Sonntag, 28. Februar 2010

Social Media: Fehler-Machen-Wollen und Fehler-Machen-Dürfen

Hatte ich schon erwähnt, dass ich gern Don Alphonso lese? Mein Google Reader zeigt mir, dass ich 100 % der Blogbar-Artikel gelesen habe in letzter Zeit. Das kommt so nur bei einigen wenigen anderen Blogs vor. Ich lese dort gern, weil der Don den Social Media “Profis” – also auch mir – den Spiegel vorhält und spannende Fragen aufwirft: In seinem aktuellen Beitrag zum Beispiel die, wieso die Szene denn nicht selbst die “schwarzen Schafe” beim Namen nennt. Er schiebt das darauf, dass sie zu eng beieinander hockt. Ich sehe das etwas differenzierter.

Keine gute Kommunikation mit Angst

So sehr ich die Impulse des Don schätze, so wichtig ist für meine tägliche Arbeit als PR Berater eine Erkenntnis: Mit Angst sind Social Media Relations unmöglich. Das liegt nicht nur daran, dass das Themenfeld Social Media noch recht neu ist. Es funktioniert einfach überhaupt kein Gespräch auf der Basis von Angst. Denn es stimmt, was im Cluetrain Manifesto steht: Gespräche werden mit menschlicher Stimmt geführt. Und mit dieser Stimme reagiert man manchmal über, man verschätzt sich, man erzählt Falsches. Das ist meines Erachtens in der Spontaneität begründet – ohne die funktioniert aber kein Gespräch. Gespräche, bei denen die eine Seite sich nur bemüht, nichts falsches zu sagen, bringen keine guten Ergebnisse. Das weiß jeder Journalist, der bei seiner Anfrage in einem Unternehmen direkt mit der Rechtsabteilung verbunden wurde. Nicht wesentlich sinnvoller wäre die Kommunikation in Social Media, wenn ich dort den Anspruch hätte, nichts falsch zu machen. Wenn ich diesen Anspruch aber nicht an mich habe, kann ich ihn auch nicht an andere anlegen.

The willingness to fail

Funktionierende Kommunikation in Social Media ist das Gegenteil von perfekt. Sie braucht das, was Clay Shirky über Open Source gesagt hat – the willingness to fail, das Fehler-machen-Wollen (super Wort). Es bedeutet, sich als Unternehmen auf mehreren Kanälen zu öffnen, am Ende aber festzustellen, dass nur einer dieser Kanäle erfolgreich ist – und daraus auch keinen Hehl zu machen. So funktioniert Social Media. Und es ist kein Problem, weil es sich in den meisten Fällen dennoch lohnt. Nehmen wir doch mal das klassische Beispiel – die Vodafone-Kampagne “Es ist meine Zeit”. Es war meines Erachtens ein taktischer Fehler, die live-gestreamte Pressekonferenz als interessant für die Social-Media-Gemeinde zu verkaufen. Pressekonferenzen sind Fachveranstaltungen und diejenigen zur Einführung neuer Werbekampagnen – um es freundlich zu sagen – für eine sehr überschaubare Gruppe von Journalisten interessant. Dementsprechend auch das Echo aus der Szene. Auf der anderen Seite aber hat Vodafone auf Facebook mehr Fans als ich sie je für einen Kunden zusammen bekommen hätte: Über 9.000. Was ziehe ich daraus für ein Fazit? Ich könnte sagen: Die Pressekonferenz war ein Fehler, Facebook läuft gut. Ich könnte aber auch sagen: Die Kampagne insgesamt hat 9.000 Fans auf Facebook zusammengeführt. Das wäre ohne groß angelegte Social Media Offensive nicht möglich gewesen. Eine solche Offensive aber ist nicht ohne Fehler machbar. Und selbst, wenn die Umsetzung der Pressekonferenz teuer gewesen ist – insgesamt ist eine Social Media Kampagne in 90 Prozent der Fälle die günstigere Variante, um Meinungsbildner und Fans zu finden und zu binden als alle Alternativen. Wie viele Events, Mailings, Anrufe hätte ich dazu gebraucht?

Das Internet übersieht das meiste

Anders als viele meinen, sind Fehler im Social Media Bereich übrigens auch kein Problem. Denn wer sagt “Das Internet vergisst nichts”, der verschweigt das viel wichtigere: Das Internet übersieht fast alles. Habt Ihr schonmmal außerhalb der Social Media Szene gefragt, wer Sascha Lobo oder die Jako-Geschichte kennt? Das sind ziemlich wenige Leute. Und selbst wenn man wie Vodafone nicht “übersehen” wird: Die Szene verzeiht sehr schnell. Sonst wäre Dell heute nicht Publikumsliebling, Vodafone auf dem besten Weg dahin und selbst die GEZ mit ihrem Forum nicht chancenlos, Vorzeigebeispiel zu werden. Anders gesagt: “Vom Saulus zum Paulus” funktioniert in Social Media mindestens so gut wie “David gegen Goliath”.

200 Fans auf Facebook sind gut

Nichtsdestotrotz haben Don Alphonso und die Kritiker eine berechtigte Meinung. Nur kann das nicht meine sein. Weil ich selbst schon Social Media Konzepte umgesetzt habe, bei denen der eine Kanal unerwartet gut und andere unerwartet schlecht liefen. Im Grunde war das bislang immer der Fall – ich verlinke nicht, weil ich nicht weiß, ob das meinem Ex-Arbeitgeber recht wäre. Und ich habe auch schon häufig Positionen vertreten wie die, dass 200 Fans einer Marke auf Facebook kein schlechtes Ergebnis sind. Es kommt schließlich auf den Aufwand an, den man dafür betrieben hat. Denn auch hier gilt: Bring mal auf andere Weise 200 Fans zusammen und führe Aktionen für sie durch. Das ist immer ein riesiger Kostenaufwand – das weiß jeder, der mal ein Event organisiert hat.

Wie auf dem Grünen-Parteitag

Die Diskussion, die in diesem Zusammenhang geführt werden, erinnern mich manchmal an die Diskussionen auf Grünen-Parteitagen in den rot-grünen Regierungsjahren. Die einen behalten ihren Idealismus und kritisieren das, was kritisierenswert ist. Andere hingegen wollen gestalten und merken, dass man in der Realität manchmal Meinungen revidieren muss. Und dass Machen häufig eben Durchwurschteln bedeutet – so wichtig grundsätzliche Überzeugungen auch sind. Genauso ist es bei Social Media. Wer es macht, macht zwangsläufig auch Fehler. Diese dürfen kritisiert werden, sind aber dennoch unumgänglich.

Auf andere zeigen ist schlechter Stil

Das alles sind Gründe, nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen. Ein zusätzlicher Grund ist bestimmt, dass die Szene nah zusammenhängt. Aber es gibt weitere: Vor ein paar Jahren bekam ich einen Anruf von einem Web 2.0-Protagonisten, als ich ihn harsch kritisiert habe. Und ich wurde gefragt, ob ich ihm sein Business zerstören wolle. Das gab mir zu denken. Denn völlig wurscht, ob jemand vielleicht anders berät als ich es machen würde: Nichts von alledem ist so wichtig, als dass ich jemandem deshalb seine Existenz zerstören wollen würde. Ich kenne in der Szene niemanden, der Unternehmen abzockt – und damit auch keine richtigen “schwarzen Schafe” –, sondern nur Leute, die ich für kompetenter oder weniger kompetent halte. Aber das ist eine subjektive Meinung. Letztendlich entscheiden über die Kompetenz eines Social Media Beraters muss der Auftraggeber. Nicht ich.

Übrigens: Positives denken erleichtert jede Kommunikation

Im übrigen halte ich es immer für bedenklich, über Konkurrenten herzuziehen. Weil das schlechter Stil ist. Weil ich nicht möchte, das andere das bei mir tun. Weil jede Medaille ihre zwei Seiten hat. Weil jede Kommunikation und jedes Gespräch einfacher wird, wenn man positiv denkt.

Samstag, 13. Februar 2010

Die Zukunft der Werbung ist die Kleinanzeige

Wenn ich über die Werbung der Zukunft nachdenke, lande ich manchmal bei etwas, das eigentlich viel zu wenig Glamour hat, um als “Zukunftsvision” durchgehen zu können. Bei der Kleinanzeige.

Denn man muss sich das mal vorstellen: Auf der einen Seite geben Unternehmen Unsummen an Werbeagenturen, damit diese mit riesigem Aufwand Ideen kreieren und in Szene setzen, die anschließend noch nicht einmal so viel Relevanz besitzen, dass sie sich jemand freiwillig anschaut. Sonst müsste man nach dem vielen Geld für die Kreation ja nicht noch viel Geld für die Schaltung investieren.

Auf der anderen Seite gibt es Zeitungen, die man im Prinzip ausschließlich wegen der Anzeigen gelesen werden – Anzeigenblätter.

Online gilt das Gleiche: Während Online-Werbebanner so platziert werden “müssen”, dass der Leser möglichst nicht an ihnen vorbeikommt und den Schließen-Button nicht findet, werden Seiten wie mobile.de, jobpilot, neu.de und eBay ausschließlich wegen der “Anzeigen” gelesen.

Wenn Unternehmenswerbung für den Leser relevant ist, dann – so zumindest meine subjektive Wahrnehmung – vor allem die, die von Werbern abschätzig als “Schweinebauch-Werbung” bezeichnet wird – also die Sonderangebote von Supermärkten, Discountern und Elektrohändlern.

Wieso ist das so?

Meiner Meinung nach: Weil bei Kleinanzeige & Co die Kommunikation selbst Relevanz besitzt. Bei Imagewerbung hingegen hat im besten Falle das beworbene Produkt Relevanz. Die Frage: Lässt sich das nicht ändern? Müssen wir nicht Werbung kreieren, die den Leser interessiert?

Ich bin kein Intellektueller und absoluter Pragmatiker. Auch wenn ich gerade Jarvis lese, ziemlich begeistert bin (wer hätte das gedacht, aber dazu mehr, wenn ich das Buch komplett gelesen hab) und den Diskussionen von Björn Eichstädt und Amir Kassaei zwar folge, aber nichts hinzuzufügen habe, weil ich einfach intellektuell eine Stufe drunter bin: Es müsste doch eigentlich jedem Werber einleuchten, dass das bestehende System von Werbung fehlerhaft ist. Und dass das alles in Teilen wirkt wie eine riesengroße Geldverbrennungsmaschine. Oder seht Ihr das anders?

[Hinweis: Werbung bitte als Synonym von bezahlter Kommunikation insgesamt verstehen.]

Dienstag, 2. Februar 2010

Zwei kätzerische ketzerische Fragen zu Social Media

Das scheint wohl am Wetter zu liegen – oder auch am Zufall. Jedenfalls hab ich gestern über ein ähnliches Thema nachgedacht wie Nico Lumma. Nico schreibt über die Social Media Week Berlin und dass da die immergleichen Leute über die immergleichen Themen diskutieren. Und sich dabei einreden, dass ihr Thema unterschätzt ist aber in nächster Zeit sehr sehr wichtig würde.

Bei mir ging's um ähnliche Fragen, über die ich dann nicht gebloggt und getwittert habe, weil sie irgendwie nicht zusammengehören aber irgendwie doch. Weil ich keinen spannenden gemeinsamen Aufhänger gefunden habe. Aber Nicos Post passt in diese Reihe und daher hau ich sie jetzt einfach mal raus:

1. Ist es nicht ein schlechtes Zeichen, dass die meisten oder zumindest viele Social Media Profis mehr über Kongresse und Veranstaltungen touren als tatsächlich sichtbare Ideen zu verwirklichen – nachdem das Thema nun wirklich schon einige Jahre alt ist? Also ich meine: Es gibt tatsächlich Einige, die tatsächliche Projekte betreut haben und betreuen sowie erfahrene Kommunikatoren sind (z. B. Tapio und Jörg, aber auch andere). Aber vielfach scheinen Vorträge und Workshops rentabler zu sein und zweitens scheint niemand die Vortragenden danach zu fragen, was sie denn schon real bewegt haben. In den Bios steht dann “führender Vordenker”, “sprach bereits bei” und so weiter. Die Fragen, die ich mir stelle: Gibt es zu allen Kommunikationsthemen so viele Dampfplauderer? Bekomme ich das beim Thema Social Media nur unmittelbarer mit? Ist Kompetenz im Sinne von Referenzen überall so augenscheinlich zweitrangig? Helfen die vielen Vortragsreisenden dem Thema Social Media eher dabei, vom Workshopthema zum realen zu werden? Oder ist es dem abträglich?

2. Wie kommt es eigentlich zu dieser Social-Media-Heldenverehrung? Also wieso finden zum Beispiel alle Jeff Jarvis so toll? In der englischen Wikipedia steht, dass er ein Dell-Support-Problem aufgedeckt hat. Das wäre eine ähnliche Grundlage des “Erfolgs” wir bei Johnny Häusler und Jamba. Was aber sagt das über die Leute aus, die ihm zuhören und ihn bejubeln? Wieso soll mir dieser Mann etwas über die Zukunft der Medien erzählen können? Hat er jemals ein Unternehmen geführt oder irgendwelche wegweisenden Weichenstellungen beeinflusst? Oder textet er nur schöne Buchtitel? Mir ist schon klar, wie Prominenz entsteht und dass das nicht unbedingt etwas mit Kompetenz zu tun hat – s. die ganzen “Experten”, die zu allen möglichen Themen in Medien zu Wort kommen. Aber ist dieses Problem nicht in der Social Media Szene besonders dramatisch? Oder bekomme ich es auch hier nur unmittelbarer mit? Und was sind die Gründe dafür: Begünstigt Twitter durch die Schnelligkeit die Herausbildung eines voreiligen Mainstreams “XY hat tolle Gedanken”? Gibt es im Web besonders viele Ahnungslose, die schon den Hinweise auf das Wort “Relations” in “Public Relations” für den Stein der Weisen halten?

Das alles mag kätzerisch, verbittert, neidisch und so weiter klingen. Es ist aber nicht so gemeint. Ich stelle mir einfach diese Fragen. Vielleicht habt Ihr ja Hinweise, die mir bei der Lösungsfindung weiterhelfen!?

Nachtrag: Einen Tipp hatte schonmal @larsbas - einen für mich etwas peinlichen: Es muss natürlich "ketzerisch" heißen und nicht "kätzerisch" - na ja, da muss ich jetzt durch :-)

Freitag, 29. Januar 2010

DRPR, Blogger, Eigen-PR und meine Gedanken

Premiere. Dies ist mein erster Blogpost mit Prolog: Am 7. Oktober 2009 war ich bei einer Social Media Veranstaltung der GPRA. Auf dem Podium sprachen vier Personen. Die Social-Media-Erfahrenen Jan Manz, Bernhard Jodeleit und Mirko Lange sowie Alexander Güttler, der mir im Web vorher nie begegnet war. Aber seine Agentur kannte ich: Komm.Passion. Ich hatte zwar keine konkreten Arbeitsbeispiele im Kopf, aber doch, dass die schöne Kampagnen machen (was sich beim Blick auf die Webseite bestätigt hat). Jedenfalls war ich nicht der einzige, der Herrn Güttlers Social Media Kompetenzen bislang nicht wahrgenommen hatte. Als er die Zuhörer aufforderte, sich an Social Media zu beteiligen mit den Worten “Wer nicht im Spiel ist, kann auch keinen Einwurf machen” (oder so ählich) sah man auf der Twitterwall Kommentare wie “Wer nicht im Spiel ist, kann auch keinen Einwurf machen. @guettler_kp 29 Follower. 10 Tweets. ” (oder so ähnlich). Jedenfalls war in den USA am selben Tag von der Federal Trade Commission (FTC) gefordert worden, dass Blogger offenlegen müssten, wenn sie für Blogposts bezahlt würden. Und Güttler sagte an diesem Abend mehrfach, dass bezahltes Bloggen für ihn den absolute Trend sei. Und er verwies auf die Forderung der FTC. Bereits damals hatte ich zwei Gedanken:

1. In welcher Welt lebt Alexander Güttler? Wieso sollte bezahltes Bloggen ein größerer Trend werden als alle anderen “gekauften” redaktionellen Einbindungen in “klassischen” Medien? Lebt ein Blogger nicht – wie der Journalist – vom Vertrauen seiner Leser? Und sind die Leser nicht im Web noch viel schneller zur nächsten Webseite verschwunden als sie die Zeitung wechseln können, wenn ihnen der Inhalt nicht gefällt? Ich meine, es kann ja sein, dass ich das zu blauäugig sehe und dass alle Blogger käuflich sind. Aber ich erlebe das anders. Und ich sehe gar keinen Handlungsbedarf.

2. Kann es sein, dass Alexander Güttler dieses Thema aufgreift, weil er es für sich besetzen will? Wie oben beschrieben ist sein Name ja nicht gerade einer, der einem sofort einfällt, wenn man nach Social-Media-Experten in der PR sucht. Wollte er dieses Thema also zu seinem machen? Die Art, in der er es thematisiert hat, wirkte auf mich so, als ob. So eine Forderung eignet sich ja auch prima zur Profilierung: Es ist eine Frage, bei der Leute, die keinen Schimmer von den Zusammenhängen in der Blogosphäre haben, mitreden können: Gekaufte Redaktion = Pfui. Um das zu verstehen, braucht man keinen Twitter-Account. Desweiteren bestätigt es all diejenigen, die sowieso meinen, dass in Blogs nur Schmarrn steht. Und es ist ein Thema, das denjenigen, der es besetzt, als idealen Beratungspartner dastehen lässt: Jemand, der sich auskennt, der aber die Bodenhaftung nicht verloren hat.

Prolog Ende.

Und nun meldet sich Alexander Güttler ein weiteres Mal. Er geht an die Presse und berichtet über ein Manifest, das ein Gremium, dem er angehört – der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) – veröffentlichen will. Tapio Liller hat das perfekt zusammengefasst und treffend kommentiert. Die Frage,die sich mir stellt: Wieso geht man mit etwas an die Presse, was es noch gar nicht gibt? Wieso keine offizielle Mitteilung des Rates, sondern ein Interview des Herrn Güttler? Und nun hab ich schon wieder einen Gedanken: Wenn ich höhere moralische Maßstäbe an jemand anderen anlegen will, sollte ich dann nicht selbst sehen, dass ich diesen Maßstab mehr als erfülle? Muss ich dann nicht auch die Beweggründe für mein eigenes Verhalten offenlegen? Zumindest wenn diese dem Inhalt meiner Äußerungen nicht zu entnehmen sind? Oder anders gefragt: Wenn jemand an die Presse geht und über ein nicht-veröffentlichtes Manifest spricht für das es m. E. keine Notwendigkeit gibt – schon gar nicht für eine Vorabveröffentlichung – liegt dann nicht der Verdacht nahe, dass es um Eigen-PR der interviewten Person geht? Und wenn das der Zweck ist, wäre es nicht mehr als lauter, auch dies dazu zu sagen?

Wie gesagt: Waren nur so ein paar Gedanken.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Blumenladenrettung:
Zartes Pflänzchen, aber immerhin

Sachar hat vor einigen Tagen eine Aktion ins Leben gerufen, mit der er einen kleinen Blumenladen in Berlin retten möchte. Der Besitzer war lange krank, konnte seinen Laden deshalb nicht öffnen und bangt nun um seine Existenz. Es sind bislang, wenn ich richtig rechne, ca. 2.000 von 10.000 nötigen Euro zusammengekommen [Ich hoffe, das ist korrekt zusammengefasst].

Eine spannende Diskussion dazu habe ich auf Twitter und Facebook gesehen. Peter Brodmeier fragt auf Twitter “die ganzen schlauen Social Media Berater”, wie sie den bisher seiner Ansicht nach durchwachsenen Erfolg der Aktion bisher begründen. Und auf Facebook behauptet er “Selbst auf einem Weihnachtsmarkt in Ibbenbüren wäre mehr zusammen gekommen.”

Meine Meinung: Lieber @broti, das möchte ich sehen. Wie Du auf dem Weihnachtsmarkt in Ibbenbüren 2.000 Euro für einen Blumenladen in Berlin zusammensammelst. 2000 Euro für einen Laden, den die Spender zum Großteil vermutlich nicht einmal gesehen haben – geschweige denn, vermissen würden. Du hast recht, wenn Du damit sagen willst, dass die Leute im Social Web auch nicht spendabler sind als im echten Leben. Wieso sollten sie auch, es sind doch die gleichen Menschen. Aber 2000 Euro sind 2000 Euro. Das ist mehr als nix.

Ach so: Spenden könnt Ihr übrigens hier.

Montag, 14. Dezember 2009

Ich bin NICHT immer erreichbar
- zumindest nicht per E-Mail

Da soll noch einer sagen, Twitter sei blöd. Heute fand dort und im Umfeld eine spannende Diskussion statt. Über das “Real-Time-Web” und darüber, ob man als Berufskommunikator permanent erreichbar sein muss oder sollte oder ob man stolz darauf sein darf, am Wochenende keine E-Mails zu beantworten.

Für mich beinhaltet diese Diskussion zwei spannende Aspekte:

Der eine ist die Frage von Mark, ob mit dem Einfall des Berufs ins Privatleben auch das Privatleben in den Job einzieht. Die klare Antwort für mich: Ja, das ist doch längst passiert. Schon mit der E-Mail – genau genommen schon mit dem Telefon - verbanden sich privates und berufliches Leben, weil es ganz einfach war, Kontakt in die andere Sphäre aufzunehmen. Und dieser Trend verstärkt sich. In beide Richtungen. Welches beider Leben nun stärker in das andere eingreift, hängt vom Job ab. Aber ich würde gesamtgesellschaftlich gesehen tippen, dass häufiger private E-Mails im Büro als berufliche E-Mails zuhause gelesen werden.

Der zweite spannende Aspekt ist die Frage des Wünschenswerten. Meine persönliche Ansicht ist: Am Wochenende erwarte ich von niemandem, dass er standardmäßig seine Job-Mails bearbeitet und ich habe deshalb nicht das Gefühl, dass ich den Job wechseln müsste – wie Daniela Hinrichs es vorschlägt (Nachtrag: In Marks Blog erklärt Daniela, wie sie zu dieser Meinung kommt). Ich denke, jeder Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Privatleben und ich finde es absurd, dieses zu opfern – nur, weil es Handys gibt, die E-Mails empfangen können. Damit möchte ich niemandem verbieten, in seiner Freizeit Job-Mails zu checken. Aber es muss in jedem Leben Phasen geben, in denen es meine eigene Entscheidung ist, ob ich das tue oder nicht. Wenn ich ständig E-Mails beantworten MUSS, wird das Telefon irgendwann zur elektronischen Fußfessel. Das ist nicht gut für meinen Gemütszustand und damit auch nicht gut für meinen Arbeitgeber.

Nun mögen Leute entgegnen, dass es im Job eines Berufskommunikators Notfälle gibt. Und ja, das stimmt auch. Und ich bin auch jederzeit bereit, jedem Kunden und Journalisten für diesen Fall meine Handynummer zu überlassen, unter der er mich permanent erreichen kann. Aber dieser Notfall darf eben nicht zum Normalfall werden. Wenn jemand mich in meiner selbstbestimmten Zeit fremdbestimmen will, dann erwarte ich, dass er sich wenigstens einen Moment lang Gedanken darüber macht, ob das nun wirklich erforderlich ist. Und dieser Moment ist die Entscheidung: Ja, ich rufe an. Ja, ich schreibe eine SMS.

Meine Wahrnehmung zur 24/7-Erreichbarkeit ist häufig eh eine andere als die, die von vielen der Praktizierenden als Grund genannt wird. Nicht der Job oder der Arbeitgeber oder der Kunde oder der Journalist fordern, dass man permanent Gewehr-bei-Fuß zur Verfügung steht, sondern die Erreichbaren selbst. Es ist die Meinung, selbst unabkömmlich zu sein. Aber die ist falsch. Jeder ist ersetzbar. Immer und überall.

Samstag, 12. Dezember 2009

Die Frage der Agenturaufstellung

Spezial- oder Full-Service-Agentur - die Frage nach der richtigen Aufstellung von Agenturmarken ist so alt wie die Agentur selbst. Gerade neu aufgestellt hat sich die Agentur achtung!. Per Video vom und anhand des Hamburger Isemarkts erklärt CEO Mirko Kaminksi, wieso er an integrierte Kommunikation aus einer Hand glaubt: Wenn man Gäste zum Abendessen einlade und auf dem Isemarkt am Käsestand frage, welches Essen perfekt geeignet sei, würde einem Käse empfohlen. Der Wurststand rate einem zu Wurst. Und für den Fischhändler sei Fisch das Essen-to-eat. Und dann stellt er die neue Aufstellung von achtung! vor. Alle Disziplinen unter einem Dach mit Social Media und Kreation als Querschnittsaufgabe sowie einem "Holodeck" auf dem sich die Kundenteams treffen, die aus allen Disziplinen zusammengestellt würden.

So schön, so einleuchtend. Doch bleiben wir doch mal im Bild: Was ist denn beim Lebensmittelkauf die Alternative zu den einzelnen Marktständen? Richtig, der Supermarkt. Da finde ich auch alles. Nur halt alles nicht in der Qualität und mit der Beratungstiefe wie auf dem Wochenmarkt. Und das nicht, weil Edeka schlechte Lebensmittel verkaufen will. Sondern einfach, weil es sehr schwierig ist, in allen Bereichen eine solch umfassende Qualität anzubieten. Viele Leute bevorzugen deshalb eben doch die Empfehlung vom Käse-, Wurst oder Fischstand. Weil die halt aufgrund der hochwertigeren Einzelzutaten unter Umständen besser schmeckt. Weil der Käsehändler mir sicher auch sagen kann, wo ich guten Fisch bekomme. Weil es viele Wege zur Erreichung des Ziels - die Zufriedenheit der Gäste - gibt. Weil Käse-, Wurst- und Fischmenü zwar unterschiedlich schmecken - aber vielleicht doch gleich gut.

So bleibt für mich am Ende die Frage nach der richtigen Agenturpositionierung eine offene. Nur eines scheint klar: Egal, was man macht - man muss es richtig machen. Man muss sich bewusst für seine Struktur entscheiden. Ich jedenfalls wünsche viel Erfolg mit der neuen Aufstellung. Und nun zeig ich auch endlich das Video:


Sonntag, 6. Dezember 2009

Wieso ich Twitter gerade nicht so mag

Vor etwas mehr als einem Jahr hab ich in einem Blogeintrag beschrieben, wieso ich Twitter so toll finde. Und lange Zeit waren es genau diese Gründe, die mich Twitter begeistert nutzen ließen. Doch mittlerweile ist das nicht mehr so. Sicher, ich bin immernoch häufig auf Twitter. Aber eigentlich nur noch, um mich zu zerstreuen und nicht mehr, weil mich dieses Tool fasziniert. Warum das so ist? Ich versuche mich an einer Begründung.

Ein PR-Kollege hat mir letztens mal gesagt, dass Online-Medien immer dann kaputt gehen, wenn PRler und Berater massenhaft in sie einfallen. Ich finde ja, dass man es sich mit so einer Aussage reichlich einfach macht. Aber trotzdem ist etwas wahres dran – vor allem in Bezug auf Twitter. Die Auto-Direct-Message für neue Follower, das Danken für Retweets, die Empfehlungstweets für Tweetranking – meines Erachtens sind das typische “Freundlichkeiten” von PRlern. Nun ist gegen Freundlichkeit ja nichts einzuwenden. Aber in meiner Timeline senken diese Null-Inhalt-Tweets die Relevanz. Für mich ist das schlichtweg Spam.

Das allein ist natürlich kein Grund, Twitter weniger zu nutzen. Aber irgendwie schließe ich von der oben beschrieben Twitterspamereien einiger Vor-allem-PRler auf eine Geisteshaltung. Und die behagt mir nicht. Denn noch vor einiger Zeit war Twitter für mich ein Tool, mit dem ich Menschen kennenlerne, Wissen gebe und nehme und mich informiere. Das hat sich aber nun geändert – es geht diesen “Kommunikationsprofis” für mich zu sehr um Reputation. Und “zu sehr” vor allem deshalb, weil ich nicht Followervieh sein möchte. Ich nutze Twitter um zu kommunizieren und nicht um berühmt zu werden. Und ich möchte Twitter gemeinsam mit Leuten nutzen, die das genauso sehen.

Jetzt könnte man ja sagen: Wenn Dir das Getwittere eines Users nicht passt, unfollowe ihn doch einfach. Könnte ich ja auch machen. So wie bereits heute bei den ganzen “Nur-noch-5-Follower-bis-1.000”s und “Heute-wieder-viel-gearbeitet-aber-tolles-Ergebnis-für-den-Kunden-erzielt”s. Das geht aber in diesem Fall nicht. Denn ich nutze (und nutzte) Twitter ja insbesondere, um mit Leuten aus der Kommunikationsbranche zu kommunizieren. Weil mich der Austausch zu Themen der Branche gereizt hat. Wenn ich denen nun allerdings ausgerechnet denen entfollowe, dann kann ich das Twittern auch gleich lassen. Das wiederum will ich aber auch irgendwie nicht.

Soweit zu meinem Unbehagen bzgl. Twitter. Wie’s aussieht, werde ich wohl weiterhin immer weniger auf Twitter gehen und abwarten, wie es sich entwickelt. Irgendwann werde ich’s dann ganz bleiben lassen. Oder eben wieder einsteigen, weil sich die Twitter-Kultur oder meine Meinung verändert haben.

Es sei denn, jemand von Euch hat eine andere Idee, was ich tun könnte. Also?

Montag, 23. November 2009

Danke, PR!NT Communications Consultants

Kennt Ihr diese Momente? In denen man so viel sagen könnte? Und doch nicht weiß, was? Genau so einen erlebe ich gerade. Denn soeben ist meine Zeit bei PR!NT Communications Consultants – oder wie wir sagen: in der PR!NT – zu Ende gegangen. Fünfeinhalb Jahre nonstop (und ein halbes Jahr Praktikum einige Jahre zuvor). Puh.

Mir schießen so viele Bilder in den Kopf: Vom Aufzug eines Berliner Kaufhauses, gefüllt mit 16 Hostessen - und mir. Von abgefrohrenen Zehen beim zweistündigen Dreh einer 30-Sekunden-Sequenz für ein TV-Wissensmagazin. Von Berkant. Von Kühltaschen im Dezember. Von Wörtern in Taschenrechnerdisplays. Von lecker Essen mit Mondragon. Von absurden Meldungen und Akkord-Überzeugungsarbeit. Von Hasenfarmen und Blasenspaß. Von Nichten von Metzgern. Von 11Freunde. Von Klebestiften. Von Übernachtungen in ehemaligen Bordellen. Von radegebrochenem Bayerisch. Von heißen Steinöfen. Von Impulsen. Vom Bookletieren nachts um 4.30 Uhr. Von “Und jetzt kommt der Knaller!”. Von einem 10 Jahre älteren Fotografen, der mich für gleich alt hielt. Von FC Bayern gegen TSG 1899 Hoffenheim. Von Extrameilen. Davon, dass auch ein Gespräch ein Gottesdienst sein kann. Von Misswahlen in Microblogging-Diensten. Von US5-Fans in Social Networks. Von Cradle-2-Cradle. Von Ministerpräsidenten und Sportverschlüssen. Von 16 Marathons in 16 Monaten in 16 Bundesländern. Von schlechten Verlierern auf Award-Verleihungen. Vom Schorlemeister. Von Linz. Von Silikon. Von einer Woche im Aachen-Trikot. Von (TM). Vom Elektrostüberl. Und während alledem: Von vielen ganz fantastischen, inspirierenden und "kennenswerten" Menschen.

Ich bin sehr dankbar für das, was ich die letzten Jahre in der PR!NT erleben und lernen konnte. Und ich danke allen Kollegen, Vorgesetzten, Kunden, Journalisten und Partnern – dafür, dass Ihr mit mir zusammengearbeitet und mich ausgehalten habt.

Ich hoffe, dass wir uns weiterhin im Auge behalten.

Es war eine sehr schöne Zeit!

So, und jetzt noch Video von meinem ersten Abschied bei PR!NT (damals noch PRint) - nach meinem Praktikum 2002. Simon - der Sänger - hat's zum Abschied von Fritz - dem Drummer - digitalisiert. Klaus - den Basser - sehe ich beim nächsten Sommerfest in Woerhaltwohnt. Der schwarze Mann an der Gitarre bin ich:

Dienstag, 10. November 2009

Bono und David Hasselhoff: Zwei Stars - ein Modegeschmack

Da haben wohl zwei den gleichen Jacken-Schneider, was?




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