr fertig - allerdings haben sich bei der Umstellung einige Tricks ergeben, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:
DRM-geschützen Songs hören
Lieder, die Ihr bei iTunes vor längerer Zeit gekauft habt und die noch DRM haben, lassen sich nicht importieren - wie bei der Soko-EP "Not so secute". Um sie weiter zu nutzen, müsst Ihr sie auf CD brennen und die CD in iTunes importieren. Kein idealer Weg, aber funktioniert.
Anhören von Musik auf mehreren Geräten gleichzeitig
Mit einem Spotify-Account kann die Musik immer nur auf einem Gerät gleichzeitig hören. Hört sich für eine Einzelperson nicht problematisch an. Aber wenn die Frau im Bus zur Arbeit fährt und anfängt zu hören, geht bei ihrem Mann daheim die Musik aus. Die Lösung ist, dass man in der App unter Einstellungen > Wiedergabe den Offline-Modus wählt. Damit könnt Ihr zwar nur noch die Musik hören, die auf dem jeweiligen Gerät ist, aber die anderen Geräte können ebenfalls Musik abspielen.
Airport Express unter Windows nutzen
Auf iPhone und iPad kann Spotify problemlos Daten per Airport Express an die Musikanlage übertragen. Unter Windows müsst Ihr dazu Airfoil installieren. Funktioniert auch problemlos - kostet aber 25$. Ausprobieren kann man kostenlos.
Facebook- und anderen Quatsch ausstellen
Man kann es ja gut finden, per Facebook zu erfahren, was die Freunde so hören. Aber einige Funktionen sind bei Spotify echt übertrieben. Wenn Ihr die Original-Einstellungen beibehaltet, bekommt Ihr lauter Newsletter usw. Das solltet Ihr in der Windows-Software abstellen unter "Bearbeiten > Einstellungen"
Bei Account-Wechsel App löschen
Wenn Ihr die iPhone-App mit einem anderen Account verknüpfen wollt - weil ihr z.B. einen zweiten angelegt habt wie ich (s. unter Schritt eins, ganz unten im Einschub für Telekom-Kunden), solltet Ihr vor dem Wechsel die App löschen und neu installieren, da die Offline-Dateien aus dem alten Account Euch sonst den iPhone-Speicher verstopfen.
Kündigung nur per E-Mail
Wenn Ihr doch in die Verlegenheit kommt, kündigen zu müssen, geht das nur per E-Mail. Laut einigen Webseiten soll diese folgendermaßen aus sehen:
- Empfänger: support@spotify.com
- Benutzername
- Geburtstag
- Anschrift (keine Ahnung, ob nötig)
- eigene Emailadresse
- Kurz den Grund der Anfrage ala “Bitte löschen sie meinen Account…”
Ob diese auf Englisch oder Deutsch formuliert sein muss, weiß ich nicht.
Nutzung von Such-Syntax
Wenn Ihr in Spotify nach Alben oder Interpreten suchen wollt, könnt Ihr das über die Such-Syntax machen. Wenn Ihr vor dem Suchbegriff "artist:" eingebt, bekommt Ihr nur Künstler angezeigt. Gleiches geht mit "album:" (Album), "track:" (Titel), "year:"(Jahr) und einige anderen. Ihr könnt die Begriffe auch kombinieren. Das ist Hilfreich, wenn Ihr nach Bands wie "The the" sucht, die ansonsten schwer zu finden sind. Auch funktioniert es mehrere Wörter umfassende Namen in Anführungszeichen zu setzen. Zwischen "artist:"/"track:"/etc. und Suchbegriff solltet Ihr keine Leerzeile lassen. Ihr solltet "artist:u2" oder "artist:"the the"" schreiben.
iPods
Es gibt wohl auch die Option, die iPods statt mit iTunes mit Spotify zu nutzen. Wie das geht erfahrt Ihr hier, getestet hab ich es noch nicht.
Der Wechsel zurück
Falls Ihr wie ich Euch die Option freihalten, von Spotify auf iTunes zurück zu wechseln, solltet Ihr alle Songs, die Ihr auf Spotify hinzufügt in einer eigenen Playlist speichern. So wisst Ihr beim Rückwechsel, welche Songs Ihr ggf. in iTunes nachkaufen müsst.
Update: Ich hab nach ca. einer Woche wieder zurückgewechselt. Spotify funktioniert prima, aber dass man keine Liste der Interpreten durchscrollen kann, hat mir den Nerv geraubt - passt wohl nicht zu meinen Hörgewohnheiten. Wenn man die Telekom-Musikflat nach der Probezeit kündigen will, geht das übrigens nicht per Webmaske, sondern nur per Support. Zu empfehlen ist der Twitter-Support-Kanal @telekom_hilft - hier hat man dem Gefühl nach einen wesentlich intensiveren Support als per Telefon-Hotline.
